Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1886)
- Date
- 1886-07-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVII. Jahrgang. M 57. Ei« AenLrak - Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. « Herausgegeben von l)r. Lehmann in Mainz. Montag, den 16. Juli 5646 (1886). Leitende Artikel. Die Sprüche der WÄter. II. Buch, zweite A b t h e i l u n g. xxn. Mainz, 15. Juli. rrrcrs niccn jnn *nn jnn jnw' ’an :2>w.l p Dixn n« V-t'Nv „Rabbi Josua pflegte zu sagen: Das böse Auge und der böse Trieb und der Haß gegen die Geschöpfe bringen den Menschen aus der Welt." Dieser Ausspruch des große» Rabbi Josua ben Ehananjah erscheint dem oberflächlichen Blicke sehr einfach und kaum der Erklärung bedürftig. Das böse Auge — Neid und Mißgunst, — der böse Trieb — die unbändige Leidenschaft und Genußsucht, und der Haß gegen die Mensche», das sind Dinge, die ganz dazu augethau sind, den Menschen in dieser Welt unglücklich zu machen, sein Leben hieniedcn zu verkürzen und ihn der ewigen Seligkeit verlustig zu machen. Und doch bietet dieser scheinbar so einfache Ansspruch dem rechten und richtigen Lerständmsse die größten Tchwierigkeitcn. Bor Allem niiitteii wir beachten, das; es nicht ein Ausspruch, sonder« drei Sentenzen siud, die uns hier vorliegen. Wir haben also jedes besonders zu betrachten, wie wen» stünde: das böse Auge bringt den Menscheu aus der Welt, ebenso der böse Trieb und ebenso der Haß gegen die Menschen. Wenn denk nun so ist, so liesten sich dieser schlimmen Dinge ja noch viele nennen: die döse Zunge (Lüge, Verleumdung), die Trunksucht, die Spielsucht, der Ehrgeiz, die Zanksucht, der unbändige Stolz, die Trägheit, die Eharatterschwäche, der Uebermmh, der Leichtsinn, die Tollkühnheit, die Feigheit und so sort. sticht sage man, daß die llusgezahlten schlimmen Eigeurhümlichkeiren in den drei, von Rabbi Josua angegebenen mitinbegriffen seien; freilich ist inn -ist, der böse Trieb, ein allgemeiner Begriff, in den sich alles Böse zusammenfassen läßt; dann wären aber auch jnn ry, die Mißgunst, und nron nw», der Menschenhai;, ebenso darauf zurückzuführen. Es ist auch nicht der Größe, der Tiefe und Würde der uns vorliegenden Weisheitslehren angemessen, zu sagen, daß Rabbi Josua der schlimmen Dinge drei herausgegriffen,: um vor ihnen zu warnen; sondern er muß einen im Geiste der Thora tiesbegründeten Anlaß gehabt haben, daß gerade jedes von diesen dreien geeignet sei, „den Menschen aus der Welt zu bringen." Auch die letzterwähnte Redewendung ist wohl nicht willkürlich gewählt und bedarf daher der Erklärung. Vor uns liegt eine ganze Collection von Büchern, die sich mit unsrer Maßechtha beschäftigen. In ihnen haben die erlauchtesten Geister unsrer Nation — verschiedener Zeiten und verschiedener Länder — ihre erhabenen Gedanken niedergelegt: Rabbi Schlomoh Jizchaki (Raschi), Rabbi Moscheh bar Maimon (Maimonides), Rabbi Schimeon ben Zemach Turan, Don Jizchak Abarbancl, Rabbi Schlomoh ben Jizchak ha Levi, Rabbi Joseph Jabez, Rabbi Binjamr'n ha Kohen, Rabbi Moscheh Alschcch, Rabbi Lbadjah de Baninora, 'Rabbi Lippmann Heller, Rabbi Samuel de Oseda, Rabbi Moscheh Almeschnino, Rabbi Joseph Ehiwan aus Lissabon, Rabbi Herz Wesel, Rabbi Josua Heller und viele, viele ändere: wir haben sie alle sorgfältig stndirt und keine Antwort aus die von uns oben angeregte Frage gefunden. Die Einen erklären die Mischnah im Sinne der Antwort Rabbi Josuas an seinen Lehrer Rabbi Jochanan ben Sackai: Der ist kein guter Genosse, welcher voller Mißgunst ist, der Leidenschaft nachgibt und die Menschen haßt; die Ander» wollen diesen Ausspruch aus der Natur Rabbi Josua» folgern, aus den