Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 76 (23.9.1886)
- Date
- 1886-09-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVII. Jahrgang. e )it Kr. 7(5 äes weite Se Zertttttgsnachrichte» und Corresporrdrrrzett. Deutschland. 5ritzingcn a. M. Den diesjährigen Rekruten des hiesigen Landwehr-Bezirks wurde der Befehl errheilt, am Samstag den ll. November l. I., Morgens 5.Uhr hier zu erscheinen, um gemeinsam per Lahn in ihre Garnison einznrückcn. Herr Distrikts-Rabbiner Adler dahier wandte sich dcßyalb an das Königliche Landwehr-Bezirks-Gommando mit der Litte, den Rekruten isr. Religion zu gestatten, am Freitag den 5. November direkt in ihre Garuiwnsftadt cinrücken zu dürfen, da das Religionsgesetz dem Israeliten verbietet, am Sabbat per Wagen oder Eisenbahn zu fahren. Diese Bitte wurde bereitwilligst unter der Bedingung gewährt, daß diejenigen Rekruten, israelitischer Religion, welche von der Erlaubnis; Gebrauch machen wollen, sich beim Bezirksfeldwebel persönlich melden, damit in den betreffenden Listen der Vermerk des direkten Eiurückens gemacht werden kann. Dieser Fall zeigt wiederum, wie gern die Militärbehörde» in Bauern, wenn es möglich ist, auf Wahrung unseres heiligen Rcligionsgcseyes Rücksicht nehmen. Berlin, 14. Sept. Antisemiten in antisemitischer Beleuchtung — dieses fesselnde Schauspiel, schreibt die „Volkszeitnng", verdanken wir Herrn (5. H. Rittner zu Hattingen in Westfalen. Dieser Herr, der sich die Titel eines königlich sächsischen Lieutenants a. D. und eines kaiserlich deutschen Srrafanstalts-Tirekrors a. D. beilegt,, ist ein wahrer Landsknecht der Zudellheserparrci. - Gr .war Redakteur der inzwischen aus Abonnentenmangel eingegangeneu Dresdener „Deutschen Reform", dann der seitdem an derselben Krankheit verschiedenen Chemnitzer „Internationalen Monatsschrift zur Bekämpfung des Jndenchums", bekleidete ans km Anrifemitenkongrcß zu Chemnitz da-:- Amt des Schriftführers, wurde dann Redakteur des in Preßbnrg erscheinenden ungarischen Antisenmenblarres „Westungarischen Grenzbote" und leb: gegenwärtig, wie bemerkt, in Hattingen^ um in der dortigen „Zeitung" seine Geisteserzeugnine nrederzulegen. Hcr'r dlhu »er hatte nun mit dem magyarischen Bollblntedelmann und Antisemitenhäuprling Iwan v. Simonni einige schmutzige Wäsche zu waschen und bcimmc die Gelegenheit, ein wenig ans der antisemitischen > Schule zu plaudern. Wir werden scheu, daß man da schon etwas lernen kann. Rittner beginnt mit der Mittheilnng, daß die „schmutzigen Instinkte", welche seine Parteigenossen als „Berjudung" zu bezeichnen pflegen, „nicht da« Monopol der israelitischen Rasse sind", sondern „in christlichen Kreisen unglaublichen Boden gewonnen, ja, was wenigstens Ungarn betrifft, die dortigen Antisemiten selbst ergriffen" haben. Gr fügt gleich hinzu, daß „auch der deutsche Antisemitismus zumeist als Geschäslssachc ausgebenter" wird, und Niemand wird es bestreiten, wenn er im Hinblick auf die antisemitischen Führer erklärt, daß „an der Spitze" einer politischen Bcwegungnicht „Bankerotteure", „Wechsclschwindler", „Spekulanten zweifelhaften Rufes" stehen dürfen. Eine gewisse Erläuterung hierzu gibt die gelegentliche Bemerkung Rittner'«, daß sich die ..neue Dr-, ganisarion", welche die berühniten „Amiscmiten- Kongreffe" zu schaffen suchten und die „hauptsächlich darauf gerichtet war, die nöthigen Geldmittel hcrbeizuschaffen, um die antisemitische Bewegung durch Unterstützung der Parteipresse in Fluß zu bringen, nicht bewährte, da Jeder nur haben, aber Keiner geben wollte." Von sich selbst und Anderer;, die er als die „ehrlichen" Leute der Partei bezeichnet, sagt Rittner, daß sie an« „Ekel vor der eigenen Partei und ihren Führern die Flinte ins Korn geworfen" haben. Und Herr Rittner, der lange Jahre hindurch überall mitten im Treiben der deutschen und ungarischen Antisemiten gestanden hat, muß es wissen! Nähere Ausschlüffe erhalten wir besonders über die letzteren. Was den bekannten Fall des Herausgebers des Pesther Anrisemirenblattes „FlnggerLcniseg" betrifft, der wegen Unterschlagung zn Wöblthäirgkeilszwecken gesammelter Gelder erst vernnheilt, dann aber sreigesprochen wurde, so erklärt Rittner auf Grund seiner Kenntnitz der Dinge es für zweifellos, daß Berhovay in der Notblage sich an fremdem Eigenrhum vergriffen hat. wobei es allerdings nicht gänzlich als ausgeschlossen anznsehen ist, daß er vielleicht nrwrünglich die redliche Absicht gehabt habe, die defraurinen Gelder gelegentlich zu restirniren." Nach seinen Erfahrungen hält sich Rirrner zu der Behauptung berechtigt, daß e« unter den ungarischen Antisemiten, wenigstens unter ihren Führern, nicht sowohl einzelne räudige Schafe gibt, sonden vielmehr die ganze Heerde verräudet in." Und min wird uns als Beispiel und Musterbild