Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1886)
- Date
- 1886-07-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449655--24688-2514502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVII. Jahrgang. Bkilage ju 1U\ M öes Isrnrlit. ZeMittgsnachrichten und Correspo»,denzen. D e ib t s ch l a n d. Königsberg. C^inc Anzahl russisch. indischer Schächter, Köchinnen u. s. w., die sich seit Jahren zur Zeit der Badesaison in Eranz einfinden, um ihren zur Kur weilenden Landsleuten und Glaubensgenossen Dienste zu leisten, ist von dort ausbewiesen worden und hat den Ort verlassen. Da viele von den strenggläubigen Badegästen diese Dienerschaft nicht entbehren wollen, so dürften nach der „Königb. Hart. Ztg." auch sie sich fortbegeben. Die an maßgebender Stelle gegen die Ausweisungen geniachten Vorstellungen blieben im Hinblick auf die Anordnungen des Ministers des Innern erfolglos. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Herr Dr. G. Wolf dahier hat aus guter Quelle erfahren, daß die Nachricht, wonach ein Circulär des Unterrichtsministers die bisherige Dispensirung der isr. Schüler vom Schreib- und Zeichnenunterricht an Samstag und isr. Feiertagen aufhebt, vollständig unwahr sei. Der „Berein Schomer Israel" in Lemberg hätte daher besser geihan, wenn er vor Absendung seiner diesbezüglichen Petition an das Ministerium sich besser informirt hätte. Karlsburg. Am 11. d. M. ist dahier der erste jüdische Grundbesitzer Herr Moses Mendel im Alter von 86 Jahren gestorben. Unter seiner Verwaltung als Vorsteher der jüdischen Gemeinde wurde ein schönes Schulgebäude und ein prächtiges rrpc errichtet. Seine Eltern besaßen schon zur Zeit Kaiser Josephs ein Haus in hiesiger Stadt. Er war ein Schwiegersohn des Siebenbürger Landesrabbiners Mendel I t a I f c n. Rom, im Juli. Die Demolirung unseres Ghettoschreitet. zumal in der Via (Straße) Rua und in der Nähe der Tiberbrücke Quattro Capi. welche Straße man eigentlich die Hauptverkehrsader des Ghettos oder dessen Detailwaären-Bazar nennen kann, rasch vorwärts. Wenn in der ewigen Stadt irgend ein Fest, kirchliches oder weltliches, begangen wird, dann gleicht diese Straße einemDorf-Jahrmarkte durch die große Anzahl von Käufern, welche zumeist Bauern aus den benachbarten Dörfern sind, die nun mit itiub und Ziegel hieber strömen, nm sich in denGeschäftsläden und Buden daselbst mit allem Nöthigen für Groß und Klein, für Hans und Hof, zu versorgen. Mit Recht befürchten daher die hiesigen jüdischen Kanstente, daß nach der gänzlichen Niederrcißnug des Ghettos und der daselbst befindlichen Buden, diese alten Kunden sich langsam verlieren und ihre Einkäufe dann in anderen Stadtrheilen besorgen werden. Dazu kommt noch die Besorgnis, daß, während die Miethe für Wohnungen und Geschäftslädcu hier im Ghetto eine mäßige ist, dieselbe in den modernen Stadttheilen eine recht Hobe sein und so den Handel mit Knrzwaaren, alten Kleidern, Möbeln rc. fast unmöglich machen wird. Dabei können wir die Verkaufslädcn im Ghetto, wenn es beliebt, auch mit Petroleum oder Talgkerzen beleuchten, während wir in den modernen Stadtvierteln nur Gasflammen und diese dazu noch gleich in mehreren Exemplaren, benützen werden müssen. Das Municipium hat zur Uebersiedelung' der armen jüdischen Familien ans dem Ghetto nach der Stadt 5000 Lire gespendet, während lo.ouo Lire durch freiwillige Spende» eingeflossen sind. Mit diesen 15.000 Lire wurde zweihundert Familien ihre Uebersiedelung nach der Stadt ermöglicht. Ein Theil dieser Auswanderer und zwar zumeist arme Familien, deren Anzahl circa fünfzig beträgt, haben sich nun in dem Transtevere neugcbauten Quartiere Santa Eosimata, wo die Micthen etwas _ billiger sind, als anderswo, niedergelassen und daselbst so den Grund zu einem neuen Jndenviertel, das selbstverständlich einen ganz modernen Anstrich haben wird, gelegt. Vor der Auswanderung dieser Armen wurde auch ihnen von unseren Rabbinern Mnth zugesprochen und wurden' sie ermahnt, von nun an, da sie aus der Mitte ihrer übrigen Glaubcnsbrüder gerissen und sich selbst überlapen sind, emsig zu schaffen und zu arbeiten, um nicht immer auf Almosen angewiesen zu sein. Möge Gott ihnen in ihren neuen Quartieren seinen Segen gewähren! — Vor einigen Tagen beging die „Gesellschaft der Trödler (Societä dei Oompratori dei generi usati)" ihr Gründungsfest, und werden bei dieser Gelegenheit jedes Jahr immer einige Zionstochter mit einer Aussteuer in klingender Münze bedacht. Die Eandidatinnen um diese Aussteuer müssen stets ein religiöses, tugendhaftes und gesittetes Leben geführt