Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1886)
- Date
- 1886-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449667--24943-2514689- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVII. Jalirgang. M MWMITr \) ty ^‘v> \y V' & 4f'i Ky Ein KenLrat - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegebeu von 2>p. Lehma»» in Mainz. D 0 nn e r ft a g, den L. S e p t e m h e v «646 (188©). Leitende Artikel. Die Sprüche der Mier. II. Buch, zweite Abtheiluug. XXXV. Mainz, 30. August. „Rabbi Tarphon sagte: Der Tag ist kurz, die Arbeit vielfach, die Arbeiter träge, der Lohn , ist viel, und der Hausherr drängt." Auch Rabbi Tarphon war ein Schüler des Nabbou Jochanan ben Sackai. Auch er hatte noch den heiligen Tempel in seiner Herrlichkeit gesehen und — er war... ein 5kohm..—. den heiligen Dienst in demselben verrichtet, auch'' die Zerstörung "oesselben noch lange überlebt. Daß er ein Schüler des Rabbon Jochanan ben Sackai war, geht aus Peßachim 86 b. hervor, und wiewohl er nicht zu den obengenannten, bevorzugten Schülern des großen Lehrers gezählt wird, war er doch einer der bedeutendsten Männer in Israel. Im Jeruschalmi Megillah E. 1 wird er der Lehrer von ganz Israel genannt, und im Jeruschalmi Jorna E. 1 wird er als Vater von ganz Israel bezeichnet. -isp cm. „Der Tag ist kurz." Die Töchter des Naw Ehißda forderten einst ihren vom Studium ermüdeten und abgespannten Vater mitten am Tage a.:f, ein wenig zü schlummern. Ta sprach er zu ihnen: Es werden kommen die langen Tage (an welchen der Mensch im Grabe ruht), und wir sollten schlafen an den kurzen Tagen, die uns beschieden? (Erubiu 65.) — „Ter Tag ist kurz." Dem Knaben, dem Jünglinge, scheint das Leben Nch lange auszudehncn. Wozu, denkt er, brauche' ich meine Jugend zu opfern dem unablässigen Studium, dem ernsten Streben? Ich will erst meine fugend genießen; es bleibt für die Arbeit noch Zeit genug. Der Unerfahrene weiß nicht, wie kurz der Tag der Arbeit ist. Die Tage, die Wochen, die Monate, die Jahre fliegen dahin. „Denn Fremdlinge sind wir auf Erden, und unsre Tage gleichen dem dahiuziehendcn Schatten." Nicht wie der Schatten einer Mauer, der doch eine Zeit lang verweilt, nicht wie der Schatten eines Baumes, unter dem man ausruhen und sich erquicken kann, sondern wie der Schatten eines vorüberfliegendeu Vogels. Milliarden und aber Milliarden von Menschen haben auf Erden geweilt, und ihr Leben ist spurlos vorübergegangcn. Will der Mensch sein rasch dahinfliegeudes Leben schon hierniedcn zu einem ewigen gestalten, so möge er sich mit dem Unvergänglichen beschäftigen, ' „denn "die Thora'' ist der Baum des Lebens." „Und die Arbeit ist vielfach." So hat auch David gesagt (Psalm 119 V. 96): „Von allem Irdischen habe ich das Ende abzusehen vermocht. weit ist dein Gebot gar sehr." Auch nur ein göttliches Gebot ganz zu erfassen und völlig zu überschauen, erfordert ein unendlich großes Studium. Von der Thora selbst aber heißt es in der heiligen Schrift (Hiob E. 11. V. 9): „Länger als der Erdball ist ihr Maß und breiter als das Meer." Der Ausdruck: Länger als der Erdball ist ihr Maß, bedarf der Erklärung: es hätte heißen sollen: Länger als der Erdball ist sie. Es wird uns jedoch mit dieser Ausdrucksweise eine große Wahrheit offenbart, Kleine Tinge pflegt man mit kleinem Maße zu messen. Tie Vestaudtheile des Werkes einer kleinen Taschenuhr mißt man nach Millimetern, größere Tinge nach Eentiwctern, noch größere nach Dekametern. Banplüse und Straßen nach Nietern, die Emferuung der Städte und Länder nach Kilometern; für die Größe der Himmelskörper ist unsere Erde der Maßsiab; so lehrt die Astronomie,