Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 76 (23.9.1886)
- Date
- 1886-09-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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M .»i v XXVIT. Safjrflfliifj. Erste Serläge ju 31 r. 70 des Züraelit. V j ' ' Zeitmrgsrrachrichtett uiib CorrefpottSerr.zett. Deutsch la u d. Mcü, 20. September. Heute beehrte der deutsche Kronprinz nufere Stadt. Im Hofe des Bezirkspräsidinms hatten sich die Spitzen der kirchlichen, der Regicrungs- und städtischen Behörden imKreise ausgestellt. Ter Dezirkspräsidcnt stellte vor und der Kronprinz unterhielt sich mit jedem der Anwcsenden. Zunächst sprach er Längere Zeit mit Bischof Fleck, und zwar französich. Das Presbyterium der evangelischen Gemeinde redete er deutsch an. Dem Oberrabbiner Weil gegenüber äußerte er den Wunsch, auch die Synagoge zu besuchen; auf dem offiziellen Programm war nämlich nur der Besuch der Kathedrale nnd der Garnisons-Kirche vorgesehen. Oeffentliche Ansprachen wurden nicht gehalten. Ter ganze Empfang dauerte eine Stunde. Später fuhr der Kronprinz zur Kathedrale, zur Garnisonkirche nnd zur Synagoge; überall wurde er von der Geistlichkeit empfangen.' Oefterr.-Ungar.Monarchie. Triest, 15. September. Die Cholera wüthct noch immer in den Mauern unserer Stadt und tagtäglich fordert sie neue Opfer ans unserer Mitte. Cs ist gar nicht abzufchcn, wann einmal diese vom Allmächtigen geschwungene Geisel zur Ruhe kommen wird. Von der israelitischen Bevölkerung hier wurden bisher sieben Personen von dieser bösen Krankheit befallen, von denen sechs eine Beute des Todes wurden. Unser verehrter Oberrabbiner Bk. Melli hat daher angeordnct, daß in allen Synagogen hier besondere Gebete verrichtet werden sollen, damit der Allmächtige seine züchtigende Hand wieder von uns entferne und uns dafür Seine Gnade wieder zuwende. Untcrdencn fährt unser Woblthärrgkeilsvcrein (Fraternim di Misericorriia) fort, Fleisch und sonstige Lebensmittel nebst kleinen Geldspenden an die Armen des Ghettos zu vertbeilen, damit diese sich in dieser traurigen Zeit bener ernähren können. Wir rufen daher diesem Lereiue zu: "prs* nyc r»^?r ~rrzrr \~n* -tyz 'i zhzr (Möge &ott Dir Tein Wirken vergelten und möge Tein Lohn ein vollständiger sein bei dem Gotte Israels.) — Im Frühlruge 1884 schrieb der hiesige Stadtrath einen Preis von soo st. für das beste populäre Crziehnrrgswerk ans uiib übertrug er das Schiedsrichteramt darüber der königlichen Akademie der Wissenschaften in Venedig, die die ciugercichten Werke prüfen sollte. Ciugereicht wurden im Ganzen sieben Werke, von denen indes; die Akademie nur zwei für konkurrenzfähig erklärte und zwar das mit dem Motto „Sempter recte“ und das andere mit dem Motto „Col popol colto patria sicura“, und überließ sic es unserem Stadtrathe zu entscheiden, . welchem dieser beiden Werke der Preis zuerkannt werden soll. Dieser entschied sich für das letztere 'Werk und so ging der Autor des ersteren, unser verehrter Glaubensgenosse, Professor Vittorio Cav. Castiglioua, mit leeren Händen aus. Derselbe muß sich daher für seine gediegene Arbeit mit der Anerkennung seiner Mitbürger begnügen. — Donnerstag, den 23. d. begeht nnscre Talmud-Thoraschule den 100. Jahrestag ihres Bestehens und wird derselbe daher von der hiesigen Gemeinde festlich und mit den bei unserem Volke bei solchen Gelegenheiten üblichen Wohlthätigkeirsakten begangen. Auch wird an diesen! Tage in dem Hause der Anstalt eine ans die Feier bezügliche Gedenktafel festlich enthüllt werden. Auch eine Geschichte dieser Anstalt wird am selben Tage der Oesfentlichkeit übergeben, deren Reinerträgniß für fromme Stiftungen bestimmt ist. Antor dieses Gcschichtswerkes ist der oben schon genannte Professor Vittorio Castiglioua. — Unser verehrter Oberrabbiucr M. Melli, der aus Ravenna stammt, war bis zu dein 1860 erfolgten Tode unseres unvergeßlichen Obcrrabbincrs Prof. Marco Tedeschi blos Unterrabbiner hier und besaß er damals auch ein Erzichuugsiustitut, um seine Familie besser ernähren zu können. Dieses Institut behielt er auch nach seiner Berufung auf den Sinh! eines-Oöerrabbiners bei, wobei ihn feine hochgebildete und tüchtige Frau wacker unterstützte. Seines vorgerückten Alters halber har sich jedoch unser Oberrabbiuer entschlossen, dieses Institut, nachdem er es volle vierzig Jahre in Ehren geleitet, aufzulanen und sich aus seine Wirksamkeit als Seelsorger zu beschränken. Ucbrigeus har cs Herr Melli nicht nötlrig, auch Iugeudbildner zu sein, da das hiesige Obcrrabbinar eine sehr gute Pfründe ist, die ihren Mann, selbst, wenn derselbe Familienvater ist, anständig ernährt.