Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1886)
- Date
- 1886-09-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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!!■ -'i iii'.l; ein flciuco M iiib war, meinen wirklichen Eltern jiciiiiiDC. Meine (Litern mären Hilden, und ich l>in ,',!n:en dunkbar, das» ich durch Tie Gclcgcuhcil finde, ux Mördethöhle zu entrinnen."" „Du bist nicht das Kind der LLirthslentc, Tn biss eine Jüdin?" „„Ich habe es erst vor kurzer Zeit erfahren, als ich unbemerkt ein (besprach meiner vermeintlichen Wern mit anhörte, bald nachher, als der schwarze Philipp und mein vermeintlicher Vater den Franzosen nmgcbracht haben."" „Also das sind die Mörder des Franzosen, dessen Ermordung die ganze Gegend weit und breit wir Schrecken erfüllte! Lieschen, ich werde nie vergessen. was Du an mir gclhan hast, und da Du eine Jüdin bist, so weiß ich schon, was ich zu rhun habe." Da cs dunkle Nacht war, konnte Kaufmann nicht sehen, daß Lieschen erröthcte. Sie stand auf. „„Kommen Sic,"" sagte sie, „„wir wollen doch nicht so lange hier verweilen. Eine Stunde vcn hier liegt das Städtchen Arbergen. Dort kenne ich einen armen jüdischen Hausircr. Ihn wollen wir anfsuchen; er wird uns für den Rest der Nacht Unterkunft geben.'' Schweigend schritten die beiden jungen Leute neben einander her. Bald kamen sie auf die Chaussee, die nach Arbcrgen führte; nach einer Stunde erreichten sic diesen Ort. Sie klopften an das Hänschen des Hausircrs, der, als Lieschen ihren Rainen nannte, sofort aufstand, Licht machte, die Hausthnrc öffnete und die Beiden einlicß. Schmajo, so hieß der Hausircr, war nicht wenig erstaunt, als .Kaufmann und Lieschen ihm alles erzählten, was sich ereignet hatte. „Wer hätte das gedacht", sagte er, „daß der Gotthelf ein Räuber und Mörder sei! Jetzt wird mirs klar, warum er keinen Knecht und keine Magd ms Hans nahm, sondern all die schwere Arbeit mit seiner Frau und seiner angeblichen Tochter selbst besorgte. Daß Du eine Jüdin bist, Lieschen, wundert mich sehr. Du hast eigentlich kein jüdisches Aussehen. Allein, der Gotthelf sicht jüdisch ans, und cs geht die Sage, er sei früher Jude gelvesen. Was willst Du nun ansangen, Lieschen?" ^„Jch werde,"." entgegnere die Gefragte, „„mir eine Stelle als Dienstmädchen in einem jüdischen Hause suchen."" „Das werde ich nicht zugeben," ries Kaufmann. „Meine Lebensretterin soll nicht als Magd dienen, ^zch will Dir einen Vorschlag machen, Lieschen. Ich habe einen Onkel, der heißt Rabbi Laser Kahef. Seine Frau, .meine Tante Leah, ist gut und saust und hüll viel ans mich. Die Leute haben keine Kinder und werden meine Lebensretterin gern bei sich anfrlehlnerl. Zn il)ucu will ich Dich schicken, bet ihnen magst Du bleiben bis. Meine Mutter ist leider tobt, sonst würde ich Dich ln mein elterliches Hans führen." Lieschen sing an zu weinen. „„Sie sind zn gütig, Herr Kaufmann,"" sagte sie. „Ich will Ihrer Tante nicht zur Last fallen, ich will mir selbst mein Brod verdienen."" „Meine Tante wird sich unendlich mit Dir freuen. -Sie hat selbst einmal ein kleines Mädchen gehabt; ich glaube, es ist gestorben. Gern würde ich Dich hinbegleiten. Allein, ich darf den Markt in Tongern nicht versäumen; es hängt gar zu viel daran ab. Wäret Ihr vielleicht so gut, Schmajo, Lieschen nach Vcnlo zu begleiten? Ich würde Euch reichlich dafür belohnen." „Gern," antwortete der Hansirer. „Um 8 Uhr fährt die Post hier vorbei, da. könnten wir - schon mitfahrcn." „Gebt mir," sagte .Kaufmann, „Papier, Tinte und Feder, damit ich meinem Onkel und meiner Tante einen Brief schreibe, den ich Euch mitgcbcn werde." Ter Hausircr holte das Verlangte herbei. Während Kaufmann den Brief schrieb, weckte Schmajo seine Frau, damit sie das Frühstück bereite. Die Frau lag im tiefsten Schlafe; aber die Wundcrmähr, die ihr Gatte ihr brachte, ermunterte sie bald. Unterdes; war der Tag angebrochen^ Die beiden Männer wuschen sich und verrichteten das Morgcngebet. Dann wurde der dampfende Kaffee anfgctragen, nebst Brod, Lutter und Käse. Als das Frühstück verzehrt war, machte sich Kausmann auf den Weg. „Leb wohl, Lieschen", sagte er, „auf baldiges Wiedersehen in Bcnlo!" Dem Hansirer drückte er zwei Goldstücke in die Hand und ging seines Weges. Bald nachher rollte der Postwagen vorbei. Schmajo ries den Postillon an, und dann suhriLieschen mit ihrem Begleiter ihrem künftigen Wohnorte entgegen. (Fortsetzung f. in der nächsten Donnerstags-Nummer.)