Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-09-02 · Heft 70 (2.9.1886) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 70 (2.9.1886)
Date
1886-09-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449667--24952-2514698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Spanien. Madrid. Die „Arch. Jsr." veröffentlichen einen sehr interessanten Brief des berühmten Tenor Isidora Lopez Lapinja van Madrid, Mitglied der geographischen Gesellschaft in Spanien, in welchem dieser einer Aussöhnung der Spanier mit den Inden dasWort redet und hält er den gegcuwärtigenZeitpunkt für besonders geeignet, um diese anszuführen. Spanien könne nur gewinnen, wenn es die Inden wieder anfnimmt ulid Handel und Industrie würden einen neuen Aufschwung nehmen. Ob das spanische Volk so vorurtheilslos gegen die Juden ist, daß diese sich mit Ruhe und Sicherheit in diesem Lande niederlassen können, ist eine Frage, die schwer zu beantworten ist. England. London. Die Herren Samuel Montagu und Dr. Ascher sind am Sonntag von ihrer Reise nach Rußland znrückgekehrt. Die Reise ist nicht ohne ein betrübendes Ercigniß vorübergegangen. In Moskau überreichten sie den polizeilichen Vorschriften gemäß ihre Pässe dem Polzcipräsidium. Zu ihrem Erstaunen erhielten sie ihre Papiere mit der Bemerkung zurück: „die Juden Montagu und Ascher haben binnen 24 Stunden Moskau zu verlassen." Diesmal hatte aber der Polizeipräsident die Rechnuug ohne den Wirth gemacht. Herr Montagu hatte ein spezielles Empfehlungsschreiben des Lord Roseberry. Auf Grund beneiden haben die Oberbehörden den Ausweisungsbefehl rückgängig gemacht. Wie wir hören werden diese Herren ihre in Rußland über die Lage der Inden geschöpften Erfahrungen demnächst veröffentlichen. Rußland. Die in Baku am kaspffchen Meere wohnenden Juden. blieben bis jetzt von allen lästigen Maßregeln verschont. Plötzlich kam eine Auswcisungsordre für_ alle Israeliten, welche nicht ein deutliches Niederlasjungsrecht Nachweisen konnten. Man legt dieser Maßregel eine seltsame Ursache zu Grunde. Das Haus Rothschild habe die bei dieser Stadt sich befindlichen Raphtaqucllen verkauft, was bei einem gewissen Theil der Bevölkerung Aufregung erregt habe und welche sich nunmehr durch die Ausweisung der Inden zu rächen suchte. Voriges Jahr erhielt der praktische Arzt Dr. Silberberg in Cherson den Wladmirorden, mit welchem das Recht ans den Adelsütel verbunden ist. Dr. S. wandte sich dieserhalb an die Adclskammer, wurde aber abgewicseu, weil kein Jude fut Gouvernement Eherfon nobilisirt werden könne. Ein Appell an den ^emtf wurde gleichfalls verworfen. F c ii i l l c t o ii. Zodik. Von N. Keller. II. Rabbi Laser war auf den Biehmarkt nach O. gefahren und harte seine beiden Knechte mitgenommen. Die Männer mußten einige Tage fortbleiben. Lea fühlte sich wieder recht vereinsamt. Ehe sie zu Bette ging, küßte sie ihr schlafendes Kind und sprach vor sich hm: „Wenn ich Dich nicht batte. Du süßer Engel, wie könnte ich die Einsamkeit ertragen!" Plötzlich erinnerte sie sich, daß ihr Gatte derartige Reden getadelt hatte. Sie fing bitterlich an zu weinen, und unter Thränen schlief sie ein, ohne vorher das Nachtgebet gesprochen zu haben. Mitten in der Nacht erweckte sie das Bellen des Hofhundes, das aber sofort wieder verstummte. Dann hörte sie ein furchtbares Klopfen; die Fenster klirrten. Lea sprang auf und eilte in das vordere Zimmer. Zu ihrem Schrecken bemerkte sie, daß dunkle Gestalten durch die zerbrochenen Fenster stiegen. Sie war einer Ohnmacht nahe. Keinen Laut konnte sie hervorbringen. Alsbald fühlte sie sich erfaßt, und ein Knebel wurde ihr in den Mund geschoben. Nun mußte sie mitzusehen, wie die Männer Kisten, Kasten und Schränke erbrachen und ihres Inhalts beraubten. Geld, Silbergeschirr, Wäsche und Kleider wurden zusammengepackt und fortgeschleppt. Einer der Männer begab sich in das Schlafzimmer und kam mit den: weinenden Kinde zurück. Er stellte sich vor Lea hin und blickte höhnisch in ihr von Angtt, Kummer und schmerzen entstelltes Gesicht. „Zodik!" wollte sie schreien; aber der Knebel in ihrem Munde hinderte sie daran. Zu ihrem Entsetzen hatte sie Zodik, den ehemaligen Knecht ihres Vaters, erkannt. „Schöne Lea," sprach er lachend, „ich habe Dir versprochen, mich an Dir zu rachen, und jetzt ist die Zeit gekommen, daß ich Wort halte. Lauge habe ich warten mü||en. Hätte ick^ Deinen Bachur todtgeschlagcn — Tn härtest den Schmerz verwunden und Dich wieder verheirarhet. Jetzt aber treffe ich.Dick mitten in/s Herz hinein. Dein einziges Kind, Deinen Liebling, Deinen Augapfel, nehme ich w'i mir und la?|e es taufen. Ich behalte es bei mir, nur es 'zu alleui Schlechtem zu erziehen. SB □

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.