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Der Israelit · 1886-10-06 · Heft 79-80 (6.10.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 79-80 (6.10.1886)
Date
1886-10-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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I.'itfä achtzehn Jahren offen zu gestehen, das; sie ihn lieb gewonnen, ihn dauernd an sich fesseln, ihn bis er fe:i.';{id erreicht, Medieean - Doktor geworden, in arrsgiebigster Weise unterstützen wollte», so Vas; er sich ungestört dem Studium der Heilkuude hirkgeben konnte, nnd das; sie ihm, wenn er ihrer bis dorthin erwachsenen Tochter gefallen nnd ihre Neigung erwidern würde, zur Gattin geben wollten. Eisler war kein gebildeter Mensch im Sinne unserer Zeit, ober sein Geist war durch talmudische Studien geschärft worden, er hatte in seinem alten, von seinen Eltern ererbten, ausgebreiLeten Geschäfte reiche Erfahrungen gesammelt, war ein kluger Mann, ein gewandter Natnrrcdner, der für Meeine gefällige Form fand. — Ohne in plumper Weise den Werth des Äeichthums allzusehr zu betonen, wußte er cs doch hcrvorzuhcücn, welchen Nutzen der Besitz irdischen Gutes, gerade dem Manne der Wissenschaften biete, welcher ohne von der Sorge um das tägliche Brod, dieser leben könne. Pinkös hatte um so gewisser auf die Annahme seines Anbotes gerechnet, als sein zwölfjähriges Töchterchen, ein schönes wohlerzogenes Kind war, das eine schöne Jungfrau zn werden versprach. Um so größer war sein Erstaunen, als Michael unter stärken! Erröthcn, verwirrt erwiderte: Er fühle sich durch die Güte nnd das Vertraue», das ihm Eisler nnd seine würdige Frau cntgcgmbrachteu, hochgeehrt; aber er müsse den Antrag, so ehrenvoll und schmeichelhaft er auch sei, doch mir herzlichem Danke ablchnen. Trotz seiner Jugend sei er doch durch doppelte Bande, jener einer warmen Neigung nnd jener der Dankbarkeit gebunden. Er betrachtete sich schon jetzt als den Verlobten seiner nunmehr elfjährigen Pflegcschwester Sara. — Was unwiderbringlich verloren, was unerreichbar ist, erscheint im erhöhtem Grade begehrenswerch, und die edle Festigkeit, mit welcher Michael einen Antrag, der einen Anderen in seiner V'ßac glücklich gemacht hätte, ließ ihn das Scheitern feines Lieblingsplauts noch schmerzlicher empfinden. — Allels nach kurzem Bedenken, freute es trotzdem den gewistenhaften, frommen Eisler, daß Michael die hatte Versuchung so ehrenvoll bestanden. „Ich bäne," sagte er zu seiner Frau, als er ihr das l^gebnis; seiner Unterredung mit Michael Ulein Mitcheilte, „es nie verwinden können, wenn ich, ohne es zu wollen, meinem alten Jugendfreunde erneu solchen Schaden .zugefügt hätte. Wir sind ja bornch tzcnchcmr; reich, wir werden für unsere Zuckerigen Kinder leicht einen Eidam finden, wir können im jirze haschem") unserer Tochter eine 1) Lob. 2) So »ran wiü. große Mitgift geben, und für unseren künftigen Schwiegersohn, wenn cs nöthig ist, auch um den höchsten Preis eine Familienstelle kaufen, das Alles aber kann der brave Aron Brack nicht." „Weißt Du Neb Pinchas," erwiderte Frau Debora, „es ist mir ganz recht, daß es so gekommen, denn hätte Michael unfern Antrag angenommcn, wäre er gar nit der brave Mensch gewesen, wie wir ihn uns vorgestellt haben, und wir hätten uns und unser.stiub betrogen .... und ich gönne dem braven Neb Aron Brack sein großes Glück!" Daß unter diesen Umständen Michaels Abschied ans Eisler's Hause ein rührender und ehrenvoller war, läßt sich leicht vorftelle». Alle, auch die Kinder begleiteten ihn ans seiner Heimreise nach 28. wohl eine Wegestunde zu Wagen. Pinkas Eisler segnete ihn, als wenn er sein Sohn wäre, die beiden Knaben und sogar die Mädchen schluchzten laut, als wenn ihr Bruder von ihnen scheide«! würde .... Michael selbst konnte vor Bewegung gar nicht sprechen. - * * * Michael mußte, um von Nikolsbnrg nach W. zu gelangen, Brünn passiren. Es bestand damals dort zwar keine Judengcmeinde, doch hielt sich dort zur Meßzeit ein indischer Garküchler auf, nnd da gerade Brunner'Markt war nnd Michael spät am Abende in der Hauptstadt anlangte, beschloß er um so mehr bei Neb Barnch Jamnitz zu übernachten, als dieser ein W.cr war und er daher dort Marktgäste aus W. zu finden hoffte, die ihm über Pflegevater nnd Pflegeschwester aus eigener Anschauung das Neueste berichten konnten. Als Michael in das Gastzimmer seines Landsmannes trat, trug dieser eben mehreren Gemeindegenoffe» ans der Heimath, die ihr Mahl gemeinschaftlich an einen! Tische verzehren wollten, eine große Schüssel Suppe ans. Alle anwesenden W.er hatten Michael schon drei Jahre nicht mehr gesehen, denn dieser batte sich nicht unwesentlich verändett; er war hochgewachsen, stark geworden und auf Wangen, Kinn und Oberlippe sproßte der dunkle Bart, aber dennoch erkannten ihn Alle sofort. Neb Barnch hätte vor freudiger ttebcrraschuug bald die Schüssel fallen lassen nnd konnte es vor Ungeduld nicht erwarten, die Suppe ans den Tisch zu stellen, um die Hände frei zu bekommen und Michael, wie es alle Andere iliaicn, beim Scholom alechem die Rechte zu schütteln. „Das ist schön von Euch!" rief Neb David, 3» Friede mir <»uch' Begrüxungsformrl an de» von einer Reise Ankommenden.

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