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Der Israelit · 1886-06-24 · Heft 50 (24.6.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 50 (24.6.1886)
Date
1886-06-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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TP^tf $nnn? -♦ ZeitrrsZssLchrrchLes tsnb CsrrefysrrVerLZerr. Deutschland. BerlLrr, 16. Juni. Die berüchtigte annftmitische VerlagsönchhandLung von Schutze Hierselbst, Welche auch das verfiopene Hetzblatt „Die Wahrheit" kolvortirre, isr ein gegangen. Tie genannte Buchhandlung war eine Hauptsäule der „Berliner Bewegung", in ihrem Berlage erschien die gcsammte antiseminsche Schandliteratur der Gegenwart. Ja, sa, die Tobten reiten schnell. Berlin, 13. Juni. Einen charakteristischen Zllg unseres Kronprinzen weist die Volkszeitung zu erzählen, und wir glauben um so weniger die Historie _ unseren Lesern vorenthaltcn zu' brauchen, als diese bis zur Stunde unwidersprochen geblieben ist. Es war bei der Enthüllungsseierlichkeit der Rcirerstatue Friedrich Wilhelm IV. Die Hülle war gefallen, die Weiherede gesprochen, und in lauten Tönen verkündeten weithin die Kirchenglockcn und Kanonen, daß auch der humane Friedensfürst cm chrenes Denkmal in der deutschen Residenz erhalten. Zur Linken des blumengeschmücktcn Platzes stand die katholische und prostetanrische Geistlichkeit, der Kronprinz trat zu den Herren näher heran und beehrte einen jeden mir eiuer Ansprache. Nachdem der.Kronprinz sich mit dem Probste Astmann freundschaftlich unterhalten, sprach er längere Zeit mit dem Oberhosprcdiger Dr. .Kögel. 'Sieben diesem stand im Talare Herr Stöcker. Als der Kronprinz den Hofpredigcr Kögel verliest, verneigte sich Herr Stöcker tief vor dem Fürsten, doch dieser schritt, ohne Herrn Stöcker zn beachten oder gar eines Wortes zu würdigen, weiter. Dieser Zug des Kronprinzen paßt vortrefflich zu seiner erst jüngst vor den Schranken des Gerichtes konstatincn Aeusternng über die antisemitische Bewegung. W. Berlin. Bei der hiesigen jüdischen Gemeinde finden in den verschiedenen amtlichen Organen derselben, Borbcrcittrngcn zur Feier des 76. Geburtstages des Gcmcindcälrcstcn und 1. Vorstehers der Beerdigungs-Anstalten u. s. w. n. s. w. Julius Meyer, Bicroriastraste 33, statt. Derselbe bekleidet bereits seit über 36 Jahren Ehrcnäniter bei gedachter Gemeinde, deren Wohlergehen er säst sein Leben gewidmet, har. Die Feier selbst findet am 13. Oktober d. I. statt. — Ebenso beeilen sich die Beamten bei der Beerdigungsanstalt gedachter Gemeinde den 70. Geburtstag ihres College» Julius Berkheim, der nunmehr 36 Jahre als Lcichenträger daselbst rhätig isr, festlich zu begehen. B., der auch heute noch rüstig seinen Dienst, durch Botengänge n. s. w. ausführt, hat seinen Ehrentag am 11. August d. Jahres. VT. Berlin. Ter Altversorgnngs-Anstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde ist durch Herrn Max Dab e rs ki hicrselbst ein Geschenk von 12000 Mark zu Theil geworden. Oesterr.-llngar. Monarchie. Prcran, 13. Juni. Zur Ergänzung Ihres Berichtes in 9fr. 46 von hier, aus der „Brünner Zeitung," bezüglich des, hier im Winter unter dem Verdachte eines rituellen Mordes, verschwundenen Mädchens, Marie Honnek, erlaube ich mir folgenden antcntischen Nachtrag. . TL H. war hier bei Herrn Oberlehrer Pollak, wohnhaft im Hause des Herrn Löw, Bahuhofftraße,- bedieuftet, und entfernte sich heimlich, unter Zurücklassung ihres Dienstbuches, nachdem sie einer Dienstvermiulcrin ein Tuch entlockte. Herr Oberlehrer Pollak deponiere das Dienstbuch sofort bei der k. k. Hauptmannschaft. Plötzlich wurde das Gerücht colportirt, M. H. sei im Keller des Hauses ermordet, und dort vergraben worden. Ein muffiger Pöbel zog drohend durch die Bahuhofstraste, und daß es nicht zu Ausschreitungen kam, ist das Verdienst der umsichtigen Stadt- und Gcrichtsvertretung hier, die durch ihre präzise Anordnungen und Vorkehrungen den Antisemiten imponirten. Jedoch M. H. blieb bis vor 3 Wochen verschollen trotz eifrigen Euchens. Plötzlich wurde M. H. anläßlich eines Diebstahls intcrnirt, und an das Kreisgericht Olmütz cmgeliefert; von dort wurde sie auf Verlangen des Herin Bezirksrichtcrs Jirikooski hiehergeschickt, um vorerst wegen Falschmeldung hier eine mehrtägige. Arreststrafc abzubüßcn, nach deren Verlaus sie vorige Woche wieder die nnftciwittige Reise nach Olmütz vornehmen mußte. Vornrthcilsfrcie Richter, wie wir Gottlob hier haben, bewähren das schöne Wort unserer -vir,.

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