Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1886)
- Date
- 1886-07-08
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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"Notizen. Im vorigen Jahre niiiclitoii utisero llrftdcr In Jerusalem den Versuch eines Exportgeschäfts mit Rosinen. Bis jetzt war dieser Handel ausschliesslich in den Händen der Araber hier. Seitdem in, Egypten politischer Wandel eingetreten, gaben die Araber dieses Geschäft auf nnd nahmen es die Jaden in die Hand. Sie hatten Glück damit, so dass in diesem Jahre das Geschäft weiter betrieben wird. Mit dem Wollgeschäfte hatten sie aber kein Glück, weil die Wolle inzwischen sehr im Preise gesunken. Aber die Kaufleute machen erneute Anstrengungen und sie hoffen zu reussiren. ln einem früheren Artikel bereits wurde der Behauptung entgegengetreten, als wenn die Juden in Jerusalem Müssiggänger seien und nur von der „Chalnkah“ leben. Die „Cbalukah“ genügt nicht für den zehnten Theil des Auskommens; vielmehr sind die Juden sehr thätig; sie lieben die Arbeit nnd widmen sich ruhig derselben ohne Fanatismus. Es giebt in Jerusalem Holzschnitzer nnd Graveure, die in ihrer Kunst die Europäer .übertreten. Aber sie finden keinen genügenden Absatz für ihre Arbeiten und so erstirbt die Liebe zum Handwerk. Man sagt, dass 10,000 Christen sich von Schnitzarbeit ernähren, die zu kirchlichen Zwecken verwendet werden. Auch die Juden könnten sich von ihren Arbeiten erfahren — wenn man ihnen Absatz verschaffen würde. „ Ans Jaffa wird berichtet, dass die Missionäre anzeigen, dass sie allabendlich jüdischen Kindern Im Hebräischen nnd Englischen zwei Standen Unterricht unentgeltlich ertheilen wollen. Dies ist ein neues Hetz, um jüdische Kinder za fangen, vor welchem gewarnt wird. - . ' . Uns, was wir In den früheren Nummern angeregt haben, indem wir die Frage aufwarfen, warum, die geistigen Führer nicht fort nnd fort gegen die Missionäre predigten, ist nicht ohne Erfolg geblieben. Anch dieses Mal war der hochverehrte Rabbiner J. S. E1I schar der Erste, der unseren Worten Gehör geheulte. Er lies» nämlich am Sabbatb in allen Synagogen der Sefardim. aunlaufen, dass Niemand ferner seine Tochter in die Schule der Sefardim schicken möge; und am Montag darauf hielt hierüber der' bekannte Rabbi Josef Nissim Burla eine grosse Rede, indem er das Volk warnte, sich an die Missionäre zu wenden. O, möchten doch alle unsere Rabbiner und Gelehrten stets darauf hinweisen, dann möchte gar bald der Einfluss der Missionäre gebrochen sein! Es gereicht uns zur Genugthnnng berichten zu können, dass der bekannte Prediger Abraham Aba in Jerusalem eine eindringliche Rede gegen die Missionäre gehalten hat. Der Redner erwähnte, dass er nicht zum ersten Male über diese Angelegenheit spreche, dass er vielmehr schon öfters seine Ermahnungen gerichtet habe an Diejenigen, welche sich an die Missionäre wenden. Einem solchen Prediger gebührt alle Anerkennung. Ein hervorragendes Mitglied der Gemeinde der Aschkenasim in Jerusalem berichtete uns, dass ihm drei Aschkenasim bekannt seien, die ihre Töchter in die Schule der Missionäre schickten. Es ist die Pflicht der Rabbiner, solches in ihren Gemeinden zu verhüten. Von den Sefardim befinden sich dort Viele, nnd einer der Sefardim bereitet den Mädchen Koscherkost. Wir haben bereits in einer der früheren Nummern berichtet, dass die Rabbiner der Sefardim hierüber eine Warnung haben ergehen lassen; doch das allein genügt nicht; die Führer der Gemeinde müssen vielmehr die Eltern der Mädchen za sich kommen lassen nnd ihnen in eindringlicher Weise die Sache an's Herz legen. —