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Der Israelit · 1886-09-16 · Heft 74 (16.9.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 74 (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX VH. Mnaann. * ♦ « |-r «4 1 ' at % k )!I Zeiirr«gs«achrichteu und E orrefpottdenzen. D e u t s ch l a « d. Berlin, 11. September. Ter L and- und N eichstagsabgeordncieLudwigLöwc ist, wie bereits gemeldet, heute Vormittag im Alter von 4U Jahren au den Folgen einer tödttichen Tarmerkranknug verschiede n. Mit Ludwig Lowe ging ein reiner, vortrefflicher(5harakrer dahin, ein pftichtbewns;- rer, nber.zeugnngsirener Mann. Ter Verstorbene war nicht nur Mitglied des deutschen Reichstages und des Landtages, welchem letzter» er als einziger Jude angehörre, auch die Berliner Stadtvertretung zählte ihn seit 22 Jahren zu ihren arbeitssrendigltei! .Kräften, und wie er seine politische Gesinnung stets unerschrocken auf der Varlamentstribünc verfocht, so muß« der feurige Lavaftrom seiner Rede die Masten begeistern. Mit dem Zudcntüum als solchem nnterhielt er, troydem er von religiösen Eltern stammte und die Würde eines Repräsentanten der hiesigen Synagogengemeinde bekleidete, nur geringe Beziehungen, wenn auch nicht geleugnet werden darf, dag er, wann auch immer blindeBerfolgungswuth nufere Brüder im Osten der Vernichtung preiszugeben drehte, mannhaft für das Recht der Wehrlosen cimrai, und unter allen jenen Aufrufen für unsere russtschen Brüder war der Name Ludwig Löwcs zu sindcn. Sein Schweigen auf die Anklagen des Ministers st: der jüngsten Ausweisungsvevatie wurde ihm von vielen Seiten verübelt, er hielt fälschlich die Zeit des Redens noch nicht für gekommen, und cr selber mochte sein passives Verhalten diesen und anderen fpedcfl jüdischen Interessen gegenüber lebhaft bedauert haben; viele Anzeichen sprachen dafür, und noch wenige Tage vor seiner Abreise nach Gastein erklärte er einem Freunde, für die durch die bekannte Thlerschutzpetirion gefährdete religiöse Gewissensfreiheit feiner Glaubensgenosten s. Z. im Plenum mit aller Kraft einneten zu wollen: cs I)oi nicht sollen sein! Am meisten aber, ja fast nur allein haben wir in ihm den kühnen und sich hinopftruden Verfechter unserer politischen Freiheiten zu betrauern, den Verfechter unserer heilige!! .Rechte gegen die brutale Ausartung einer angeblichen nationalen Gesinnung. Mir der Tapferkeit des Mannes — das sind feine eigenen Wone am Grabe Sirastmanus — stellte auch er sich in Reih und Glied, litt! den unberechtigten Ansturm ab.mwehreu, und ni diesem Mampfe hat er treu ausgeham auf seinem Posten, in dem .Mampfe über die Gleichberechtigung alles dessen, was Mcuschcuautlin trägt auf Erden. Und gerade gegen ihn sollten die jiidenseiudlichen Eohorteu ihren schmählichen Angriff richten, aber Ludwig Löwe stand persönlich;it hoch. als das; die trüben Flutheu des Haffes fenicn Full auch nur hätten neben können, der Schild feiner Ehre war zu blank, als dass au ihm die Giftpfeile der Verleumdung nicht hätten abpvallcu sollen: fo hat er gelebt iiHD so ist er gestorbenTie Trauerkunde hat hier in den weitesten Mreifen schmerzliche Thcilnahrne erweckt, die heutigen Abendblätter bringen spaltenlange Nekrologe, die antisemitische Presse schweigt. Die Beerdigung des Tahiugeschicdcueu wird am Dienstag Vormittag von der Renen Svuagoge aus stattsiuden. A. Bl. Bulgarien. Sofia. Unser Fürst Aterandcr, dessen Schicksal durch die jüngsten Ereignisse die allgemeine Aufmerksamkeit Europas auf sich gezogen, hat seit seiner Thronbesteigung freundliche Gesinnungen gegen die Juden gezeigt. Als im Sommer IST'.» Herr Lionel E.'Puke, Mitglied des Rathes der Anglo Jew. Assoe. in London Osteuropa bereiste, hatte er auch eine Audienz beim Fürsten Alerander, bei welcher Gelegenheit dieser seine Befriedigung über die Loualitär seiner jüdischen Hulenhanen ansdrückte und hiuzufügte, dass im ln. Jahrhundert kein Unterschied in der Behandlung der UnLerlhaucn wegen ihres Glaubens stattsiuden dürfe, die bulgarischen Juden können daher versichert sein, das; sie sich unter seiner Regierung vollständiger Gleichheit mit ihren Mitbürgern erfreuen werden. Dieses Versprechen hat der Fürst auch vollauf gehalten. T ü r t e i. lronftantinopel. Baron v. Hirsch har dem Eomitt» des deutsch-jüdischen Hosoimls zur Erweiterung des Gebäudes --»"»ihm) Fr. überschütt. A!geri e'n. Algier. Rach einer neuen Verordnung werden die isr. Soldaten Algeriens nickt mehr, wie bisher, in Frankreich garnisonirenden Regimentern zngetheilr.

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