Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1886)
- Date
- 1886-09-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Zur Wahl bcS- (dt 7>uhrcn muu'H’lttcu Pojteus duc3 i^hachanl Baschi wird erst zum ersten Kislew flc* schritten werden können. Feuilleton. Aodili. Polt W. jutter. in. An dem Saume eines Waldes ans der Landstraße nach Tongern in Brabant lag ein ansehnliches WirthshauS, das von Kanflentcn und andern Reisenden häufig besucht wurde; auch viele jüdische Pferdehändler, die sich nach Tongern oder andern Märkten begaben, kehrten dort ein. Niemand hatte eine Ahnung-davon, daß dieses Wirthshaus eine Mörderhöhle war, und selbst nachdem auf der Straße mehrmals Raub und Mord stattgefunden hatte, dachte Niemand daran, daß der Wirth, der für wohlhabend galt, an diesen Räubereien irgend welchen Antheil haben könnte. Der Wirth hieß Gotthelf, und seine Familie bestand aus seiner Frau und einem sehr hübschen, etwa sechszehnjährigen Mädchen, das Lieschen genannt wurde. Der Wirth hielt weder einen Unecht, noch eine Magd, was wohl aufficl, jedoch allgemein seinem großen Geize zugcschriebcn wurde. Gin junger, jüdischer Pferdehändler, Namens Kaufmann aus Bcnlo, passirte sehr hänng die Straße und lehrte stets in dem erwähnten Winhshause ein. Er war mit den Wirthsleuteu sehr familiär und fand ein besonderes Wohlgefallen an Lieschen. 'In der Regel reiste er zu Pferde, stieg bei Gotthclf ab, trank ein Schnäpschen oder ein Glas Bier, und setzte dann seine Reise Hach Tongern fort. Einst fand er unterwegs Gelegenheit, sein Reitpferd sehr gut zu verkaufen. Als tüchtiger Geschäftsmann zögerte er nicht einen Augenblick, das Roß um hohen Preis wegzngeben, wiewohl er nunmehr zu Fuß wandern mußte. Als er an Gotthels's Herberge ankam, dunkelte es bereits. Er durste cs nicht wagen, bei Nacht den Wald zu passircn und er beschloß, in dem Wirthshause an der Straße zu übernachten. Der junge Kaufmann konnte nicht wissen, daß ihm hier Gefahr drohe; aber Lieschen erzitterte, als sie von der Absicht des Jünglings erfuhr; denn sie wußte seit einiger Zeit, daß. dieses Hans eine Mörderhöhle und daß sie selbst eine geborene Jüdin sei. die durch ein Verbrechen in die Hände des noblen Ehepaars gcratheu war, das sie bis vor kurzem für ihre Ettern gehalten Hane. Etwa sechs Wochen zuvor war gegen Abend du Franzose aiigekominen. Derselbe erzählte dem Wirth. daß er vre! Geld bei sic!) habe und daß er deßhalb sich fürchte, bei Nacht allein durch den Wald zu wandern, in luclchem, wie er gehört habe, schon viele Ranbanfälle vorgekommen seien. Als arr jenen! Abend Lieschen ans dem Holzstalle Holz holen wollte, sah sie ihren Vater im Hofe bei einem Manne stehen, ttnbeurerkt begab sie sich in dm Holzstall. Da hörte sie ihren Vater sagen: „Philipp, heute Nacht habe ich wieder Arbeit für Dich; ein Fremder, der viel Geld bei sich führt, logirt hier. Ich lasse die Garteu- und Hinterthüre offen; bereite Alles vor und komme gegen 12 Uhr zu mir." Als Lieschen ihren Vater so rederr hörte, war sie ganz starr vor Schrecken. Sie wußte nur zu gut, wer dieser Philipp war. Der schwarze Philipp, in einem benachbarten Dorfe ansässig, war ein übelberüchtigtes Snbject, dem man das Allerschlimmste zntraute. Das Mädchen verhielt sich ruhig, bis die Beiden sich entfernt hatten. Gerne Härte sie den Fremden gewarnt; doch wußte sie nicht, wie sie das ansangen sollte. In der darauffolgenden Nacht kam kein Schlaf in ihre Augen. Wachend lag sie im Bette, auf jedes Geräusch hinhorchend. Als sie gegen Mitternacht hörte, daß der schwarze Philipp ins Hans kam, erzitterte sie an allen Gliedern. Nicht lange nachher fand-die Mordscene^statt. Lieschen horte ein Geräusch im Garten. «sie sprang aus ihrem Bette und eilte an das Fenster ihres Zimmers, von welchem ans sie in den Garten sehen konnte. Der Mond schien helle, und sie sah deutlich, wie die beiden Mordgesellen einen Leichnam durch den Garten nach dem nahen Walde schleppten, wo wahrscheinlich Philipp vorher schon ein Grab gegraben hatte. - Am folgenden Morgen erzählte Frau Gottheit ihrer Tochter, daß der Fremde schon in aller Frühe abgercist sei. Lieschen hörte die Erzählung schweigend mit an, aber Kummer und Entsetzen malten sich auf ihren nnschuldsvollen, der Verstellung nnfähigen Zügen. Erschreckt bemerkte Frau Gottheit, was in dem Gesichte des Mädchens vorging. Sie ging aus dem Zimmer und brummte im Hinausgehen: „Der verfluchte Judenbalg!" Lieschens feinem Ohre waren die leise gemurmelten Worte nicht entgangen. Was sollte das bedeuten: „Indenbalg?" Wieso kam'die Mutter dazu, sic so zu bezeichnen? Das Wort ging ihr den ganzen Tag im Kopse herum. Der Barer war nicht zu Hause und kehrte erst am Abende zurück. Daher vermurhete Lieschen, daß, wenn sie vielleicht Nachts am Lcrre ww» jeg? j* uw u ui u». mw >> v yff?»