Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-06-24 · Heft 50 (24.6.1886) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 50 (24.6.1886)
Date
1886-06-24
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449647--24522-2514328
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1 «3.4 » I 1 H®4 LA in Galiläa. Von lechle! ülelisl Pinas. (II. Fortsetzung.) In Meron sassen wir unter dem Schatten eines Feigenbaumes auf einer Binsenmatte, während einer der jüdischen Bedienten nns warmes Brod, Bntter und Molke vorsetzte. Letztere heisst Leben auf Arabisch nnd sieht ans, wie die geronnene Milch, welche nach dem Bnttem in Europa zurückbleibt, nur ist sie dicker, fetter und süsser. Ueberhaupt ist die Behandlung der Milch in Europa eine andere, als hier zu Lande. Während man in den kalten Gegenden .es der Zeit überlässt, die aufgestellte Milch sauer werden zu lassen, geschieht dieses in den wannen Gegenden durch menschliche Hilfe. Während dort aus der geronnenen Milch Butter und aus der gestockten Milch Käse bereitet wird, macht man bei uns beides aus süsser Milch, und zwar die Butter durch Umrühren und den Käse durch Lab. Aus der Berechnung, die ich aufgestellt, finde ich, dass hierzulande die Milch weit mehr Fettstoff enthält, als in Litthauen; besonders gilt dieses von der Milch in .Galiläa, wo sehr viele und gute Weideplätze sich befinden. Wir assen Brod mit Butter und gedachten dabei der Engel bei Abraham, wie sich der gleiche Gebrauch jetzt noch bei gastfreundlichen Arabern vorfindet. Wenn nämlich ein Gast zu ihnen kommt, so bereitet die Hausfrau schnell aus Mehl (dessen Qualität sich nach jener des Gastes richtet) ungesäuerte Kuchen, legt sie auf zwei Schüsseln mit Butter und Honig dazwischen und präsentirt sie warm dem Gaste, welcher davon isst, bis er gesättigt ist, während der Hausherr und die Hausleute um ihn stehen, aber nichts anrühren, bis der Gast fertig ist. Dieser reicht dann dem Hausherrn die Schüssel, welcher ebenfalls davon vorkostet, dann den fiebrigen autwartet und den Best seinen Frauen übersendet. Seitdem Kaffee und Taback Mode geworden, beehren die Araber den Gast zuerst mit einer Tasse Kaffee und einer Pfeife. Für vornehme Gäste wird ein Schaf oder Kaweel geschlachtet, je nach ihrer Anzahl und Stellung; das Fleisch wird in Leis gekocht. Beim Speisen wird es Folgendermassen gehalten. Der Gast sitzt oben nnd die Gesellschaft, die ihm zu Ehren sich versammelt, nm ihn herum in einem Kreise. Man stellt alsdann die Schüssel vor den Gast, welcher einen Knochen mit Fleisch herausnimmt, ein wenig davon isst und ihn dann seinem Nachbar reicht, der gleichfalls isst nnd ihn weiter giebt, bis Alle gegessen haben. Dann erst stellt der Gast die Schüssel weiter von sich weg. und Alle greifen zu und essen. . Der Weg von Merön nach Safed ist sehr steinig und uneben, obwohl der Pascha seine Sorgfalt darauf wendet, gute Strassen T herzustellen. Um drei Bhr Nachmittags kamen wir nach Safed. Es war mir unmöglich, im Hause des gelehrten L Abraham Abo als Gast mich aufznhalten. Es wurdenmir nämlich so viele Schwierigkeiten gemacht, ich wurde von Tag zu Tage hingehalten, so dass ich in Safed aufgehalten wurde, ohne dass ich meine Forschungen nachWunsch vornehmen konnte. Mit Mühe gelang es mir, die Kolonien "ftbs&il TSD\, und "pn'T p?» zu besuchen, darum richtete ich mein Augenmerk nur auf die Stadt Safed; ich forschte aber nicht nach den Gräbern, denn ich will die Lebenden und nicht die Todten aufsuchen. Die Stadt Safed ist eine der schönsten Städte; sie ist ihres Namens würdig, denn N2L bedeutet Krone und Kranz. Diese Schönheit bezieht sich nicht auf die Weise ihrer Bauart, auf ihre Strassen und Plätze; denn diese sind im Gegentheile in äusserst schlechtem Zustande. Die Häuser sind niedrig, ärmlich, enge und hässlich, sie gleichen Steinhaufen auf dem Felde. Die Strassen und Plätze sind alle so voller Schmutz und Koth, dass man kaum durchgehen kann von Ordnung keine Spur. Aber trotz dieser durch Menschen herbeigeführte Verwahrlosung, hat die Natur sie mit aller Herrlichkeit geschmückt. f

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.