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Der Israelit · 1886-07-19 · Heft 57 (19.7.1886) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 57 (19.7.1886)
Date
1886-07-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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088 An einem Sabbate, nach dem Schlüsse der Lnnoflofle, bat der (5Hasan den jungen Deutschen, ihm in seine Wohnung zu folgen, da er ihm eine ebenso wichtige wie erfrculirfjc Mitcheiluug zu machen habe. „Signor Benjamin," sagte der ('tmfa», als Beide sich in dessen Empfangszinuner niedergelassen hatten, „verzeiht, dass ich Euch beim Bornamen anrede: ich kann den deutschen Familiennamen nicht im (tzedächrniss behalten. Also, Signor Benjamin, ich soll Euch eine glückverheissende Botschaft überbringen. Ter reichste Mann in unserer Stadt. Signor Salomonr, ist von Euch so entzückt, dass er Euch seine einzige Tochter und mit ihr die Anwartschaft auf alle seine Reichthümer geben will. Speranza, sein einziges Kind, hat Euch in ihr jugendliches Herz geschlossen." Benjamin sprang auf. Eine ungeheure Aufregung bemächtigte sich seiner. Himmlische Wonne erfüllte bei dieser Mittheilung sein Herz: dann aber überkam ihn ein Gefühl namenlosen Elends. Er musste au? das Glück seines Lebens verzichten. Er war gebunden und gefesselt durch sein gegebenes Wort. Ter Ehasan sah ihn erwartungsvoll an. Als Benjamin reden wollte, war ihm die Kehle wie zugeschnürr. Thränen entstürzten seinen Augen. „Euch überwältigt die Fülle des Glückes," sagte der Ehasan. Benjamin rang mit Mühe nach Fassung. „O." stieß er mühsam hervor, „ich bin der unglücklichste Mensch auf Gorres Erde! Ihr. Signor, bietet mir das höchste Glück, und ich darf es nicht angreifen. Ich biii gebunden." „„Ihr seid verheirahlet'?"" „Nicht doch: allein ich habe mein Wort verpfändet, keine Andere zu bestachen als diejenige, der ich mein Bersprechen geleistet." „„Suchet das Bündniss zu lösen! Versprechet eine grosse Summe!"" „Ich kann nicht. C, ich Unglücklicher! Nicht die Reichthümer Speranza's locken mich; aiup wenn sie ein armes Mädchen wäre — ich würde ihren Besch als das größte Glück betrachten!" „„Stellt der Dame, welcher Ihr Euch versprochen habt. das vor; sie wird nickt hartherzig sein."" „Tasisr nicht möglich." „„Warum nicht?""; „Seil ich sie nicht kenne, weil ich nicht weiß, wer und wo sie ist." „„Ihr seid verrückt. Signor."" „Noch nicht: aber ich könnte es werden. Verzeiht, ich muss die Einsamkeir aufsuchen." Benjamin lief eiligst davon. Ter Ehasan sah ihm kopfschüttelnd nach. Am Nachmittage, nachdem Schluffe des .Gottesdienstes. begab er sich in das Haus des Signor Salomoni und erzählte feine Erstdniffe. Ter gute Mann war nickt wenig darüber erstaunt. dass der reiche Bananier seinen Bericht mir m&M&mäiam-^ßdidiLimaeaemiabm, _ „Ich bin mit Euch zufrieden," sagte Sakomoni. „und werde Euch zur Zeit reichlich belohnen." Damit war der Ehasan entlassen. „..Es-scheint mir,"" sagte er im Fortgehen vor sich hin, „„dass die. Verrücktheit icot Mode geworden. Auch Signor Salomoni scheint seinen Verstand verloren zu haben. Erst legt er mir dringend au's Herz, den jungen Deutschen zu gewinnen, nnd jem ist er hocherfreut, da er hört, dass der junge Mann anderweitig gebunden. Das verstehe, wer's kann!"" Ein Jahr war verflossen. Zum Geburtstage seines einzigen Kindes harre Herr Salomoni viele Einladungen zu einem großen Feste ergehen lauen. Auch Benjamin Pohl befand sich unter den Gästen; ohne Aufsehen zu erregen hätte er die Einladung nicht ablehnen können. Nach dem Tiner begab man sich — die Sonne war bereits nnrergegangen — in den herrlichen Garren, der sich am Haufe befand. Biele bunte Lampen waren an den Bäunren aufgchängt und verbreiteten ein zauberisches Licht. Tie Tochter des Hanfes hatte den jungen Deutschen aufgefordert, mit ihr durch den Garren zu wandern. Im höchsten Grade befangen, schritt der Jüngling an der Seite der jungen Dame einher, ihr allein die Führung des Gespräches überlassend. Bon Zeit zu Zeit entrang sich ein tiefer Seufzer seiner Brust, den jedoch das junge Mädchen nicht zu beachten schien. An einem Myrthengebüsch blieb sie stehen. „Hier," sagte sie, „habe ich vor Jahresfrist ein sonderbares Abenteuer erlebt. Eine Schwalbe war im Gebüsche an einem Bändchen, das sie am Fuße trug, hängen geblieben. Ich schnitt das Bändchen ab und gab so dem armen Bogel die Freiheit. An dem Bändchen hing ein Papierstreifen . . . „„Signorina,"" unterbrach sie Benjamin, der ihr mir der grössten Spannung zugehörr hatte, „„wäre es möglich. Sie, Sie Das junge Mädchen blickte ihn schelmisch an. „Ja, ich." sagte sie. verschämt lächelnd. Signor Napoli, der intimste Freund meines Varers, war so liebenswürdig, auf meinen Scher; einzngehen und die Sacke für mich zu vermitteln." Wir muffen es uns versagen das unaussprechliche" Glück des jungen Deutschen zu schildern nick brauchen wohl kaum. hmzuzufügen. dass das Gcburrsragsfeft zur Verlobungsseier wurde. Einige Jahre nachher besuchte Benjamin Bohl mit seiner jungen Frau seine Vaterstadt: sie verseblren mchr in die SÄuhmacherstrasse zu gehen, wo das Schwalbennest noch unvenekrr sich befand. Frau Baldrian Sckmitr erhielt ein schönes seidenes Kleid, weil sie damals auf Benjamins Fürbitte gestattet hatte, dass die Zerstörung des Schwalbennestes umerdiied. Lrrrurssrürchr RrvLQrsa: Dr. Lrtzm s»» m -*Ä Jltb«? keö L«!2g S2L Cicsc LehssLCL cs Msrr^.

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