Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1886)
- Date
- 1886-09-02
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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wir musslm» uns damit begni'igru, dm» allm» Bu- Htand xi» m'ludlm» und zu p!!> g«-»», oIiim* dir* }io|fiiuti^ auf'zugobeu, dass dm* Noihstand derIViIao- .sHnmisisrlnm Waism» immer grossem Kieise. »»,»- xwn*r uuslämlischmi Briidei* zu tlial kräftigem Einschreiten anrogen weide. Dünn wenn cs dm» Jiulen in den westlichen Länden», theils durch treues Anhängen au dm vüt<*rli<*.lit»n Religion, theils durch grossaitige Fürsorge für ihre Armen und Bedrängten, gelungen ist. die Achtung der Völker zu erringen, unter denen sie wohnen, so haben wir liier, in letzterer Beziehung wenigstens, uns noch nicht über das Niveau der anderen Orientalen erhoben, ja wir müssen sogar bekennen, dass wir hinter den christlichen Arabern und zumal den Griechen weit zurückgeblieben sind. Unsere aus Europa eingewanderten Brüder entwickeln hier nicht die Energie, welche sie in ihrer Heimat auszeichnet. Bei dem gänzlichen Mangel einer geordneten Gemeindeverwaltung ist die Pflege der Wohlthätigkeit fast gänzlich den Privaten überlassen, so dass bei einer grossen, durch eigne Noth abgestumpften Bevölkerung die Hilflosigkeit von plötzlich ihrer Ernährer beraubten Kindern eine so absolute ist, dass man sich in einem Culturstaate keine Vorstellung davon machen kann. Und diese Läge ist um so trauriger, da, wie wir schon öfters hervorgehoben haben. die christlichen Missionen sie benutzen, um jüdische Kinder zu ihren Schulen heranzuziehen, und ihnen eine äussere Unterstützung zu gewähren, die sie aber zum Abfall vom väterlichen Glauben verlockt. In unserer Anstalt wurde im Jahre 1884 durch die Privatsammlungen des Herrn Leopold Hamburger eine vierzehnte Stelle dotirt, und wir liofien, dass es den Bemühungen dieses Palaestinafreundes sowie anderer Edlen gelingen werde, die Mittel für einen XV. Waisenknaben zu beschaffen. dessen Aufnahme dringend befürwortet wird. Unser Haus hatte bekanntlich seit seiner Begründung mit einer hartnäckigen Opposition zu kämpfen. Damals herrschte bei dem aschkenasischen Publikum Jerusalem's das Vorurt heil, dass ein. wenn auch bescheidenes Maass moderner Bildung der Religiosität schädlich sei. Wir sahen uns vor die schwere Aufgabe gestellt, diesen leider durch manche traurige Erfahrung bestätigten Satz durch die That zu widerlegen. In dm, ersten -Iahten wollte mau ut»s as« hhetla.^b, I,e Waisen überhaupt nicht nuvei trauen. wir mussten unsere Arbeit mit sephardis«!>»»», das liebst Kindern spauisehernderurnhisrhorZunge beginnen. Aber gerade unter dm» Asehkmmsim war das grösst«! Elend, waren die meistm» verkommenen und verlorene»» Kinder. Die sephurdischc Bevölkerung, seit langer Zeit im Laude angesessen und mit den Sprachen und Sitten des Orients vertraut, hat es verstanden, sich theils einen gewissen Wohlstand zu erwerben, theils durch ehrliche Arbeit ein bescheidenes Auskommen zu gewinnen. Denn da ihre ausländischen Spenden (Chalukah) zum allergrössten Theile ihren Chachamim zufallen, so wurde das Volk nicht verleitet, sich auf eine solche Aussicht hin einem geschäftigen Müssiggange zu ergeben, und so ist es ihnen bei ihrer grossen Frugalität und in ihrem festen Faniilienzusammeuhange verhältnissmässig leicht, für ihre Waisen zu sorgen. — Die hiesigen Aschkenasim dagegen sind zumeist noch in Europa geboren, als Fremden und Unertahrsnen ist ihnen der Erwerb schwer, oft unmöglich, — zudem sind sie nach europäischer Weise an grössere Bedürfnisse gewöhnt — kein Wunder daher, dass bei allem Wohlthätigkeitssinn der Einzelnen die Waise nirgends auf der Erde so verlassen ist wie unter den Aschkenasim der heil. Stadt. Und wie Mancher kommt hierher, weil er sich ein behagliches, durch die Chalukah gesichertes Leben erträumt hat, — bald enttäuscht wandert er fort, nicht selten aber lässt der gewissenlose Vagabund ein Kind zurück, das, ohne eine helfende Hand zu finden, bettelnd oder stehlend in den Gassen Jerusalems herumirrt , bis es den beutesuchenden Agenten der Mission anheimtallt. — Für die aschkenasischen Waisen also war unsere Anstalt vor Allem ein Bedürfniss, und es erfüllt uns mit dankbarer Freude, dass unsere aschkenasischen Brüder in der heil. Stadt endlich erkannt haben, dass diesem Vereine nichts ferner liegt, als die altgeheiligten Gesetze des Judenthums anzutasten, dass vielmelir sein stetes Augenmerk darauf gerichtet ist, dass in seiner Austalt jüdisches Leben , jüdische Zucht und Sitte äosserlich und innerlich, voll und ganz gepflegt werde, während die moderne Bildung dazu dienen soll, dis Waisen mit den für ihren zukünftigen Broderwero nöthigen Kenntnissen und Fertigkeiten auszurüsten. (Schluss folgt.) Trau ven Cscar £ ei staun. 2?ia:n;.