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Der Israelit · 1886-09-23 · Heft 76 (23.9.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 76 (23.9.1886)
Date
1886-09-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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R u \\ taub. Odessa, 18. September. Tie „N. Fr. Pr." uu'ldet: Auf Grund eines ministeriellen Erlasses beschloß das Handwerkeramt, sämmtliche Werkstätten ausländischer Inden zu schliesten und gegen flooo jüdischen Handwerker» die Arbeit zu verbieten. A m e r i k a. Newyvrk, 4. Sept. Wie die „Ncwy. H.-Ztg." meldet, bat im Namen der „Jüdischen Eiuwauderer- Hilssgesellschaft" der Präsident derselben, Coroner Ferdinand Levy, einen Aufruf an die Israeliten der Verein. Staaten erlassen, durch welchen um Beiträge ersucht wird, um die Gesellschaft in den Stand zu setzen, den in Europa Verfolgten und nach den Verein. Staaten flüchtenden Jsraellten zu ihrem Fortkommen behilflich zu sein. St. Lorns. Atu 17. August starb dahier die älteste Jüdin von Wcstmississippi, Frau Mariana Smit, im Alter von 97 Jahren. Dieselbe hatte in Holland im Alter von 15 Jahren geheirathet und 17 Kinder, 70 Enkeln, 45 Urenkel und 2 llrurenkel hinterlassen. Ihre Mutter erhielt ki Gelegenheit ihres 100. Geburtstages vom König von Holland eine Medaille und ein Gratulationsschreiben als die älteste holländische Uuterthanin. M a r o c c o. Fez. Ter Obereiuuchmcr Hadi Adcslam el Mukre hat den hiesigen Inden die Erklärung zukommen lassen, daß, wenn sie wegen der im Mai gegen sie stattgchabten Ausschreitungen Entschädigungsansprüche stellen sollten, er beim Sultan den Antrag stellen würde, daß alle ihre mehrstöckigen Häuser abgetragen.werden müßten. F enilleto n. Zodik. Vorr N. Keller. V. Rabbi Laser hatte sein Geschäft ansgegeben, wie in seiner Jugend, sich ganz dein Thorastudium zu widmen. Cr war sehr reich geworden und konnte begnern vou seinen Renten leben. Cr und seine Frau wären die glücklichsten Menschen auf Erden gewesen, wenn nicht oftmals der Gedancke an dic verlorene Tochter sie mit tiefer Betrübniß erfüllt hütie. „Wenn unser geliebtes Kind," sagte Rabbi Laser hänsig zu seiner Frau, „gestorben wäre -- ich hätte mich längst getröstet. Aber die Vorstellung, was aus unsrer Cster geworden sein mag, quält mul) gar sehr." Mit Thränen in den Ang«'n versuchte daun Leah ihren Gatten zu trösten. „Unser Kind," sagte sie, „ist in Gottes Hand. Er wird es behüten und beschützen, da es nicht in unsrer Macht steht, für es zu sorgen. Vielleicht ist es längst gestorben." „Wenn ich das wüßte," entgegnete Rabbi Laser, „es wäre mir ein Trost! Daß nian auch gar nichts wieder von dem Schurken, dem Zodik, vernommen hat! Weit und breit habe ich nachgesorfcht und nachforschen lassen, ohne den geringsten Erfolg. Doch, was sollen die trüben Gedanken; Die Thora bringt Heilmrg für alle Schmerzen." Dann nahm er einen der großen Folianten des Tal'.nuds und vertiefte sich in dessen Inhalt. Leah aber ging in ein anderes Zimmer und weinte; ihr Gatte durste ihre Thränen nicht sehen. Eines Morgens saß das Ehepaar beim Frühstück und sprach wie gewöhnlich von dem geraubten Kinde. * „Sie muß jetzt, wenn sie noch lebt," sagte Rabbi Laser, „ein großes, schönes Mädchen geworden sein. Vielleicht sieht sie so aus, wie Du als junges Mädchen ausgeschen Haft." „Das glaube ich nicht," antwortete Leah. „Das Kind sah weder mir, noch Dir ähnlich; es glich meiner seligen Mutter." Ein Posthorn ertönte, und Leah trat an's Fenster, um zu sehen, ob am Posthause drüben Fremde den Wagen verlassen würden. Ein Mann und ein Mädchen stiegen aus; sie kannte Beide nicht und kehrte gteichgiltig an den Frühstückstisch zurück. Wenige Minuten nacher wurde an die Thüre geklopft, und ans Rabbi Laser s Hereinruf trat ein fremder Mann in's Zinmwr. „Wohl bekomme cs Euch!" sagte der Fremde. „Wohl geschehe es Euch!" antworteten Rabbi Lasar und feine Frau, wie ans einem Munde. „Wollt Ihr mit uns frühstückend" frckgie Rabbi Laser. „Frühstücken will ich wohl," antwortete der Fremde, „aber noch nicht. Ich bin eben mit der Post augekvmmen und habe mich noch nicht gewaschen und noch nicht geort."

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