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Der Israelit · 1886-09-16 · Heft 74 (16.9.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 74 (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVII. 3al)rfldiifl. - j\» 74, V'' $-%'■ (Lin Kentrak - Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Heransgegcben von k-r. Lehmarru in Mainz. Donnerstag, den 16. September 5646 (1886). Leitender Artikel. Die Sprüche der Väter. II. Buch, zweite Abtheilung. XXXIX. Mainz, 13. September. „Nicht dir liegt es ob, die Arbeit zu vollenden, rjso vvwv pin p nrx \si, und du wirst nie ein freier Herr, dich ihr Zn entziehen." So müssen wir, nach Rabbi Herz Wesels Erklärung, Leu zweiten Theil des zweiten Ausspruches Rabbi Tarphons übersetzen. „Nicht dir liegt es ob, die Arbeit zu vollenden," sondern Gott stützt dich und hilft dir und führt das Geringe, was du zu leisten vermagst, zur schönsten Vollendung. Daun wirst du ein p-n p, ein Freiherr! Eines der höchsten Güter, um welche die Menschen ringen, ist das köstliche Gut der Freiheit. Was ist Freiheit? Frei nennt rnan^ gewöhnlich denjenigen Menschen, der thun und layen kann, was er will, ohne dabei von einem fremden Willen abhängig zu sein. Demnach wären nur wenige Menschen frei, nur die absoluten Herrscher und etwa noch ein Robinson Krusoe, der allein auf einer einsamen Insel lebt. Aber auch diese' sind es sehr selten. Auch der absoluteste ^Herrscher kauu in den wenigste« Fällen thun und lapeu, was er will; Sitte und Herkommen setzen auch seinem Willen Schranken, und der zur Einsamkeit gezwungene Mensch ist gewiß nicht frei, da erwiderwillig unendlich viel entbehren muß. Frei ist nur der wahrhaft Weise, der mit Bewußtsein Lhut, was gut und recht ist. Er ist der wahre Freiherr, selbst wenn er sich in bleuender Stellung befindet. An der Wiege der Enliurvölker stand in der Nege! die Freiheit. Einfachheit der Sitten und rauhe Tugenden entwickelten die Kräfte. Bald trat dann das Volk heraus aus seiner engen Umgrenzung, unterjochte die Nachbarn und dehnte immer weiter und weiter seine Herrschaft ans. Bon den Urtterdrückten lernte cs Eivilisation, Kunst und Wisienschaft. An die Stelle der Einfachheit trat die Ueppigkeit, an die Stelle der Freiheit dft Sclaverci. Dann sank das Volk von Stufe zu ^stufe, bis es der Vernichtung anheimfiel. Anders verhielt es sich mit Israel. An seiner Wiege stand (in Aegypten) die Sklaverei; Gott brach die Fesseln Seines Volkes und gab ihm die Freiheit, cn my. „Meine Knechte sind sie, nni> nicht Knechte der Menschen." Der Freiheitsbanm, an dem wir uns emp.orranken, ist die Thora; sie gibt uns die wahre Freiheit, und diese Freiheit, können wir, selbst wenn sie für eine Zeit verloren sein sollte, stets wieder erringen. Dadurch har Israel ewige Dauer. »2p '2' yyn "2'u 'o. „Denn wie die Tage des Baumes, sind die Tage meines Volkes," sagt der Prophet (Iesaias E. <15. V. 22). Alte Sagen berichten von berühmten Dynasten- Gcschlechtern. daß eine gütige Fee bei der Geburt des Begründers einen Baum pflanzte mit dem Segen, daß das Geschlecht solange blühe wie dev Baum. Und der Baum wird groß und stark, und das Geschlecht blüht empor. Tausend Jahre vergehen; da verwelkt der Baum, und der Letzte des Geschlechts sinkt rühmlos in's Grab. — Als unser Geschlecht, neugeboren, aus Aegypten zog, da hat der allgütige Gott einen Baum in unsre Mitte gepflanzt und daran unsre Tauer geknüpft; aber dieser Baum verdorrt und verwelkt nicht, und die Jahrtausende ziehen vorüber, ohne ihm etwas anhaben zu können; es ist die Thora, die da heißt der Baum des Lebens, des ewigen Lebens; denn so nennt sie der weise König n:: zyrrzb .nt» sm p?

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