Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1886)
- Date
- 1886-07-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449654--24667-2514480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mC® *JL'T4rf MKlLLfür da ‘l'Nwf •».‘•j ' * * t» viA--^v L»L. Ärthodoxe MuderrthunM N i e S ck v & f b e. .Lr '/vfr -on N. Zrcller. n einem alten Hause in der Schuhmacherstrasse in Köln a. Ah. hatten sich Schwalben angcsiedelr, die zum Verdrusse der Hausfrau viel Schmus machten; sie bar daher ihren Gatten, den ehrsamen Dünchermeisser Baldrian Schmitt, das Schwalbennest cinzusrossen. Dieser war gerade imBegriff, demWunsche seiner Ehehälfte nachznkommcn, als er sich am Arme gepackt fühlte. „Herr Schmitt, was machen Sie da i" fragte eine iugendliche Stimme. Ter Angercdere drehte sich ärgerlich um. „„Ah."" sagte er, „„Sie sind es, Herr Pohl. Die Schwalben machen so viel Schmus..und da wünscht meine jynni, dag ich sie Denrcibc."" „Thun Sie das nicht, Herr Schmitt. Der Gerechte erbarmt sich auch des Viehes, sagt der weise König. Lauen Sic die armen Schwalben in Arche I". „„Ich wäre es schon zufrieden, allein., meine Iran . . . „Tie Veranrworttmg übernehme ich. Ihre Frau Gemahlin wird meine Bitte nicht zurückweiscn, wenn ich wich bei ihr für die Schwalben verwende." Frau Schmitt, die von der tfütbe aus das Gespräch vernommen hatte, trat herzu. „Sie haben doch ein w gutes Herz. Frau Schmitt," sagte Pohl, „erbarmen Sic sich der armen kleinen Vögel! Ich will ein Bren unter dem Acne anbringen, damit Ihre Hausflur nicht beschämst werde." „„Nun,"" emgeguete Frau Schmitt. „„weil Sie so schön wr die armen Tingcrchen bitten, so mögen sie verschont bleiben.-- „Ich danke Ihnen, Fran Schmitt. und Sie sollen sehen, ich werde mich noch einmal dafür dankbar erweisen!" * Herr Schmitt liess die Stange, mit welcher er das Nest hatte absiossen wollen, zu Boden sinken, und seine Frau begab sich, dem jungen Pohl freundlich znnickend, in die Küche zurück. Benjamin Pohl, ein schöner Mann von etwa 20 Jahren, war eine elternlose Waise. Sein einst wohlhabender Vater hatte ihm eine sorgfältige Erziehung geben lassen. Als der Knabe fünfzehn Jahre alt war, sprach und schrieb er fertig englisch, französisch' und italienisch, und hatte auch mancherlei andere Kenntnisse sich erworben. Da starben die Eltern bald nacheinander. Das Vermögen, welches sie hinrerliessen, war nicht beträchtlich und reichte kaum ans, für Benjamin während seiner dreijährigen Lehrzeit in einem kaufmännischen Geschäfte die Kossen seines Lebensunterhaltes zu bcsireiten. Beniamin wurde bald der Liebling seines Prinzipals, so dass dicker ihn nach beendigter Lehrzeit als Eorrcspondentcn behielt und ifjm ein auskömmliches Salair bestimmte. Nach zwei Jahren jedoch starb der Prinzipal und das Geschäft ging ein. Dros seiner Tüchtigkeit konnte Benjamin keine Stelle erlangen, in welcher es ihm vergönnt gewesen wäre, die goitgebotene Sabbatruhe zu beobachten. Jetzt musste er von seinen Ersparninen leben, und er sah mir Schrecken der Jett entgegen, da er diese verzehrt haben würde. In der Nacht, die dem Tage folgte, an welchem Benjamin das Schwalbennest beschützt Hane, sah er sich im Traume vor diesem stehen, die schlafenden Vögel betrachtend. Plötzlich erwachte dasMännchen, schaute den Jüngling mit seinen klugen Äuglein an und sprach : „Durch mich wirst Du glücklich werden!" Als Benjamin am Morgen erwachte, musste er über den Traum lächeln; allein, derselbe wollte nicht aus feinen Gedanken weichen. — Der Sommer war eben zu Ende, und die Jett nähere heran, in welcher I***