Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-08-23 · Heft 67 (23.8.1886) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 67 (23.8.1886)
Date
1886-08-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449664--24887-2514630
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1170 bmifl finden, in den Hafenstädten ist überhaupt jede Arbeitskraft und die Vermittelung brauchbar. für cinwandernde Handlverter aber ist es erste Wendigkeit die I n d u ft rieb e zirl e anfznsnchen nnd deren hat Frankreich unzählige. Es kann natürlich nicht meine Aufgabe sein in diesen Aufsätzen den geschätzten Lesern nnd demjenigen, die sich für die Sache interessiren, eine geographische Nomenklatur znsammenzuftellen. Ich habe nur an Frankreich ein Beispiel geben wollen, wie ich's meine und der denkende Leser wird dies Beispiel auf England, Belgien, Bereinigte Staaten u. s. w. generalisüen, eingedenk dessen, was ich in dem vorhergehenden Absatz vorangestellt: mau gehe nicht nach den Hauptstädten, sondern u a ch der weiteste« Provi»z. Freilich sind die Städte zweiten Ranges und das Bevölkerungsverhältniß in den verschiedenen zur Einwanderung vortheilhasteu Ländern, gerade denjenigen unbekannt, die cs zu wissen am meisten nöthig haben, das sind diejenigen die in der Roth Wendigkeit sind ihren Wohnort zu verändern. Man kann auch gar nicht verlangen, daß sie es wissen sollen. Es sind in alten Fällen die armen Leute, die Bildung nicht genossen haben, von Geographie und Landkartennicht wissen. Allein dem läßt sich leicht abhelfen. Wenn sich nämlich eine Anzahl Personen oder Familien znsammenthut, um einen neuen Wohnort aufznsuchen, so mögen sie sich erstens gemeinsam über den Zweck der Veränderung (Handel, Gewerbe oder Ackerbau) besprechen; sodann aber über das Ziel (Stadt, Land) derselben bei geeigneten Personen sich klar werden.. Es finden sich überall gebildete nnd urtheitsfähige Persönlichkeiten, die über passende Bestimmungsorte an der Hand von Statistiken und sicheren Nachrichten Aufschluß geben können. Zweitens wäre es sehr angebracht, daß in denjenigen Ländern oder Städten, wo der Auswandernngstrieb sich schon geäußert oder auch durch ständig delegirte Mitglieder in der» hier zum Ausdruck gebrachten Sinne zu belehren. Sie sollen über die geographischen, statistischen, ethnographischen Handels- und Gewerbere. Verhältnisse fremder Länder unentgeltlich Ansturm und Rath erthcilen. Sie sollen den Auswanderungslnstigen nicht nur Winke geben über das neue Leben, das sie zu beginnen haben, sondern vor Allem das Direktiv, das Ziel — nnd versteht sich: jeder neu sich meldenden Auswandernngsassociation ein anderes Ziel. Bernsen zur Errichtung solcher Instumalioui-- stelten scheinen mir in erster Reihe die Lokal ko mit äs der Alliance Israel ire, außer diesen: in Deutschland noch die B'nei Brirh-Logen, in RmnT nie» die Zion-Logen, in anderen Ländern Vereine ähnlicher Tendenz' und Organisation — wo Vorhände». Ferner können schon vorhanden oder zu gründende Vildnngs-, Vortrags-, Lese- oder dergleichen Vereine die Ausgabe, unwissende Auswanderer aus passende Niederlassungsorte aufmerksam zu machen, übernehmen. Es ist natürlich, daß die delegirren Mitglieder bezw. Eomitäs hauptsächlich aus solchen Personen zusammengesetzt sein sollen, die schon selbst in fremden Ländern sich anfgehalten haben nnd die Ausschlüsse nicht nur ans Landkarten, Büchern und Zeitungsnachrichten, sondern auch aus eigener Anschauung und logischer Beurihcilung geben können. Dies sind die Nathfchläge und Anregungen, die ich ans Grund historischer Thatsachen und langjähriger Beobachtungen mich gedrängt suhlte, der Oeffentlichkekt zu übergeben. Ich wünschte, daß die Leser denselben geneigtes Gehör schenken und über meine Ausführungen, die in einer Zeitung geschrieben nur zu kurz und in großen Umrissen gegeben werden können, näher Nachdenken. Sic würden daun gewiß die Nichtigkeit der einzelnen Nachweise. sowohl vom geschichtlichen als auch vom aktuellen Standpunkt sehr bald heranssinden und für die in meinen Aufsätzen niedergelegten Gedanken über „Wanderung der Israeliten" energisch nnd andauernd Propaganda machen, zum eigenen und unser Aller Wähle. Für meinen Theil bin ich fest überzeugt, daß, wenn die.Israeliten auch nur in Europa ans eigener Initiative eine N e n g r u p p i r u n g, eine rationelle Nenvenhcilung vornehmen oder begünstigen würden, so würde zunächst 9kotb m-d Sorge, die unter den Israeliten mehr zu finden m. als bei andereen Nationalitäten, in Wohlstand rungewandelt werden. Andererseits würden die wirklichen und die fiktiven „Indenfragen", diealleuthalbeu ungebunden ihr Wesen treiben, ganz mrzweu-llbait ans der Welt, nämlich ans der e uro p ä i sci? er. Welt verschwinden. Denn zum Schluß noch cmc Wahrheit: die „Jndenfrageu" mititen cigcirü:^ n u r i u Euro p a, nicht, oder wenigstens ^niL: w sehr in anderen Wclrrheilen, bei welchen übrigens noch der ^Bildungsgrad in Betracht käme.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.