Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1886)
- Date
- 1886-09-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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vm Ml I I J f N II, Wichael'. (vrjiiljUiUü vü» S. Jtoljii, Verfasser uo» iWabiie I. (Fortsetzung.) „Sie benrthcilen Jedermann milde," enviderte der Bürgermeister, „den säbelklirrenden Hnsarenlicutenant, den nichtsnutzigen Judenbuben, mir meine» armen Knaben Haffen und verfolgen Sie in »»christlicher Weise. Der kleine Saujude darf weder ohne noch durch irgend eine Veranlassung meinen Sohn iu's Gesicht schlagen, sonst wird's ihm trotz Ihrer versteckten Drohungen gegen mich übler ergehen als cs ihm und Ihnen, Hochwnrdeu, lieb wäre!" „Ich mutz Sie dringendst auffordern," erwiderte der Pfarrer, in dem sich trotz aller natürlichen Milde und durch langjährigen Bestrebungen augcciguetcr Ruhe, doch der gerechte Zorn zu regen begann, „sich solcher gemeiner, pöbelhafter Ausdrücke wie „Saujude," nicht nur in meiner Gegenwart, sondern überhaupt zu cntschlagen. Ich bin zu dieser Ermahnung als Ihr Seelenhirte berechtigt, mehr als das, geradezu verpflichtet. — Doch da Sie nicht zu wissen scheinen, in welcher Weise Ihr nichtsnutziger Range zu dem tüchtigen, aber wohlverdienten Hiebe kam, will ich Ihnen diese für Sic wichtige Mittheilung nicht vorenthaltcn. Der junge Graf Andrassy hatte von seinem Großvater mütterlicherseits, dem Grafen Lankronowsky, einen Viercrzug herrlicher, ganz kleiner, polnischer Pferde zum Geschenke erhalten. Der junge Graf fährt heute früh wie alltäglich durch die Stadt, und läßt seinen Wagen unter der Obhut seines Leibheiducken Janos vor dem Hanse des Regimentskommandanten, dem er einen Besuch abstattct, stehen. Das prächtige Gespann besitzt für alle Welt, namentlich aber für jüngere Leute und Kinder eine große Anziehungskraft, und bald sind die Pferdchen und Janos, der sein Pfeifchen schmauchend, bei diesen sieht, von einem großen Kreise umringt. Die lammfrommen Pferdchen lasten sich von Jedermann streicheln, empfangen auch von Einem oder den Andern ein Stückchen Zucker, das sie mit Behagen kauen. Plötzlich kömmt nun auch Ihr Lorenz deS Weges hergeschlcndert, bleibt bei dem Wagen stehen, drängt die Andern, namentlich die kleinern Kinder weg und macht sich um Janos, der sich eben mit Srahl und Stein Feuer schlägt, zu schaffen. Ihr Lorenz ist kaum eine Minute anwesend, als sich, wie durch Zauberei, plötzlich die friedliche Scene ändert. Das .Handpferd, das bisher ruhig unc ein Lämmchen da« gestanden, gebärdet sich plötzlich lvic rasend, schlügt ans, beschädigt das. andere Pferd. Der junge Graf, der mit den Töchtern des Obristen am Feiislel fleht, eilt herunter, um nachznsehen, was seinem Liebliirgspferde geschehen sei, und auch der Knrschmied der Escadron, der znsätlig am Ringe steht, vetheiligt sich an der Untersuchung, welche mit Hilfe einiger handfeste« Handwerlsgesellen, welche das Pferd am Zügel und an den Fesseln halten, vorgenommen tvird und cs stellt sich heraus, daff Ihr grausamer Bube dem Pferde ein Stück brennenden Zündschwammes unter den Schweif gesteckt hat." „Konnte man belveiscn, daß Lorenz der Thäter war V" „Abgesehen davon, daß cs in der ganzen Stadt keinen Mensch gibt, der so grausam ist, ein Thier in solcher Weise zu quälen, einem Menschen muthwitliger Weise einen so großen Schaden zuzufügen; verriet!) er sich schon dadurch, daß er der Einzige war, der, während alle Umstehenden das arme Pferd bedauerten, in ein unbändiges schallendes Gelächter ausgebrochen war, und . . . ." „Das beweist gar nichts!" schrie der Bürgermeister. „Als Janos Ihren Lorenz etwas näher untersuchte, fand er, daß er noch ein Stück brennenden Schwamm in der Hand hielt, das Lorenz ihm geschickt weggeschnippt hatte, und das er offenbar auch dem ander» Pferde unter den Schweif schieben wollte. Der junge Graf gerieth in Zorn, entriß Ihrem Lorenz die Reitpeitsche, versetzte ihm einige wohlverdiente Hiebe, von denen ihn einer zufällig in's Gesicht traf, warf ihm die Reitpeitsche vor die Füße und ließ den Tangenichts dann laufen. Ich billige diese Art von Selbsthilfe nicht, aper sie ist bei einem jungen, feurigen, schwer gereizten Menschen zu entschuldigen und Sie, Herr Bürgermeister, können herzlich froh sein, daß der heißblütige Ungar, Ihren Sohn und Sie so leichten Kaufes aus dem abscheulichen Handel ließ.. Sie sind für Ihren Sohn verantwortlich und der Lieutenant hätte mit großen Ersatzansprüchen an Sie herantreten können. Das herrliche Pferd kann durch die grausame Büberei Ihres Sohnes zu Grunde gehen, auch das Nebenpferd wurde beschädigt, die Wagendeichsel wurde gebrochen. Sie härten eine sehr erkleckliche Summe zu zahlen gehabt. Und noch Eins, wenn Graf Andraffy daraus bestanden wäre, hätte Ihr Sohn mit einer ziemlichen Zahl von Rnthenftreichen gezüchtigt oder gar ans einige Zeit in ein Eorrcctionshaus gesteckt werden müssen. Sie hätten dies nicht zu verhindern vermocht; Sie sind wohl Bürger- 7».', - JW .WW*IM Ji .ujuuuuuui