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Der Israelit · 1886-07-22 · Heft 58 (22.7.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 58 (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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101)5 Sr a ii f re t ch. Paris. (Dle Juden China's. Schluß). Zählten die Jude« Kai-fongfns bei ihrer V(nfimfr in dieser Stadt,!vle sie selbst angeben, siebzig Familic», so hat seit damals derenZahl bedeutend abgenommcn, denn nach chinesischen Angaben sollen jetzt blos zwölf bis fünfzehn jüdische Familien in dieser Stadt wahnen. Die Ursache, warnm sie so schrecklich abgenommen, dürfte darin zu suchen sein, weil sie sich nur untereinander verheirathcteu, was ihre Fortpflanzung nud Vermehrung nicht besonders zu fördern vermochte. Auch die verschiedenen Staalsumwälzungen und Revolutionen, die im Laufe der vergangenen zwei Jahrtausende in China vorsielen, wie nicht »linder Hungcrsnoth und Pest — starben doch erst vor sechs Jahren in Folge einer Hnngersnoth au fünf Mill. Menschen im Gebiete des Hoang-ho (Gelben Flusses) — haben unter den chinesischen Juden stark aufgeräumt. Selbst der Aufstand der Taichings, der in den irsechziger-Jahren in China ausbrach, der dann mehrere Jahre andauertc und sich auch auf die Stadt Kai-fong-fu erstreckte, hat vielen Juden und Muhamedanern daselbst, da sie für ihren rechtmäßigen Herrscher, den 1861 verstorbenen Kaiser Hien-fong zumlSchwerte gegriffen, das Leben gekostet. Anstifter dieses Aufstandes war Hong-tzu-tzien, der Sohu eines Schullehrers, der, nachdenl er die Bibel und das neue Testament.aufgelesen hatte, ans die bizarre Idee kam, die Lehren des Confucius mit denen des alten und des neuen Testaments zu verschmelzen und so eine ganz neue Religion zu schaffen, welche zugleich auch die Chinesen und die Europäer näher aneinander bringen sollte. Er nannte sich daher nach der Prophezeiung Jesaias, Cap. IX, Bers 5, Taiping d. h. Friedensfürst (c£sr i&), ein Name, der dann auchauf seine Anhänger' überging. Seine Hauptlehre lautete: Es gibt nur ein Schanti (ewiges Wesen) und alle Menschen sind Brüder. Er erklärte zugleich seinem Souverän, dem Kaiser Hien-fong, den Krieg und drang mit seinen Anhängern brennend, mordend und sengend gegen Peking vor. Diese Stadt wäre zweifelsohne verloren gewesen, hätte sich nicht der stolze Kaiser im letzten Augenblicke gedemütyigt und von England, Frankreich und Nordamerika Hilfe verlangt, die ihm auch bereitwilligst gewährt wurde. Englische und amerikanische Offiziere reorganisirtcn nun die chinesische Armee und führten sie gegen die Rebellen, die auf allen Seiten geschlagen wurden. Schließlich sic! auch Hong-tzu-tzien in die Hände der kaiserlichen Truppr» und wurde enthauptet. Mit dem Tode dtM schwärmerischeu Rkliglonsstijtcrs verschwand auch dessen Lehre. Du ich gerade das Wort Schanckl (ewiges Wesen) erwähnt habe, so will ich zugleich hierauf aufmerksam mache», daß diese Bezeichnung sowohl von den Katholiken wie anch voll den Protestanten China'S gebrancht wird, wenn sie von Gott sprechen wollen. Die chinesischen Inden gebrauchen dagegen dafür das Wort We-tze (Schöpfer des Weltalls) oder Ti-ticn (Herr des Himmels) da das Wort Schuu-ti (wörtlich: fortdauerndes Ding) nicht gerade die Gottheit bezeichnen muß, sonder» jedem Dinge, das ewig fortbesteht, beigelcgt werden kann. In Kai-fong-fu besaßen die Inden ihr eigenes Stadtviertel, das unter einem besonder« Polizeimcister stand, der zugleich auch als Richter fungirtc. Die Häuser des Judcuviertcls waren ganz nach chinesischer Art gebaut und selbst die geschnäbelte» Holzverzicrungeu auf den Dächern, zur Abhaltung der bösen Geister, fehlten nicht. Die Juden hatten nämlich mit den Sitten und Gebräuchen der Ehineseu zugleich auch deren abergläubische Ansichten angcnommen orres/o rra^r 0*1:3 mym. Anch ihre Kleidung war und ist noch heute ganz chinesisch, da der Pekinger Hof, der sehr conscrvativ ist und nicht einmal seinen nach Europa geschickten Gesandten gestaltet, sich den Zopf abschneiden zu lassen, strenge daraus sicht, daß seine Unterthanen die landesübliche Tracht beibchalten. Ihren Erwerb finden die Juden Kai-fong-fns noch heute im Handel, im Gewerbe und im Ackerbau. In ihrem Handel sind sie jedoch auf die Bannmeile ihrer Stadt beschränkt. Sie sind ausgezeichnete Schwertfeger, ebenso Seidenweber, dann auch Holzschnitzer und Juweliere. Im Ackerbau sind sie jedoch im Vergleiche zu den Chinesen selbst sehr zurück, da Letztere, deren Religion keinen wöchentlichen Ruhetag lehrt, ihren Feldern mehr Aufmerksamkeit schenken als die Juden, welche am Sabbat ruhen wollen. Auch die Mohamedaner China's, da sie den Freitag als Ruhetag feiern, können sich in dieser Hinsicht nicht mit den Chinesen messen. Eine Sitte dagegen oder vielmehr Unsitte haben die Inden von den Chinesen nicht angenommen, und dies ist, die Füße ihrer Töchter gleich nach deren Geburt z» verkuppeln, da sie darin ein Vergehen gegen die Anordnung des Schöpfers erblicken. Auch die Mohamedaner China's haben diesen scheußlichen Gebrauch nicht angenommen. Die Frauen der Juden und Mohamedaner pflegen daher, wenn sie ausgehen, schwere Holzschuhe anzulcgen, um so gleichfalls am schnellen Gehen verhindert zu sein und so wenigstens den Schein zu

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