Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1886)
- Date
- 1886-08-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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♦ Leitender Artikel. Israel' auf der Wanderschaft. Betrachtungen und Rathschläge. Lon Dr. tf. ')t. ('ormaim.l) III. Beachtet man die Gegenüberstellung der Länder, die ich im vorigen Aufsatz gegeben und die Grundsätze, die bei der Wohnortveränderung, speziell von Israeliten, meiner Meinung nach eingchalten werden sollten, so ergeben sich für die praktische Anwendung folgende Regeln: 1. Rumänische Israeliten gehen am richtigsten nach allen Ländern lateinischen Ursprunges, also in Europa: Belgien (3000 Israeliten bei r»1/, Mill. Gesammteinwohnerzahl), Italien (46,700, nach Anderen nur 36,289 bei 28'/« Mill. G.-E.), Frankreich (70,000 [60,000} bei 37 Mill. G.-E.) und, wer will: Spanien (402 [1900} bei 16'/« Mill. G.-E.) In Amerika: die spanisch und französisch redenden und lebenden Staaten der Union (Bereinigte Staaten: 250,000 Jsr. bei 50 Mill. G.-E. in allen, auch englischen Staaten, des Bundes) und von Mexiko angefangen, das gesammte M i t t c l- und Süd-Amerika, aus dem Kaiscrthum Brasilien und den unzähligen Republiken bestehend, alles in Allem 50,000 Israeliten bei 50 Millionen Ges.-Einwohn.) — - Alle diese Staaten sind einer Abstammung, eines Ursprunges, eines Charakters, haben dieselben angeborenen Lebensauschauungen, der rumänischen sehr ähnliche Sprachen — zum Berkehr erstes Erforderniß. Auch setzen sie ihre Force dann, sich gegenseitig zu kopiren, wie ja auch Rumänien alles Französische und Rumänische nachniacht und _ sich _ „das Belgien des Orients" nennt. Tics wissen die rumänischen Israeliten. Alle diese Länder sind bestrebt, eine Einwanderung in jeder Weife zu fördern und würden sie gern ausnchmen. 2. Russische Auswanderer gehen am natür-, lichsten nach dem asiatischen Rußland (Kankasien, Tnrkestan (47.000 [38000} Jsr. bei 13,000,000 Gesammteiuwohner), wo sie nicht nur „zu Hanse" *) Unser CorrespvNderrt für Rumänien. **) Scytere freilich soweit Klima und 1?esunddeirsverbältuiffc eine Niederlassung von Europäern gestatten. bleiben, sondern auch dieselben Reihte genießen, wie alle anderen Burger im europäischen Rußland. Sie können ferner nach dein verwalidten Bulgarien und nach den slawischen Ländern des europäischcn Orients gehen (Serbien 3ll>2 Jsr. bei l,7oo,ooo G.-E., Montenegro, Bosnien und Herzogvwiira rc.) 3. Oesterreichische (Galizische) Israeliten würden am besten thun, die von ihnen in der schweren Anzahl voll 638,000, bewohnte Provinz durch starke Auswanderung zum eigenen und zum Bortyeil der Znrückbleibcndcn zu entlasten. Anstatt sich jedoch nach Ober-Ungarn zu wenden, wie man uenestens von Manchen hört, wäre es viel richtiger sich in den übrigen slawischen Staaten Oesterreichs zu vertheilcn: Kroatien, Dalmatien, Slawonien, Jllriricn, wo sie besser Hineinpassen und wo die israelitische Bevölkerung sehr dünn ist, stellenweise gar nicht vorhanden zu sein scheint. Auch die „Galizier" könnten nach den Balkan- oder Hämusländern gehen, wie die „Russen;" derjenige Theil aber unter den Angehörigen beider Länder, welcher auch zu Hanse mit Ackerbau sich beschäftigt, ohne indeß diesbezügliches Eigenthmn zu besitzen, thnt am besten, sich nach Englisch-Amcrika (Kanada, bezw. Bereinigten Staaten) zu begeben. 4. Deutsch-israelitische Auswanderer, worunter ich Oftpreußische und bezw. assimilirte russische ans Preußen Ansgewiesene verstehe, gehen wohl am besten nach England (60,000) [46000} Jsr. bei 35-/3 Milt. G.-E.), nach den englisch-sprechenden Theilen Anierira's (Kanada 2394 'Israeliten bei 4'/« Mill. G.-E., Bereinigten Staaten 250,000 bei 50'Mill. G.-E.) und nach dem überseeischen Besitz Englands, wie Australien (10,000 Jsr. bei 4,500,000 G.-E.) u. s. w. Es ist klar, daß da die israelitischen Auswanderer aller Länder zu einem Theil Handwerker, meistens aber Händler sind, so können sie ihre Wohnorte nicht mit der Bornahme wechseln, um. in der neuen Heimat!) Ackerbau zu treiben und zu diesem Zweck das flache Land auszusuchen, sondern in der ersten Reihe, um den Handel oder, das Handwerk, was sie bis dahin getrieben, auch in der' neuen Niederlassung ansznnben. Hierzu aber bedürfen sie der schon bevölkerten Ltädte und sie müssen, — was sie auf menschenleeren Feldern nicht nötlsig hätten — solche Orte suchen, wo Lebensanschauungen und Sprache ihren bisherigen entsprechen oder am