Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1886)
- Date
- 1886-09-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVII. Jahrgaii«. ♦ Leitender Artikel. Literarischer Bericht. '2-.x cm-!. Targuttk Arvi. Die arabische Interpretation de» Pentateuchs voll Rabbi Saadia Hagaon. Ein Auszug aus einer in der Grösst). Badischen Hof- und Landesbibliothck zu Karlsruhe befindlichen Edition einer authentischen Handschrift; ins Deutsche übertragen und commentirt von Rabb. I. Schwa r z st e i n in Karlsruhe. Geliesis. Frankfurt a. M. 1886. Verlag von A. I. Hofmann. Es ist ein großer Dienst, welchen der Herausgeber durch die Edition dieser Schrist der Bibclsorschung erwiesen hat; wir finden darin kostbare Perlen der Exegese. Wir wollen gleich ans dem Anfänge eine Stelle herausgreife». Bekanntlich haben die Verse 1. B. M., C. 2, V. 10—14 allen Erklärer» der heiligen Schrift bis auf die neueste Zeit viel Kopfzerbrechen bereitet. Diese Verse lauten: 10) Und ein Strom geht hervor aus Eden, zu tränken den Garten und von da aus .theilt er fich und wird zu vier Hauptströmen. 11) Der Name des einen ist Pischon, welcher urnringt das ganze Land Chawila, woselbst das Gold ist. 12) Und das Gold defieiben Landes ist gut, dort ist derBedolach und der Schoham-Stein. 13) Und der Name des zweiten Stromes ist Gichou, der da umringt das ganze Land Kusch, 14) Und der Name des dritten Stromes ist Ehidckel, der da geht nach der Morgenseite von Aschur, und der vierte Stroni ist Prat (Euphrat). Den ersten der vier hier genannten Ströme Pischon bezeichnet Raschi als den Nil, ebenso auch Saadia. Während der zweite Strom Gichon nur zu Vermuthungen Raum gibt, sind die zwei zuletztgenannten Ströme unzweifelhaft der Tigris und der Euphrat. — Nach der gewöhnlichen Uebersetzung und Erklärung hatten diese vier Ströme eine gemeinsame Quelle. Dem ist jedoch nicht so; der Nil entspringt in Südafrika, und auch der Euphrat und der Tigris habe jeder seine eigene Quelle. Nach der hier mitgctheilteu Erklärung Saadia's ist diese Schwierigkeit vollkommen gehoben. Ter Gaon übersetzt den 10. Vers wie folgt: 10) Und Gott machte eineS tröm un g, die er heraus führte von Eden, zu tränken den Garten, und von da ans theilte er sie und bildeteihre vier A n fä u g e. Saadja nimmt das Wort ns» transitiv nach der Analogie von 5». V. M., E. 11, V. 22. r\yz> ruü' mim nsw» *un; r.s un ^3 tn ns'yn ns'y. „Vcrzehnten, verzehuten sollst du den ganzen Ertrag deiner Saat, welche h e r v o r b r i n g t das Feld Jahr für Jahr." Demnach hat Gott das Wasser für die Quellen jener vier Ströme dem Garten Eden entnommen und ihnen dadurch die Fähigkeit verliehen, ihren Stromgebieten die üppigste Fruchtbarkeit mitzntheilen. Die Strömung, die Gott aus Eden herausführt, verwendete Er zur Bildung der Quellen jener vier Flüsse. Damit sind alle geographische Schwierigkeiten, welche die Erzählung der heiligen Schrift bietet, beseitigt. Im 16. Kapitel übersetzt Saadia den 13. Vers folgendermaßen: Und sie rief an mit dem Namen Gottes, der zu ihr redete: Du bist ein mächtiger Seher, denn sie sprach: ich .habe gesehen hier deine Barmherzigkeit, nachdem ich die Noth gesehen habe." — Man vergleiche die Uebersetzung in der orthodoxen Bibelanstalt, welche unter Hinzunahme der Anmerkung einen ganz ähnlichen Sinn ergibt. Sehr bemerkenswerth ist die Uebersetzung E. 20, L. 16: „Und zu Sarah sprach er: Siehe, ich habe deinem Bruder gegeben tausend Drachmen; dieses sei dir, um zu kaufen schöne Kleider für alle, die bei dir sind, und Alles dieses für deine Schande. — Auch im Midrasch Nabbah zur Stelle wird p-M als Kleid erklärt. C. 22, V. 2 übersetzt S.; Pen px Vx in das geweihte Land; daselbst V. 12: ryv nny ich werde jetzt bekannt machen, daß du Gott fürchtest; E. 29. B. 17: „Und die Augen Lcah's waren sanft; man vergleiche die Uebersetzung in der Ausgabe der orth. Bibelanstalt. Diese Proben mögen genügen, den geehrten Leser auf die Wichtigkeit und Bedeutung der vorliegenden Schrist aufmerksam zu machen. Der gelehrte Herausgeber bat überall auf die Analogien in Talmud, Midrasch, Targnmim und in den alten Interpretationen hingewiesen. Hoffentlich wird es ihm bald gelingen, auch die übrigen Theile des Pentateuch zu ediren.