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Der Israelit · 1886-09-23 · Heft 76 (23.9.1886) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 76 (23.9.1886)
Date
1886-09-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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i.r bcr nvi'lV •'oäuptliuii .Ocrr von 2immun vorgesührt, derselbe, mit dem sich unser lieber Stöcker uns dem Dresdner „Antisemiten->tongreß" l.E verbrüderte: Arm ui Arm forderten die beiden edlen Männer ta*j Jahrhnndcrt in die Schranken, lieber die Natur des (S'tiicii haben uns seitdem mannigfache Prozesse und andere Vorkommnisse einige Kenntnis; verschafft, der Andere sieht min, Tank Nittner's Bericht, in vollem Glanze vor uns. Wir geben mir eine kleine Blumenlese: „Bon der Natur mit ziemlich schwachen geistigen Anlagen ausgerüstet, ohne materielle Mittel, namentlich aber ohne etwas Rechtes gelernt zu haben, womit er hätte ein gesichertes Fortkommen finden können, endlich ohne jegliche rechte Arbeitslust", benutzte Simonyi den Antisemitismus als „Handhabe, um sich selbst iu möglichst müheloser Arbeit eine angenehme, sorglose Existenz zu gründen und zu Ehrenstellen zu gelangen.^ „Tie ersten Thcilhaber und Mitarbeiter" des Antisemiten Simonyi, die es ihm ermöglichten, den „Westungarischen Grenzboten" zu gründen, waren drei Juden: während längerer Zeit „lebte das Blatt" einfach „vom Skandal", indes; zählte die Abonnentenzahl 1883 erst 1100 — da warf sich Simonyi dem Antisemitismus in die Arme, „nachdem er bis dahin", wie sein Genosse Rimier berichtet, „lediglich von jüdischem Gclde und jüdischem Geiste gelebt" hatte. Rittner erzählt dann eine ganze Reihe unsauberer, aber von ihm aktenmäßig beglaubigter Geschichten über Simonyi, den Bundcsbrnder Stöcker doch sehen wir gern von der Wiedergabe derselben ab. Als Moral dieses antisemitischen Bruderzwistes führen wir nur noch zweierlei au: erstens dag die antisemitischen Brüder in der Pnßta den antisemitischen Brüdern von der Spree völlig ebenbürtig sind, und zweitens, daß einer dieser Ehrenmänner immer von dem anderen abgethan wird. Kren.zburg i. Schl. Ter 15. dieses Mo- . nats gestaltete sich für unsere Gemeinde zu einem 'Fest- und Frcuderckag. Unsere neue Synagoge, ein herrlicher Bau, depen Grundsteinlegung im vorigen Jahre in feierlicher Weise stattsand, wurde eingeweiht und ihrer heiligen Bestimmung übergeben. An diesem schönen Feste betheiligten sich nicht nur alle Angehörige unserer Gemeinde, sondern es fanden sich auch aus den benachtbarren Städten zahlreiche Gäste ein, um dem erhebenden, weihevollen Akte beizuwohnen. 'Nachmittags 2 Uhr versammelten sich die einheimischen Gcmeindeglicder sammt den Gästen in der allen Svnagoge, denen ehrwürdige Räunre zum .letztenmal einem heiligen Zwecke dienten. In ernster, andächtiger Stimmung wurde zunächst das »2 Minchagebet verrichtet. Nachdem sodann der Herr Eantor ein schönes Gebetstück vorgetragen, bestieg Herr Tr. W. Münz, Rabbiner in Gleiwitz, die Kanzel und hielt mit gewohnter Meisterschasl eine Rede zum Abschiede vom alten Golteshause. Tie Worte des Redners, die den Ernst des Momentes, wo eine Gemeinde von der trauten Stätte ihrer Andacht für immer scheidet, in tiefergreisender Weise schilderen, machten einen gewaltigen Eindruck auf das Herz aller Hörer, so das; buchstäblich kein Auge thränenleer blieb. Nach Aushebung der reichgefchmückteu Thorarollcn setzte sich der'Zug nach der neuen Synagoge in Bewegung. Hier arge langt wurde vom Herr Eantor Hammer sch lag passende Elebetftücke recitirt, worauf Herr Tr. Rosenthal, Rabbiner in Beuthcn, in der prachtvoll geschmückten Synagoge die Festrede hielt, die mit beredten Worten und in sinniger Weise die höhere Bedeutung des Gotteshauses schilderte. Herr Rabbiner Tr. W. Münz, der im vorigen Jahre bei der isr. Grundsteinlegung die Festrede gehalten und so dem frommen Werke die erste Weihe gegeben, schloß nunmehr mit einer passenden gedankenreichen Ansprache den Weiheakr. Diese Schlußrede endigte mit einem von Herrn Rabbiner Tr. Münz vorgetragenen Gebete für König und Vaterland. In dem Gebete fand die Treue und Ergebenheit für den Landesvater, die den Israeliten durch das Religiorrsgesetz vorgeschrieben wird, und die patriotische Begeisterung desRedners einen kräftigen. Lebendigen Ausdruck. Als denkwürdig und für das Jahr der Synagogengründung bemerkenswerrh wies der Redner aus'den Umstand hin, daß diese Gründung im 90. Lebensjahre Sr. Majestät des gottbegnadeten Kaisers Wilhelm!, stattsand. Der Abend vereinigte sämtliche Thcilnehmer zu einem solenem Mahle und frohen Feste. Italien. Rom. Ein junger jüdischer Maler, Namens Hermann Junker, macht jetzt viel von sich reden. Seine Bilder machen die Runde durch die Hauptstädte Euroaps und und gegenwärtig in München und London ausgestellt, wo sie bedeutendes Aufsehenerregen. Nicht nur ist der Maler Jude, auch seine Bilder sind dem jüdischen Leben entnommen. Eines feiner berühmtesten Werke ist das Gemälde rimrn rrrp, welches eine Gruppe jüdischer Figuren vorftellt, wie sie im Frankfurter Ghetto den Neumond mit den bekannten Gebeten begrüßen. (Wir glauben, der Herr Eorrespondent irrt sich. Ter rühmliÄsr bekannte Frankfurter Maler Hermann Junker ist weder jung, noch Jude. Red.) f - S! I i l\ \

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