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Der Israelit · 1886-09-28 · Heft 77-78 (28.9.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 77-78 (28.9.1886)
Date
1886-09-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ijiilH'H) und barüDci* zu luachen, das; sic mehr und andächtiger deren, dagegen aber vreilign' Lärni und 2ii*nmfl ucnivlfldjf» folltcu, als dies die lebhasien ^'mscycn früher gelhan. — Auch seine eigenen Anilfleflriiljfitfii, schrieb cr weiter, hielten ihn gerade inn diese Zeit in Rickolsbnrg fest, Er müsse sich mnnlich um die Aufnahme in die philosophische LehriiimaU (die den Rann einer Fakultät besaß) bciverben und es wurden ihm voraussichtlich hierbei Schwierigkeiten bereitet werden, die er überwinden müsse, und es falle Heuer der Beginn des Studienjahres mit den jüdischen Feiertagen zusammen. Wie er seinem Pflegevater später berichtete, wollte man ihm, da ihm zu erreichten sechszehnten Lebensjahre noch einige Tage fehlten, in der That die Aufnahme verweigern, allein er wußte cs endlich durchznsctzen, das; er als ordentlicher Hörer eingeschrieben wurde. Schon in den ersten Tagen bemerkte er, das; einige judenfeindliche Kollegen etwas gegen ihn im Schilde führten. Seine große Klugheit ersetzte die ihm mangelnde Lebenserfahrung. Er erkannte, daß er es nicht wie der Straus; machen dürfe, welcher den Kopf in den Strauch steckt und nicht gesehen zu werden glaubt, das; ein Ausweichen und' Richtbcmerkeuwollen nicht zweckmäßig, ja auf die Dauer nicht einmal ausführbar sei und einen Zusannuenüoß nicht verhindern könne. Er beschloß daher einem solchen zuvorzukommen, und als einmal während der Vorlesung zweiter ärgsten Judenfeiilde, die hinter ihm saßen, einige hämische Bemerkungen über ihn und die Juden im Allgemeinen machten, redete er dieselben, nachdem der Professor den Hörmal verlassen, aber die meisten Studenten sich noch in demselben befanden, folgendermaßen an: „Meine Herren, Sie werden es mir zugestche» mimen, daß ich Ihnen gewiß nicht die geringste Veranlagung, mich zu beleidigen, gegeben habe. Ich bin gegen Sie, wie gegen Jedermann höflich gewesen und bitte Sie, überzeugt zu sein, daß wenn ich in der Lage gewesen wäre, Ihnen zu dienen, ich dies mit Vergnügen gerhan hätte. Mir um so größerem Erstaunen habe ich gehört, daß Sie halblaut, so daß ich cs hören konnte, über mich ge- ^oüer haben. Wenn Sie über Ihr Benehmen u ach denken, werden Sie dies selbst verurrheilen wünen. Ich bin der einzige Jude unter allen Hörern dieses Jahrgangs, und wenn mir alle Kol-!».'gen in gleicher Weife begegnen wollten, würde meine Lage eine geradezu üoilfontmeu unerträgliche werden. Versuchen Sie cs, sich an meine Stelle lu versehen, malen Sie es sich aus, wie es Ihnen behagen würde^ wenn Sie sich allein unter einem Eolleginm -Andersgläubiger befinden würden, und man Sie um JhrerEoufeffion willen verspotten, lierabseven, kränken wollte. Ich dränge meinei^efellfchaft Riemum dem ans, ich lanu und will Ru m.uiden zwingen mit mir nmzugeben, aber", Michael nuir gegen seine Absicht in einem gebieterischen Tone verfallen, „ich dulde es nicht, daß mau mich ohne jeden <S5nmb beleidigt .... ich hoffe, daß eine Wiederholung dieses häßlichen Vorfalles nicht mehr Vorkommen wird, und," wandte cr sich an die andern nnbetheiligten Studenten, „daß ich durch diesen ohne mein Verschulden hervorgerufenen Zwischenfall nicht in Ihrer Achtung gesunken bin." Stach Michaels Worten war tiefes Schweigen eingetreten, einen Augenblick schien das Auditorium zu schwanke», wie es diese Angelegenheit beurtheilen solle, aber der Wahrheit wohnt eine göttliche Kraft inne und eine Stimme aus dem Kreise der Unbctheiligtcn rief: „Klein hat Recht, er hat nicht die geringste Veranlassung zu einer Beleidigung gegeben. Er ist unser Kollege, wir lassen ihn nicht kränken! Wenn dies Jemand nochmals versuchen sollte, hat er es mit mir zu thun, — lasse sich das Jeder gesagt sein!" Der Sprecher war für seine neunzehn Jahre ein Riese an Größe und Stärke, der Sohn eines reichen Lauern aus der Hanna; schon manche seiner Kollegen, die mit ihm das Gymnasium besucht, hatten bei diversen Keilereien die Kraft seiner Fäuste kennen und achten gelernt, und Alle riefen: „Heiner, (so hieß der starke Student) hat Recht, wir lassen Klein nicht beleidigen?' Einer der Beiden, welcher den Streit durch seine Neckereien provocirt hatte, trat nun an Michael heran.. „Ich habe mich übereilt und bitte Sie um Entschuldigung. Ich und mein Freund Cbermaier," er deutete ans den zweiten Beleidiger, „sind [in Tirol, wo unsere Väter als Offiziere lagen, geboren und erzogen. Wir sind cm, als das Jägerbaraillon, dessen Major mein Barer ist, nach Nikolsburg verseht wurde, hierher gekommen. In Tirol kennt man die Inden nicht,- und so hat man uns falsche Begriffe über diese beigebracht, wie ich jetzt cinsehe, unbegründete Verachtung gegen die Bekenner der ältesten positiven Religion cingcflößt. — Ich bitte Sie nochmals recht sehr für meine llebereilnng um Entschuldigung. Wenn cs Ihnen recht ist, dutzen wir uns," der Student. Auerberger hieß er, reichte Michael die Hand, in welche dieser kräftig eiuschlng. — Seinem klugen Benehmen gelang cs auch das gn:e Verhältnis; zwischen sich und seinen Kollegen, dauernd zu erhalten.

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