Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1886)
- Date
- 1886-08-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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warum um* in (EuropaV Weil von bei* (icfammtcii iviaciiiiidicn ^cuölfcrmifl der W el t von '.77,002 mach Anderen 7,isi.s,ooo).in (vuvopa 5,107,1102 (c, i7r»,oou) xV^(iditcu .bei einer l^cstmunibevölkelillig von 328 Millionen, in den anderen vier Welten aber nnr 723,000 0>7o#oüo> unter 1102 Millionen der Ges.-Bev. wohnen. Was ich also auch nach einzelnen Ländern nachgewicscn, wiedcrlioll sich im .ganzen Groszen: nicht die so sehr bcnörgclten, angeblich schädlichen Eigenschaften der Israeliten sind an den „Jndcnfragcn" schuld, sondern deren stellenweise, für Europa den Neid und andere böse Leidenschaften hervorrufende Hebe rvölkerung! Zciinngsnachrichterr und (Korrespondenzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Prag. 'Aus autcntischer Quelle ist uns die frohe Kunde zugegangen, das; ein Mann der Willenschaft aus dem Gelehrten-Krcise der altehrwürdigen israel. Gemeinde zu Prag ein umfangreiches Werk veröffentlichen wird, das den Glanz der geistigen Hröße des Talmud im Ganzen und Großen reprasentiren soll. Dieser vom frommen Feuereifer beseelte und seinen vielseitigen Lernfspflichtcn treu ergebene Mann ist der weit über die Gauen unseres Vaterlandes rühmlichst bekannte Orientalist und m seinen Wirkungskreisen als Universitäts- Prosen or, Rabbiner und Prediger allseits geehrte und hochgeachtete k. k. Reg.-Rath Pr. DrvJ. Kaempf. Das Werk eines solchen gediegenen Fachmannes und tiefblickenden Forschers wird wohl großes Aufsehen erregen. Folgender Umstand bekräftigt unsere Voraussetzung. Herr Pr. Kaempf hat in diesem Tommersemester an der hiesigen deutschen Phil. Facultät Vorlesungen über Charakteristik des Talumd gehalten. Mit einer ihm in hohem Maße eigeuthümlichen und fellelnden Beredtsamkcit verbunden mit einer klaren und gründlichen Vortragsweise verbreitete er ein Licht, eine Helle über die erhabenen Lebensprinzipien, die lauteren Moraluud Sittenlehren der edlen Geiffesheroen des Tallnud, aus denen wir nur einzelne Kernpunkte erwähnen. Der Talmud stellt drei wesentlichste Beengungen eines sittlich-moralisch gebildeten Men- '.chm am: 1) ein von allen irreführenden Anlchaumrgen geläuterter Monorcismus, 2) die reinffe, ^u^chesie Sittlichkeit, 3) die Humanität im ausgc- ^rhuteiren Sinne des Wortes, Tie.Humanität ist in erster Reihe das Charakteristische des Talmud und scheint im folgenden Grundsätze die idealste .Höhe erreicht m haben. Einem durch Swiedrial-Beschluß znin Tode Berurlheilten, was sehr selten und auch nnr nach eingehendster Untersuchung vorgekommen tuar, gegenüber mußte .man die größte Rücksicht und zarte Schonung beachten! .12' nn'D H ->n:j lautet in dieser Beziehung ein talinndischcr Rechtsprnch. Erwähle ihm sdcm Bcrnrtheiltenj eine anständige leichte Tödtnug. Leim Eapitel „die Arbeit" hat Pr. K. außer vielen dafür sprechenden Eitatcn ans dem Talmud einen vielsagenden Lehrsatz angeführt rfa-n rvtyo nN ricancr. Von großer Wichtigkeit ist dem Menschen die Arbeit; denn sie verleiht Wärme, das Element des Lebens. Im Sinne talmndischer Bescheidenheit und gefühlvoller Zartheit hat der Vortragende alle, aus Jrrthum und falscher Auslegung herrührende obwaltende Vorurtheile in Betreff der Gesinnung der talmudifchen Weisen anderen Völkern! gegenüber durch viele Belegstellen aus dem Talmud auf's Gründlichste widerlegt» und den von unabsehbarer Tragweite höchst wichtigen Beweis erbracht, daß die Geistesheroen des Talmud eine tolerante Gesinnung lln- und Andersgläubigen gegenüber gehegt, die Verdienste und Vorzüge anderer Völker aufrichtig gewürdigt haben. Pr. Kaempf hat in seinen Darstellungen und Entwicklungen der talmndischen Lehrsätze ein trefflich gelungenes Charakterbild eines vollkommenen Menschen entfaltet, das mustergiltig für-alle Zeiten sein und zur Richtschnur aller Morallehrcr dienen kann. Die zahlreiche Thcilnahme von Seite der akademischen Jugend jüdischer und nichtjüdischer Confcssion, die lebhafte Begeisterung derselben, die sie durch wohlwollende Kundgebungen zum Ausdrucke brachten, ist ein beredter Beweis, daß Hr. Pr. K. in seinen Vorlesungen ein erfolgreiches, kräftiges Wort zur Zeit gesprochen, wofür wir im Namen unserer Collegen unseren ergebensten und herzinnigsten Danke auf öffentlichem Wege unserem hochverehrten Lehrer aussprechcn und den Segen der gütigen Vorsehung zur Verwirklichung seiner erhabenen Vorsätze erflehen. Simon Will in ge r. R u ß l an d. Aus Rußland. Ein grausiger Fall von Lynchjustiz wird aus dem polnischen Flecken Prshissucha (Russisch-Polen) gemeldet. Dort hatte in der Nacht vom 27. bis zum 28. Juli /in Brand, mehr als 120 Häuser vernichtet; drei Ztinddr und eine Frau kamen in den Flammen um, etwa 2000 Personen blieben ohne Obdach. Am anderen Tage brach in jm* '^■MBSMBSWUWIJWFJI