Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1886)
- Date
- 1886-07-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Kirche, an das Hospital zu zahlen. Dabei ging das Ansiedlnugsrecht nicht chuiiut auf den ältesten Sohn über und jiiuIUi' van bcm lsdelmann, in dessen oic* biete der Jude lebte, jedesmal sristh erkattfl'werden. In Mev hatte es dle Kansinannsthast, tvclche mühelüS auf Kosten der andern Bevöllernng VeichrhÜnler sammeln wollte, und die ehrliche Eoneurreuz redlicher Bernssgenoffen fürchtete, es dnläiznsenen gewußt, dah die 'Zahl der jüdisaien Familien ans 480 beschränkt blieb; tlnd so war der jirüfUo Dheil der jüdischen Bevölkerung entweder jmn Eötibat oder zur Auswanderung vernrthcilt. Nathan .Klein, ein vermögensloser Mann, der nicht die Mittel besaß, sich das zweifelloseste Menschenrecht, mit der Gattin seiner Wahl im Vatcrlande zu bleiben, zu erkaufen, mußte sich zur Auswanderung entschließen. Es war für einen mittellosen Inden nicht leicht — fugen wir richtiger nahezu unmöglich — sich ein neues Heim zn gründen, und da^ er eine schöne Stimme und reiches jüdisches Willen befaß, durchzog er mit seiner bcgnüglichen Gattin, die ihm gerne ans ihrem Vater- Hause gefolgt war, als Ehasan-) Deutschland, Böhmen, Mahren, Ungarn. Sein schöner Bortrag verschaffte ihm überall Beifall uub die Mittel nebst den Kosten der fortwährenden Reisen auch die allernothwendigsten Bedürfnisse für sich und sein Weib zu erschwingen. Nach einem Jahre ziellosen Manderns — Nathan Klein befand sich gerade in einer kleinen jüdischen Gemeinde an dem äußersten Ende Ungarns an der türkischen Grenze, — gestand ihm Lea, daß sie sich Mutier fühle. Es war nun für ihn von unschätzbarem Werthe, eine Anstellung, einen festen Wohnsitz zu erlangen, und diese äußerste Nothwendigkeit ließ es ihn als ein Glück erscheinen, daß ihm die in der kleinen Gemeinde durch den Tod des alten Vorsängers erledigte Stelle angcbote» wurde. Das Gehalt war ein — auch relativ für jene gcldarme und bedürfnißtose Zeit — eia sehr geringes. Er hatte nicht nur vorzubeten, sondern auch die Kinder zn unterrichten, die rituellen Schlachtungen vorzunehmen. Es war ein mühevolles, hartes Amt, das er sich auslud, aber er liebte seine Frau, deren Besitz ihn glücklich machte, und als sie ihn mit einem lieben Knaben, mit Michael beschenkte, hätte er — wie ans der Erwiderung seines Vaters auf die Anzeige von der Geburt seines Enkels hervorgmg — rmii keinem Könige lauschen mögen." Das bescheidene stille Glück der edlen Menschen währte leider nicht lange. __Lathan Klein, früher ein kerngesunder, kräftiger Mann, erkrankte 2) Synagogenvorbeter, Vorsänger. entweder in Folge übermäßiger Anstrengung, oder wahrscheinlicher noch durch irgend eine» jener tausend gesuhrlichcr Zufälle, welche in jeder Sekunde das Leben des Menschen bedrohen, an einem Brustübel. Vielleicht wäre, tuen«.- er sich schonen hätte lonuen, vollständige Heilung eingetreten, aber es war dies für ihn unmöglich.' Er mußte von.frühem Morgen bis spät am Abende fortwährend seine Lungen anstrengen, entweder durch Unterrichtertheilen und vergebliche Erziehungsversuche' an rohen Jungen, die ihn ärgerten und quälten, oder an Sabbaten und Feiertagen durch den damals in den Synagogen hochbcliebten, gcschnörkelten und große Stimmkraft erfordernden Gesang. Wenn einem, zwei Stunden von dem Städtchen wohnender Iischuwmann eine gestopfte Gans in ihrem Fette zu ersticken drohteJ), mußte der arme Klein schweißgebadet mitten in einer kalten Winternacht ausstehen und in Sturm und Unwetter, den weiten Weg hin- und zurücklegen. Es war nicht zu verwundern, daß unter diesen Verhältnissen, Klekn's Leiden znnahm und sich' zu einem chronischen, unheilbaren ausweitete.. Der wackere Mann, der um Weib und Kind zu erhalten, in treuer Pflichterfüllung bis zur äußersten Grenze der physischen Möglichkeit ging, war einst, nachdem er einen schweren ungarischen Ochsen geschlachtet, ohnmächtig nmgestmken, mußte nach Hause getragen und ins Bett gelegt werden , das er nicht mehr lebend verließ. Lea Klein stand nun allem, mittellos mit einem fünfjährigen Knaben in fremdem Lande. Der gering entlohnte Klein hatte nur eine relativ kurze Zeit seines beschwerlichen Amtes in der Gemeinde gewaltet und diese wäre auch inner geordneten Verhältnissen der Gegenwart, uidjt zu einer Pension an die Wittwe, am allerwenigsten zu einer auskömmlichen, verpflichtet gewesen. Wäre die Gemeinde nur nicht gar so klein und arm gewesen, hätte Lea, welche ein sehr geschickte.'Näherin, Gold- und Silberstickerin war, vortrefflich deutsch und französisch sprechen und schreiben konnte und zn jedem Geschäfte anstellig und geschickt war. sich und ihr Kind, redlich, wenn auch nur nothdürslig erhalten können, aber unter den bestehenden Verhältnissen blieb der armen Frau keine andere Wahl, als in die Heimath nach Metz zurückzukehren. Ihr Vater und ihr Bruder waren allerdings und zwar nachdem sie vorerst verarmt waren, gestorben, weder sie noch ihr Gatte hatten 3) ü?am «in Thier ungeschlachtet stirbt, ist d«r trennst des? selben drn Juden untersagt.