Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1886)
- Date
- 1886-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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T fl r r e i. 5tonstanti»»op^. Dle hiesige jüdische <^cnielnde. welche 3cclcn zählt, gehl einer iicitcn Crflmufntion cutflcflcii, Nach dem Progranlnie, welches unser Rabbiner R. Mochon-Levy, unterst ü>n vom Präsidenten der EZeincinde, Herr Becher Effendi, anfgestellt hat, soll die Fleischtaxe aufgehoben, ein Rabbmcrseminar errichtet und eine Feuerwehr für jede Synagoge, crcirt werden. Letzteres ist um so nothwendiger, als die hiesigen Gotteshäuser aus Hol.; gebaut sind; erst vor drei Jahren sind deren vier abgebrannt. Auch soll die Bettelei der sogenannten „Hocabazcs" bei festlichen Gelegenheiten verhindert werden. Bischof Twuisios von Ehcronisso (Provinz auf der Insel Greta) besuchte bei seiner jüngsten Anwesenheit in Kanca während des griechischen Osterfestes, begleitet von seinem Klerus, die Synagoge der isr. Gemeinde während des Gottesdienstes. Tiefer Act der Toleranz, sowie die zwei Besuche, die er dem Rabbiner der Gemeinde abgcstattet, haben bei der griechischen Bevölkerung großen Eindruck gemacht. Mar j.c c o. Ans seinem vor einigen Monaten unternommenen Kriegszuge hat der Sultan bei mehreren Gelegenheiten sich recht freundlich gegen die Juden gezeigt. Iw Mogador zog die jüdische Gemeinde mit Fahnen und Musik ihm entgegen. Einige Beamte wollten die Juden zurnckdrängen; als der Sultan dies bemerkte, drückte er dem Gouverneur sein Mißfallen hierüber aus, indem er sagte: „Die Inden haben dasselbe Recht, ihren Landesfürsten zu empfange!! wie. Sie, sie sind unsere loyalen Unterthanen." Einem Juden, der sich über die von Muhamedanern an ihm begangenen Mißhandlungen beklagte, verschaffte er sofort die vollste Genugthimng. In Ben Ayat in der Provinz Demnat ist ein Jude, Namens Abraham Bnebo, welcher, weil er sich gewehrt, das von einigen Mauren abverlangte Geld zu geben, von diesen der Unsitttichkeit angeklagt und vom Kadi diescrhalb zum Lchwnre verurchellt worden, aus dem Wege nach dem Gerichtsgebäude überfallen und mit Steinen so lange beworfen worden, bis er todt niedergcfallen. Die VLV Barbaren begnügten (hfl nicht mit dieser Mordlhat, sie verbräunten auch nach die Leiche. Tanger, l 2. Juni, Unser erhabener Gebieter, Sultan Sidi Mulen Hassan, hat richtig, wie hl) Ihnen in meinem lebten Schreiben voraus vcrlündet, an der Spitze einer Armee seine Residenzstadt Fez verlassen, um nach dem Süden zu ziehen und dort den Rebellen Sidi Ben Haschem, der sich zum Herrscher der beiden Provinzen Sns und Draa aufgeworfen, zu züchtigen und wieder zum Gehorsam zurückzuführen. Bevor er jedoch die Residenzstadt verließ, ließ sich der Sultan von seinen Hofaftrologen das Horoskop stellen, die ihm dann mit Freuden meldeten, daß nach dem Stande der Gestirne der Gebieter über den rebellischen Diener siegen und denselben auch vernichten werde. Für diese frohe-und die Armee besonders ermulhigende Botschaft erhielten die Astrologen ein beträchtliches Geldgeschenk aus der kaiserlichen Civilliste zugewiescn. Die Nacht vor dem Abmärsche mit seiner Armee verbrachte Mulcy Hagen zum größten Thcit im Gebete, wobei ihm einige seiner Minister und Generäle Gesellschaft leisteten. Als der Fürst dann am anderen Morgen, umgeben von seinem Generalstabe, durch die Straßen von Fcz ritt, da waren dieselben überfüllt von der neugierigen Bevölkerung, die" den auf einem braunen Araber reitenden Landesherrn mit tausendfachem Lulu! (Hurrah!) und sonstigen freudigen Zurufen begrüßte. Die Juden hatten sich jedoch von dieser Ovation gänzlich ferne gehalten, da sie Ausbrüche des Fanatismus der Fez-aner befürchteten. Aber auch ohne dies hatten die Juden von Fez diesmal keine Ursache dem Sultan zuzujubeln, da cs allgemein heißt, die Zeche, d. h. die Kriegskoftcn werden auch diesmal, wie es schon so oft in Marokko der Fall war, die Söhne Jakab's bezahlen müssen, indem die Negierung deren Abgaben und Steuern nach Beendigung des Krieges erhöhen wolle. In den anderen Städten dagegen, welche der Sultan mit seiner Armee paffirte, nahmen die Juden an dessen Empfang ja Theil, da sic erwarten, daß nach glücklicher Beendigung des Feldzuges ihre Lage sich verbessern werde. Besonders freudig erregt zeigte sich die jüdische Gemeinde von Mogador, welche Seestadt der Sultan auf seinem Marsche gleichfalls besuchte. Die jüdische Bevölkerung daselbst hatte zu Ehren ihres Landcsvatcrs ihre Festtagskleider angelegt und. als sie desselben ansichtig wurde, brach sic in ein solches Frcudengeschrei aus, daß die Pferde der herankommenden Eavalcade ganz stutzig darüber wurden. Der Sultan, der einen