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Der Israelit · 1886-09-23 · Heft 76 (23.9.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 76 (23.9.1886)
Date
1886-09-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Als der Wagen endlich ihren Angen entschwnnde»,'kehrten sic in Bntschowitz's Haus zurück, und Brack bat diesen, seinen Wagen aiifpainicit zu lassen, damit sie nach Hause fahren könnten. Dreizehntes Kapitel. Michael Klein war von Brack's Jugendfreunde Reb Avigdor Tauber sehr freundlich und wohlwollend aufgenomnien worden, und hatte sich bald durch die Aumuth seiner Erscheinung und seines Wesens die Herzen Aller, mit denen er verkehrte, im Fluge gewonnen. Schon am zweiten Tag nach seiner Ankunft in Nikolsburg rhcilte Michael Reb Avigdor Tauber seinen Entschluß mit, seinem Pflegevater nicht länger zur Last zu fallen. Er habe durch dessen Gute so Vieles gelernt, daß er sich sein Brod leicht durch Unterrichtertheilen erwerben könne und bar ihn, er möge ihn als Lehrer empfehlen, er würde seine Schüler gewiffenhast unterrichten. Michael Klein war zu einer glücklichen Zeit in Nikolsbnrg, damals die erste und tonangebende jüdische Gemeinde in Mähren, angelangt. Der Widerwille gegen das Erlernen profanen Willens, welcher noch bei Kaiser Josefs Regierungsantritte bei den Juden vorgeherrscht hatte, war, namentlich in den größer« Städten zum Theil geschwunden. Man hatte, im besten Sinne des Wortes, von dem Baume der Erkenntnis;, der Willenschaft, gekostet, und war nach dessen Früchten lüstern geworden. Man hatte den Nutzen allgemeiner Bildung kennen, und diese dadurch lieben gelernt, und war auch zu der Ueberzeugung gelangt, daß Wissen nicht — wie Nnersahrenheit früher gefürchtet hatte — dem Glauben abträglich sei. Viele, namentlich die Reichen — auch die Ehrgeizigen — wollten ihre Kinder nicht nur die Gegenstände der Volksschule, sondern auch jene des Gymnasiums lehren lallen, und da man ans vielen Gründen jüdischen Lehrern den Vorzug gab. solche aber damals wenige zu finden waren, fand Michael trotz seiner Jugend doch um so rascher eine panende Stelle, als er auch nach dem Zeugnisse des W.'er Rabbiners befähigt war in Bibel, hebräischer Sprache, Anfänger sogar auch im Talmud zu., unterrichte«. Red Piuchas Eisler, Taubers Geschwisterkind, besaß zwei Söhne, die im Alter nur um ein Jahr anseinandcrgingen und eben die israelitische Rormalschnle in Nikolsbnrg verlapen harren. Eisler wollte einen der beiden Knaben das " Gymnasium besuchen Jenen, und suchte einen Hauslehrer, der ihren und den ihrer jüngeren zwei Schwestern Unterricht übernehmen sollre, und Tauber schlug ihm hierzu Michael vor. Bevor Eisler diesen persönlich kannte, nahm 'er an seiner großen Jugend Ansland, seine Knaben waren ja nur um zwei, drei Jahre jünger, aber als sich Michael persönlich vorstellte, entschloß er sich um so rascher ihn als Lehrer und Erzieher ins Hans zu nehmen, als er selbst von ihm entzückt war, und der ältere Knabe Josef, seinem Vater dreist erklärte bei gar keinem andern Menschen ans der Wett, als den aus W. zugereisten Studenten Unterricht nehmen zu wollen. Auch hatte Michael schon bei seiner ersten Besprechung mit Eisler, einen Beweis einer für sein Alter ungewöhnlichen Klugheit gegeben. Wir haben es schon gesagt, Eisler beabsichtigte einen seiner beiden Sühne dem Gelehrten-, den andern dem Handels- Stande zu widmen. 9hm hatte es sich darum gehandelt, wer der Student werden sollte, ob der ältere Josef, oder der mir ein Jahr jüngere Jakob. Beide wollten, vielleicht weniger ans Wissensdrang als aus Ehrgeiz, das Gymnasium besuchen. Tie Mutter, welche den Erstgebornen bevorzugte, unterstützte dessen Begehren, und begründete dies damit,, daß Josef zwar — wie sie wahrheitsgemäß zugestehen mußte — lange nicht so fleißig sei als Jakob, dagegen aber sehr rasch auffalle und es daher ganz gewiß als Gelehrter weit bri.gen werde. Dagegen aber stimmte Reb Pinch.s gewaltig. Josef, sagteer, sei als Erstgeborner, der Famulant, und müsse einmal das Geschäft sein s Vaters übernehmen; daS fei Generationen lang in seiner und in allen anständigen Familien so gehalten worden. Uebrigens sei Jakob ja sehr fleißig, und er. wisse cs ans Erfahrung, noch von seinem I schiwaleben her, daß ein fleißiger Bacher-) mitmäßige.:Geistesgaben es oft weiter bringe, als ein Charis") d.r aber lieber Karlen spiele als über den Sforim4) sitze.— Michael war nun um seine Meinung über diese Frage angegangen worden, und gab diese in unerwarteter, alle hochbefriedigcnder Weise ab. Er schlug vor, vorläufig beide Knaben das Gymnasium besuchen zu lassen, da Winen und Bildung in jedem Stande zu Nutzen und Zierde gereichten. Erst später würde man zu erkennen vermögen, welcher von Beiden sich mehr zu den höheren Studien eigne. Es sei möglich, daß der ältere Josef sich die Sache leichter vorstclle, als sie in der That sei, die Lust am Studium verlieren und schließlich selbst bitten würde, ihn dem Kaufmannsstand zuzuwenden. Tie Bermmhnngen des Vaters und der Mutter über die größere oder geringe Eignung ihrer Söhne zum gelehrten Stande beruhten auf höchst unsicheren 2) Talmrdrünger, 3) fch-rnmnrger.Jtopf, 4) bea Büchern.

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