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Der Israelit · 1886-08-02 · Heft 61 (2.8.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 61 (2.8.1886)
Date
1886-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Mitglieds des Reichstags Herrn Dr v.Jazdzewskl mir überreichte Darstellung vom 5». d. M. eröffne ich Ihnen bei Rückgabe der Anlagen, daß ich nach Prüfung der obwaltenden Verhältnisse mich nicht veranlasst finde, die Ihnen zum Verlasse» des preußischen Staatsgebiets zu wiederholten Malen und zuletzt bis zum 1. April dieses Jahres gewährte Frist noch weiter zu verlängern. Der Minister des Innern 2e." — Ehe Frau Springer diesen Bescheid erhielt, den sie in Berlin abwarteu wollte, wurde sie hier am 28. Juni in der Wohnung ihrer Schwester von zwei Krimmalschutzleuten festgenommen. Sie erzählt über ihre Erlebnisse u. Ä. Folgendes: Ich wurde nach dem nächsten Polizeirevier und dann nach dem Molkcumarkt gebracht, wo mir eröffnet wurde, das; meine Verhaftung auf Veranlassung des Landraths Meyer in Ostrowo geschehe. Nachdem P/a Tage im Arrestlokale zugebracht, wo mir nur ein Stück trockenes Brod verabreicht wurde, da man sich weigerte, mir für mein Geld koschere Kost zu besorgen, wurde ich per Transporteur nach Frankfurt geschafft, wo ich wieder-ins Arrestlokal gebracht ward. Am Mittwoch ging es nach Posen weiter, dort wieder- Aufenthalt im Arrestlokal bis Donnerstag, und an diesem Tage langte ich in Ostrowo an. Auf dem dortigen Bahnhöfe nahmen mich 2 Polizeisergeanten und 2 Gendarmen in Empfang, die mich juach der Polizeiwache transportirten, als ob ich ein Verbrechen begangen hätte. Ich bat, daß man mir aus »keiner Wohnung etwas Wäsche holen lasse, es wurde mir nichts gewährt. Auch meiner Schwester wurde nicht gestattet, mir Nahrungsmittel zu verabreichen und einige Worte mit mir zu wechseln. So mutzte ich . im offenen Wagen in Begleitung von Polizeibeamten im heftigen Regenguß ohne jeden Schutz nach Kalisch fahren, wo ich zuvörderst wiederum verhaftet wurde." Die Briefschreiberiu theitt nun ihre Erlösung und Vereinigung mit ihrem Ehemanne mit, sowie, daß sie darauf schwer erkrankt sei. Nach ihrer Wiederherstellung reifte sie mit einem auf fünf Tage lautenden russischen Paß nach Ostrowo, um die dringendsten Angelegenheiten zu-, ordnen; sie hat aber sofort umkehren muffen, da ihr im anderen Falle Verhaftung angedroht wurde. Am Schluffe ihres Briefe schildert Frau Springer noch die Jagd der Polizeibcamtekk nach ihrem 12jährigen Sohne, der längere Zeit versteckt gehalten werden mußte. — Für uns hier sind die geschilderten Maßnahmen, nur eine geborene Preußin und deren 'Kind ans dem Geburtsort zu vertreiben, absolut unverständlich. und wollen wir honen. daß die herrschende Praxis recht bald eine Aenderung erfahre. Oesterr.-llngar. Monarchie. Frauenkirche», 25. Juli. Wie an dm hohen Feiertagen so strömten am verflossenen patt roeo 's die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, Minner und Frauen, Greife und Junge, verheirathete und unverheirathete Personen beiderlei Geschlechts in die Synagoge mit erwartungsvollem Ausdruck in den Menen, mit Spannung in den Gemüthern. Herr Dr. Hermann Deutsch aus Frankfurt am Main, der vor Jahren als mittelloser Jcschiba-Bachur nach Deutschland ging und hellte als vielgekannter und um die religiöse Erziehung der Jugend verdienter Mann ein segensreiches Feld der Thätigkeit dort hat gefunden, war zum Besuche seiner Eltern und Verwandten in unsere Gemeinde, seinen Geburtsort, gekommen, und von Rabbinat und Vorstehung um die Abhaltung eines Vortrags in der Synagoge ersucht worden. Herr Rabbiner Dr. Deutsch nahm die ehrende Einladung an und entledigte sich derselben in einer Weise, die als ein cot mp anerkannt zu werden "verdient:—Ern-Vortrag, der alle Vorzüge rhetorischer Redekunst in sich so vereinigte, wie dieser, ist hier noch nicht gehört worden. Doch nicht davon wollen wir reden. Worüber wir hier unsre hohe Befriedigung und unsern Dank Namens zahlreicher Zuhörer Ausdruck geben wollen, ist über den echt religiösen Geist, der von Anfang bis zu Ende den Vortrag durchwehte. Dieser Geist, dargesteüt und vorgetragen in so mustergiltiger Form, war es, der eine so gewaltige Wirkung auf die Herzen der Zuhörer machte, die mit Rührung und horchender Aufmerksamkeit den geist- und gehaltvollen Ausführnngen des Redners folgten und auf die Lippen solcher Eltern, die in thörichter Verblendung ihre Kinder dem Studium der Thora entfremdet haben. dm Wunsch gedrängt haben mag, den unsre Weisen so schön in die Worten kleiden minizhtr %j£s isn Iv' 'D ren cr;pTn nc3 rr^a Q'dtt rssj Sri n:sf '2 Holland. Amsterdam. Das hiesige Rabbinerftmknar zählte im verstoffenm Jahre 75 Studenten, sümmtlich in Holland gebürtig, allein aus Amsterdam sind 40. Der Katalog der Bibliothek weist 5480 Werke, darunter 2538 jüdischen Inhalts auf. En g l a ird. London. Auf meiner Feneureise am Rhein besuchte ich auch die in Sayn bei Eoblenr befind-

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