Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1886)
- Date
- 1886-09-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVII.;1afjfaanfl. MX J Zeitnttgsnachrichten und Correfpondcuzett. Deutschland. Berlin, 30. August. Die von dem ehemaligen „liberalen" Stadtverordneten und jetzigen Standesbeamten und Schuldirektor Dr. >t irrten heranSgegebcne „D e u t s ch e T h i e r s ch u tz - Z e i t n n g" bringt einen Langen und langweiligen Angriffsartikel gegen Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer und dessen Petition wider die Angriffe der Thierschutzvercinc. Das Blättchen wirft dem Petitionsentwurfe eine „grobe Unwahrheit" ob der Behauptung vor, daß der Verband nur 74 Vereine zähle, tvährcnd ihm mehr denn 100 angehöreu. Die diesbezügliche Notiz, welche auch Ihr Schweizer Korrespondent Ihnen übermittelte, scheint allerdings auf einem Jrrthume zu beruhen, der gleichwohl natürlich das Vorgehen der Humanitätsritter in keiner Weise rechtfertigt. Im Uebrigen führt das offizielle Organ des Berliner Thierfchutzvercins ohne jeden Beweis eine ganze Reihe nichtssagender und zum Theil unwahrer Einwände gegen die Gegenpetition ins Gefecht. Thatsächlich constattrt das Blatt, daß die Thierschutzpetitton „große Aufregung unter den orthodoxen Israeliten" wachgerufen habe, daß die „überwiegende Mehrzahl der Berliner Jndenschaft nicht das geringste Bedenken trägt, auch Fleisch von nicht geschachteten Thicren zu essen", daß das Schächten überhaupt kein biblisches Gebot fei, sondern erst mehrere Jahrhunderte nach der gew. Zeitrechnung „erfunden" worden ist, daß die" Fachautoritäten, wie Prof. Roloff, Prof. Re kl am u. a. „von der wipenschaftlichen Behandlung der Frage wenig zu verstehen scheinen", und daß die Petition „jedenfalls für die nächste Session von Neuem eingercicht werden wird." •eot ns>* Lix. Oestcrr.-Ungar. Monarchie. Wien, 30. August. Die „Egerer Zeitung" brachte eine antisemitische Huldigung, welche der antisemitische Reformverein von Egcr für den Fürsten Bismarck beschlonen hatte, zum Abdruck: der Verein wurde polizeilich aufgelöst, das Blatt konfiszirt, Italien. Livorno 1. September. Ter hiesige bekannte Schrifsteller Salomon Menasci hat soeben eine italienische ttebersetznng von Heinrich Heine's Gedichten der Oesfeutlichkeit übergeben. Herr Menasci entstammt einer frommen jüdischen Familie hier. Venedig. Der Vicc-Präsident des italienischen Parlamentes, Herr I. P. Manroganto, hat dem Mnuicipium hier die Summe von 15800.23 Lire übergeben zur Gründung einer Stiftung für diejenigen, die um die Verthcidigung Venedigs sich verdient gemacht und ferner, welche die Tapferkeits-Medaille für die Verthcidigung Italiens erhalten haben. Mittelst königl. Decrets vom 13. Juli trägt diese Stiftung den Namen ihres Stifters und hat die Rechte einer Corporation erhalten. Türkei. Konstantinopel 25. August.' Die amtliche „La Tnrquie" meldet heute: „Montag Abends' wurde im Palaste zu Ehren des eben von hier abgcruscnen spanischen Gesandten Cocllo de Portugal ein großes Bankett gegeben, zu dem auch Graf Abraham Camondo geladen ward. An dem Bankett nahmen noch Theil: der Großvezler Kiamil Pascha, der Palastmarschall Chazi Osman Pascha, der erste Secrctär des Sultans Sureya Pascha, der erste Leibarzt Sr. Majestät Mavrogeny Pascha, der General-Adjutant Dreyffö Pascha, der Admiral Suleiman Pascha und der Drogman der spanischen Gesandtschaft, Herr Cigaua. Sr. Majestät der Sultan trug das (spanische) goldene Vließ. Er war von einer außerordentlichen Liebenswürdigkeit gegen Herrn Cocllo und Graf Camondo, und unterhielt er sich eine längere Zeit mit denselben. Dem Diner folgte dann eine Soiröe. Der Sultan lud dann Graf Camondo ein auch diese Woche den kaiserlichen Palastpark zu besuchen, und um ihm eine noch größere Freude zu machen, kündigte^ er ihm auch au, daß er seinem Sohne Graf Niffim Camondo das Graßband des Mcdschidin -Ordens und dem Sekretär des Hauses Camondo Victor Effendi, den Titel „Aula zenf Sani," (entspricht dem deutschen Titel: Rcgiernngsrath) verliehen habe. Der Graf und die übrigen Gäste habenden Palast erst spät Abends verladen." Konftautinopel. Die von uns nach den „Jew. Cbr." gebrachte Nachricht, daß Herr Oberrabbiner Moses Levu dahier feine Stelle niedcrzulegcn beabsichtigt, wird von genanntem Blatt dementirr. 1.jjjju Jl&JHli-1 jWUpMBg