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Der Israelit · 1886-06-28 · Heft 51 (28.6.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 51 (28.6.1886)
Date
1886-06-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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»«assager? i % 879 hier erfchemerrdrn ('zsrtf Herrn Ben Zebnds, der «nrae StomMtn der Scobardim besck.nldrgt harte, daß ik W den MsittsnZrcn unerlandie Bezichmrgcn nmcrhaUeu, den Bann zn verhängen. § e a i I l c t 0 a. Wichaet. ErZähl«vg von L. «oyn, L^rfasser von <?abruL (Fortsetzüng.) „(*■§ war kigenthümlich ltt unserem Leben," fuhr Aron Brack-mit einem dilteru Lächeln fort, „der nucrforschliche (sott haue uns oft durch schwere Heimsuchungen und Versuchungen .geprüft: und uns Loch nie verlassen: aber cs war bisher stets ein Ilnglücksfall, der uns unserem Ziele, unicreur Glücke einen Schritt näher brachte. Die plötzliche Verarmung Deines Vaters hatte ein Hcmmniß aus dem Wege geräumt, ein zweiter Unglücksfal! sollte auch das zweite Hindernis; aus dem Wege schaffen. Mein armer blödsinniger Bruder war menschenscheu und mochte sich nur mit jenen befreunden, die er schon längere Zeit kannte, und-es schien mir daher am Vesten, ihn noch weiter auf dem Dorfe bei Hirsch Moslir? zu lassen. Eines Tages war der Herrschaftsbesitzer in Begleitung seines Neffen und zukünftigen Erben, eines boshaften, hartherzigen, dummstolzen Burschen, zur Jagd herausgckommcn. Mein Bruder hatte das Unglück gehabt, dem jungen Tyrannen, als dieser von seinem Hunde begleitet, in den Wald ritt, zu begegnen. Wahrend alle Bauern den künftigen Gebieter mit sklavischer Dcmuth grüßten, hatte der arme Idiot das furchtbare Verbrecher! begangen, ihn, ohne ihn zu grüßen, mit seinen! gewöhnlichen, stumpfen Lächeln anzustarrcn. Der junge Baron hetzte seinen Jagdhund ans ihn, und dieser biß ihn ins Bein. Mein armer Bruder gericth in Wuth, griff, um sich gegen die Dogge zu vertheidigen, nach einem starken Baumast und schlug nach allen Kräften auf das Thier kos. Der junge Baron legte seine Flinte auf Nachum an, und schoß ihn, böse lächelnd, wie ein Raubthier nieder. Als ich erfuhr, daß mein Bruder in solcher Weise ums Leben gekommen, das allerdings weder für ihn noch für Andere einen Werth besaß, schmerzte mich dies doch um so mehr, als der Mörder — der junge Baron hatte einen mit kaltem Blute vorbedachten Mord begangen — unbestraft blieb. Die Juden der Umgebung baten Hirsch Mosliv, keine gerichtliche Anzeige zu erstatten. Es hätte sich unter den bei der Blutthal Anwesenden — herrschaftlichen Dienern, Treibern uud anderen Bauern, — kaum Einer gefunden, der geneigt gewesea wäre, vor dem Unlersuchnngsrichtcr die Wührbeir auszusazen. Es bedurfte bei Hirsch. MosUZ keiner großen Ueberredungsknnft, ihn' von einem ebenso gefährlichen als Nutzlosen Schritte ab- Mhalten. Allein das Unglück, das meinen Bruder betroffen, hatte zu unserem Glücke beigettagen. „Nun tvar ich der älteste Sohn eines mährischen Illdenfamilianten, nun konnte mir das Landesguberuiuw die Ehebewilligung nicht verweigern. Und Sara, als wir endlich nach so großen, scheinbar unbesteglichen Schwierigkeiten vereint wurden, da dankten wir Gott aus voller Seele und ans ganzem Herzen, und — nicht wahr, Sara? — nach vielem Unglück, nachdem wir nicht mehr gehofft hatten, je glücklich zu werden, waren wir cs doch geworden, — und als uns unser Michael geboren . . . Brack hielt erschreckt inne, Sara aber sprach: „Als wir befürchteten, nie vereint zu werden, konnte uns dies doch nicht als unmöglich erscheinen, und. Du sichst cs ja, wir wurden in der That vereint, aber", die arme Frau konnte die Worte jetzt nur mühsam hcrausftoßeu, „unser Hingeschiedener, herrlicher Michael, der ist uns unwiderbringlich verloren, o! Du, mein liebes, süßes Kind! . . . . . Mutterfreude ist doch das schönste, höchste, reinste Glück ans dieser Welt, Mutterschmerz,- der ticffte — Aron, ich weiß nicht wie ich welterleben soll, mein Dasein erscheint mir öde, leer, zwecklos. Das fünfjährige Kind war so klug, als wenn es zwölf Jahre alt gewesen wäre, nicht eine Minute seines Lebens hat es Dich oder rnich betrübt, der erste Schnierz, den cs uns bereitete, war — daß es von uns schied .wer könnte uns je unseren kleinen Michael ersetzen?! . . . Sara brach plötzlich ab. Es wurde an den. Fensterscheiben der ebenerdigen Wohnung geklopft, und eine zarte, vibrirende -Kinderstimme rief „Lemaan haschem, lcmaan horachamim') helft . ... helft." Einen Augenblick glaubten die beiden hocherregten Galten der Rand einer Sinnestäuschung zu sein, und der fast unerschrockene, kräftige Mann, trug schüchtern: „Sara, Haft Du nicht auch einen Hilferuf vernommen?" „Ein .Kind, ein hilfesuchendes Kind," schrie Sara unter der Einwirkung ihrer Schmerzen in höchster, nahezu wahnsinniger Aufregung, „vielleicht ist» unser Kind, vielleicht ist mein Michael doch zu I) Um Gottes, um fcitirr Barmherzigkeit willen.

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