Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1886)
- Date
- 1886-06-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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? * « i l I * t ft Wichaek. vss L. Loh», Berfssser vs» Gabriel. (Fortsetzung.) - „Sidjfr Tu, mein liebes Herz," ergriff Aron wieder dos Wort, „als mich Tein guter oder jähzorniger Barer von seiner Schwelle stieß: als cs mir schien, daß das Glück, welches ich eine kurze Zeit erhofft Hane, nun für ewig, unwiderbringlich verloren sei, als ich fürchtete, Lu, eine trefftiche, gehorsame Tochter, würdest dem heftigen Anstürme Deiner Eltern nicht Widerstand leisten können, — als ich fürchtete, ich wäre von Neuem heimathlos, der Mann, den ich als zweiten Vater geliebt, und der sich jetzt mit feindseliger Verachtung von mir abwandtc, fei wem Todfeind geworden; — als ich wieder ganz allcinstand. und wieder nicht wußte, wohin ich meinen Fuß wenden sollte; als ich in einer Stunde aus einem glücklichen, zufticdcucu Menschen, ein unglücklicher, verzweifelnder geworden: — da fühlte ich mich so unaussprechlich elend, daß ich auf dieser irdischen Welt nie uiehr froh zu werden glaubte.und doch, und doch war ich's spater geworden! ..... Schon .als ich erfuhr, daß Tn mir treu geblieben, als Du mir verstohlen hinter Deines Vaters Rücken ein Briefchen sandtest und mir schriebst: Du würdest Dich nie einem Anderen vermählen, würdest mir, auch wenn wir nie vereint würden, ewige Treue bewahren, that . nur dies wohl, richtete meine gebeugte Seele auf, ich fühlte nrich einen Moment glücklich! „Tein Brief Hane mich in Nikolsburg erreicht. Ich lebte dort im Hanse des reichen Ned Koppel Austerlitz. Ich unterrichtete dessen zwei Söhne, welche den Schiur*) der mährischen Landesrabbiner-) zuerst jenen Reb Gcrschom Pnlitz, dann jenen Reb Schmucl Schmelkcs, sichronom liwrocho 3) besuchten. Da sie denselben nicht immer vollständig anszufapen vermochten, mußte ich sic zu diesem begleiten und fand hierdurch Gelegenheit, meine talmndischen Kenntnisse zu erweitern. In meinen freien Stunden war ich Reb Koppel in seinem ausgebreitcten Geschäfte behilflich und führte die starke Eorrespbndenz und die Bücher. Da in dem Hause meines Dieufthcrrn für alle meine Bedürfnisse reichlich gesorgt wurde und ich überdies noch ein großes Gehalt bezog, war es mir, trotzdem ich einen Theil meiner Ein- 1) Tit Talmudvonräge. *2) Tiesr harren ihren Lid in Ailolüburg. :•$) Ihr Andcntrn fei gksrgrirl. Wnd von Bmrorbrmn. gesagt. ' fünfte ZU Gunsten meines altern, stummen uad Llödsinnigeu Bruders verwendete, doch möglich geworden, ein kleines Kapital zu ersparen. — Plötzlich traf Deinen armen Vater ein harter, unerwarteter Schlag. Ec hatte in feinem Geschäfte unverschuldet große Verluste erlitten. Er hatte noch um etwas mehr als fein ganzes großes, eigenes Vermögen verloren, so daß er befürchten mußte, feinen Gläubigern einen, wenn auch nur verhältnißmäßig kleinen Rest nicht zahlen zu können, und dieser Umstand war ß, der Deinen ehrliebendcn. redlichen Vater noch weit mehr als seine plötzliche Verarmung schmerzte. Als ich erfuhr, daß Du nicht nichr die Tochter eines reichen Mannes warst, daß Dein Vater mir nicht mehr vorwerfen konnte: ich würde um Dich um Deines Reichthums willen, fühlte ich mich glücklich. Ich bat Reb Koppel Austerlitz, mich sofort zu entlassen, ich konnte es vor Ungeduld nicht erwarten zu Euch zu eilen, ich lief zu Fuß zu Euch. Als ich Deinen Vater, arm, vom Unglück gebeugt, wiedcrsah, war der letzte Groll, den ich gegen ihn hegte, verschwunden. Ich erklärte ihm: daß ich alles, was ich wäre und besäße, nur ihm, der sich des armen Waisenknaben väterlich angenommen, schulde, daß ich das Wenige, was ich durch meine Kelmtnisse in Reb Kopel Austerlitz Hause erworben, nur ihm verdanke und bat ihn flehcndlichst meine Ersparnisse, wenigstens als Darlehen anzunehmen. „Dein Vater war gerührt, erschüttert, er sträubte sich zuerst, mein Opfer anzunehmen, aber er mußte endlich doch meinen Bitten nachgeben, und er gestand mir sein, tiefes Bedauern, mich verkannt, mir Unrecht getyan zu haben. Mein kleines Vermögen genügte, allen seinen Verpflichtungen gerecht zu werden. — Ich hätte ihm die Hilfe gebracht, die der tiefgebeugte Mann vergeblich von seinen reichen, ftühcren Freunden zu erlangen versucht hatte. Er wollte sich nun nicht länger unserer Verbindung cntgegenftellcn. Das Unglück, das ihn betroffen, schien sich für uns, für Dich und mich zum Glück zu wenden .... Verzeihe, Sara, daß ich. Dir Bekanntes umständlich wiederhole; aber ich wollte Dir nur beweisen, daß man nie verzweifeln soll; daß nach schwerem Unglück, nach der Befürchtung, nie mehr glücklich werden zu können, sich durch Gottes Gnade noch Alles zum Guten wenden kann." Wir haben es schon gesagt, durch ihres Gatten beredte Worte in die Erinnerungen ihres Vorlebens versenkt, war Sara's bitterer Schmerz um das verlorene Kind, einen Moment gefänftet worden, aber jetzt erstand dieser wieder mit neuer Kraft. Ihre Ingen feuchteten sich von Neuem, sic konnte nicht sprechen, nur wehmüthig den Kopf schütteln. r. ' " , - -= ■.'■•4. ■* -