Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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VIXXI.Mirflflitn. Zweite iicilngc ju Nr. 52 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Würzburg, 25». Juni. Dem Programm gemäß fand am Mittwoch Vormittag nm 10 Uhr in der Synagoge dahier die Tiaucrfeier um Se. Maj. König Ludwig II. statt. Schon lange vor bczcichncter Stunde stillte sich das der Feier entsprechend dekorirte und beleuchtete Gotteshaus bis auf seine äußersten Raume. Tie vorderen Reihen enthielten die rcservirtcn Plätze für die geladenen Gäste, worunter wir die Vertreter des Sradtmagistrates, die Rektoren der kgl. Smdienanftalt, des kgl. Realgymnasiums und der kgl. Realschule, mehrere hohe Offiziere bemerkten. Andere hohe grellen enrschuldigren ihre Abwesenheit mir der Teilnahme an der gleichzeitig stattfindendcn Feier im Lome. Gin ergreifender Choral mir dein Texte: Psalm 113 V. 15 mir 18 ansgeführt von den Zöglingen der isr. Lehrerbildungs-Anstalt und dirigirt von dem Gesanglehrer der Anstalt Herrn Lehrer Englcrt, leitete die ernste Feier würdig ein. Hierauf wurden die Psalmen 16 und 17 vom Vorbcter und Chor recitirt, der Psalm 23 vom Vorbeter allein vorgerragen, worauf wiederuru ein Choral, Psalm 16, Vers 9 mit 11 folgte. Alsdann bestieg Herr Distrikts - Rabbiner B a m b e r g c r die Kanzel. Tiefergriffcu von dem Aulaffe der Feier richtete der Redner zunächst ein Gebet zuni Lenker und Leiter aller Geschicke, dem cs in seinem unerforschlichen Rathschluste gefallen, Vayern's allverchrten König und Landesvarer Ludwig II. zu sich zu rufen, auf daß er mit Gnade auf uns schaue in dieser ernsten Smnde, die wir dem Gedächrnipe des höchsrseligen Dahingeschicdencn zu weihen im Begrine seien. Tann zur Bedeutung und Berechtigung dieser Tranerfeicr übergehend, bemerkte Redner, wie ja jeder Todesfall erschütternd auf den gemülhsvollen Menschen wirkt, wie mau da immer wieder an die Richtigkeit des Menschen erinnert und Trauer und Schmerz verursacht werde, wie aber doch in gewöhnlichen Fällen die Leidtragenden leichter wieder , in die früheren Berhältniffe zurückkehrren, wie ganz anders aber der Tod eines geliebten Landesvarers, eines verdienstvollen Monarchen, wenn dieser gar noch in der Mitte seiner Tage von uns genommen werde, auf ein ganzes Volk und auf jeden Einzelnen seiner Landeskmdcr wirken müsse. Zu dieser traurigen, schmerzvollen Stimmung befinde sich das Bayernvolk: dem Ausdruck desselben gelte auch diese Feier. Wollte man die Hcrrfchertngenden unseres vielgeliebten höchstseligen Königs aufzählen, der Wohlthatcn alle gedenken, die wir diesem, der edelsten Fürsten einer, verdankten, so wäre dies fast ein vermessenes Unternehmen und man könnte hier besser mit dem Psalmisteu sagen: „Dir ist Schweigen Lob". Doch wer vermöchte ganz seinem Munde Schweigen zu gcbiercu, wo das Herz so voll, wo die Gefühle eines ganzen Volkes so mächtig erregt und nach Ausdruck verlangten? Rur au einigen Zügen §us dem glorreichen Leben des hochsel. Königs wollte daher Redner die Fülle seiner Liebe und Güte, seinen hohen Sinn für das Gute, Wahre und Schöne zur Crkenntniß bringen. Als Text hierfür dienten die Worte, welche die heil. Schrift von dem Könige Chiskija uiführt: Chronik II. 31, 20: „Er rhat das Gure, Rechte und Wahre." Tie Güte ist es vor allem, die dem Herrscher die Liebe des Volkes sichert, nicht die Strenge, nicht die Machtnmgebnng, nicht der Pomp, in welchem der Fürst seinem-Volke-erscheint, sondern die väterliche Fürsorge, das Herablassen zu des Volkes Bedürfnineu, das Streben, Roth und Leiden im Volke zu lindern. Und wer hätte hierin ein schöneres Beispiel gegeben, als König Ludwig II.? Wo hätte sich ein Rorhstand, ein Unglück ergeben, wo nicht König Ludwig mit wahrhaft, väterlicher Liebe und Sorge, mit königlicher Mun.7 -. helfend cingcrretcn? Wer erinnere sich nicht der Gelegenheit des Wittelsbacher 700 jährigen Jubiläums, als sich das bayer. Volk mit den bereitwilligsten Opfern anfchickte, seinem geliebten Herscherhause ein würdiges Fest zu bereiten und die Beweise seiner Liebe und Verehrung für dasselbe dabei an den Tag zu legen und cs König Ludwig war. der diese Mittel einem wohlthärigen Zwecke zuwies und sein liebes Volk, von dessen tteuer Hingabe er überzeugt, aufforderte, zum Andenken an das Jubiläum eine Stiftung zur Hebung des Handwerkes zu gründen. Seinen hohen Sinn ftir Recht und Wahrheit zeige seine ganze Regierungszcit, insbesondere sein Eintreten für die von dem Erbfeinde beleidigte Ehre Deutschlands ^m Jahre 1670. Ten früheren Brnderstrcir vergemrid, stellte er ungesäumt dem bedrängten Bundesgenon-n seine Stteitkräfte zur Verfiignng