Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1886)
- Date
- 1886-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVJI. Jahrgang. M 50 'mm (Sin KenLrak - Hrgan für das orthodore Iudentkum. Herausgegeben von llr. Lehman» in Mainz. * 4 . M o «tag, den 26. Juli 5646 (1886). Leitende Artikel. Die Sprüche der Wüter. II. Buch, zweite Abtheilung. —XXIV. Mainz, 22. Juli. „Rabbi Jose pflegte zu sagen: Es sei das Vermögen deines Genomen dir so lieb wie das deinige, und bereite dich vor, die Thora zu erlernen, da dir sie nicht als Erbschaft zu Theil wird, und alle deine Thaten solle» geschehen in reiner Absicht (zur Verherrlichung des göttlichen Namens)." Die Aufgabe des Menschen auf Erden ist, stets besser, weiser und vollkommener zu werden, und diese drei Ziele zeichnet uns der fromme Rabbi Jose vor. Er ist es, der auf die Frage seines Lehrers nach dem rechten Wege, dem der Mensch anhasten soll, antwortete, daß man sich bestrebe, ein guter Nachbar zu sein. Diese Antwort führt er hier weiter aus. Er beginnt mit dem Alltäglichen. Das Geld ist dasjenige, welches meistens der Mittelpunkt aller Verhältniiie der Menschen zu einander, namentlich der einander nahestehenden, ist- Es ist ein erhabener Standpunkt, welchen der fromme Rabbi Jose in dem ersten Theile seines Ausspruches zu erreichen empfiehlt. Der Geldpunkt, lehren unsre Weisen, ist einer der Prüfsteine, an welchen man den Werth eines Menschen erkennen fom Die größte und sorgfältigste Gewissenhaftigkeit iu Bezug auf die Eigenthumsrechre der Mitmenschen ist, was den gesellschaftlichen Verkehr berrint, die höchste Vollkommenheit, welche nur sehr wenige Mensche» erreichen. Wir haben es schon vielfach ausgesprochen, daß cs sich in unsrer Äaßcchlha nicht um solche Dinge handelt, die verboten sind. Rabbi Jose will nicht vor dem Diebstahl, dem Betrüge, der Ncbervortheitung und andern derartigen Dingen, welche die Thora verboten hat, warnen, er will uns vielmehr lehren, die höchste Vollkommenheit zu erreichen und auch in Bezug auf dasjenige, was eigentlich erlaubt ist, sich so zu benehmen, wie es einem wahrhaft guten, edlen Menschen geziemt. Wir wollen das näher erklären. Unsre Weisen lehren im Traktat Baba Mezia: So Jemand etwas verloren bat, und auch sein Vater hat etwas verloren, so ist er nicht verpflichtet, sich zuerst um den Verlust seines Vaters zu bemühen, sondern er darf zuerst den eigenen Verlust wieder einzubringen suchen; ebenso verhält es sich, wenn es sich um den Verlust seines Lehrers handelt: auch hier geht sein Eigcnthnm dem des Lehrers vor. Soweit die Mischnah. In der Gemara folgern die Weisen dieses Rechtsverhältnis; aus dem Wortlaut der heiligen Schrift (5. B. M. E. 15». V. 4.) p*2x -p '\t x7 *2 dsx. „Hüte dich, daü du nicht arm werdest!" (Vergleiche Rasch! zn der Gemara). n-x 72 7r7 a-np -pr. Daraus ist zn schließen, daß. dein Eigenthum vor dem aller. andern Menschen von dir gehütet werden darf. Aber fügen die Weisen hinzu: X2 ^2 12 raöo c-ps.n bo ■p ’T7. „Wer aus diesen Rechtszustand sich stellt und stets ängstlich bemüht ist, für sein Eigenthum mehr als für das seiner Nächsten zn wachen, wer stets ängstlich bemüht ist, das drohende Gespenst der Armuth von sich fern zn halten, und sich iir Folge dessen der Wohtthärigkeit und der werkthätigcn Liebe enthält, dem wird all sein Mühen, Schaffen und Erraffen nichts nützen, und er wird in Armuth gerathcn (Siehe Rasch! zur Stelle). — Unsre Weisen erzählen uns in den Aboch des Rabbi Ratha», anlehnend an den Ausspruch Rabbi Jofe's, eine lehrreiche Geschichte. Einst sah Rabbi Jochanan den Sackai eine junge Frau. die ihm bekannt schien, Pferdemist aus der Straße eiusammelu.