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Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 26)
Language
German
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LanpreLe llnliril in Bcrrets -er arÄseminschen Bewegung gefällt habe. Wenn der Verrrcrcr des NeLenklägcrs diese Lcwciscrgcdnissc ale unerheblich hiustclltc, well Seine kaiserliche Hoben die enwcuürnche Bewegung gerade!!, während der Angeklagte behauptet habe, die vernnheilende Aeußcrnng habe sich gegen die Slöckcr'schc Bewegung gerichrcr, — so konnte einer solchen Unterscheidung nicht zugemmmt werden. Tenn die ßntiicininsche B cwegung, wögen auch nachträglich in ihr andere Führer ausgetreten oder hiuzugerrcren sei, ist doch ger ich tsbck an uterin aßen haupksächlich v o n d c m H o s vr e d i g er Stöcker veranlaßt, so das; der Angeklagte mir Recht die gegen die antisemitische Bewegung gerichtete Acußeruug Seiner kaiserlichen Hoheit auf die von dein Hofprediger Stöcker veranlaßie Bewegung beziehen komue. In der Form der Behauptung konnte auch hier das Borhandenscin einer Beleidigung nicht gesunden werden und war ^dahcr die Strafbarkeit des Angeklagten ausgeschlossen." Ocftcrr. - Ungar. Monarchie. Prag. 3. Juni. Tie geistlichen Benrcter des Rcformjudemhums rühmen 'ich dckanmlich vornehmlich dessen, daß sie für die Bcdürsnisie der Zeit rin scharfes Auge und einen gciuuden Sinn haben. Wahrscheinlich hängt cs also mit diesen: sclbstgerühntten gesunden Sinn für die Bedürfnisse des Tages zusammen, daß die Theologen der eines jüdischen BiarrcS in der Residenz Wien. das Schreiben am Samstag rum 'Gegenstand wissenschaftlicher (?) kontroversen machen. Man braucht wahrlich nicht erst Talmudist oder jüdischer Theologe zu sein, um das Lächerliche einer solchen kontroverse sofort einzuschen. Es bedarf dazu nur jenes gefunden Sinnes für die Bedürfnisse des Tages, dessen sich die Reformer rühmen, den sie aber nicht besitzen. fehlt den Reformern aber noch mehr, tzogit und Eewisien. Wenn ich Jemand eines religiösen Gebotes oder der Einhaltung eines solchen Berborcs entheben will, von dem setze ich voraus, daß es ihm heilig ist. Ist cs ihm nicht heilig oder bindend, so wird er, wie die Thatsachcn ossenlundig zeigen, ünbelümmert um lhcologische Wohlmcimurgen nach seinem o.'mbüuten handeln. Für ihn ist eben das jüdische Ersetz nicht da, um wieviel weniger die wissenschaftliche Theologie. Solchen aber, denen das jüdische Ersetz heilig ist, durch eine sovhistischc Theologie das Bcrborene zum Erlaubten oder Eeborcncn macbeu, ist gewissenlos, unehrlich, unjüdlsch. Wem das Ersetz, weil es von Evtl gegeben, bindend ist, der wird in seinen religiösen «Grundsätzen durch die Theologie der Reformer kaum jchwaillend werden. Aber tnan bedenke, das; die große Menge der Halbironnncn, die von Hans ans hin- und herscbwankt, leicht irregrlcilel wirb. Man weist ans die theologische Autorität hin und beschwichtigt fein Erwrsscn. Tazu aber die Hemdh'be za K«or, ist gewisiculos. Wenn jene ^rfairar und «Eewisicnrödwr m da wenig in sich grngoe, was sie bekaaar-!:ch mir hohlem Parbos in sabr-mlichcn Rd«r t®a der gläubigen E cm rinde verlangen, so müßten sie alle sammr and sonders den Talar mir dem Scüonrvck vcrranschrn, die Kanzel mir dem Wirchshans. Tenn sie hält nichts an das IudrntLum als das bischen Predige» und das viel EüS Bcrdiencn. Taß sie den einzig csasccmcnrcn Schrirr nichr wagen, charakrerrsirr am denen die Eewisienlosigkeu dieser Herrerr. Tdcr wenn sie das nichr rhua. so sollten sie wenigstens offen au irreren und das ganze jüdische Ersetz als. nichr mehr girng erklären, nichr aber, wie cs „Xie IleuzciE chrrr, den jüdischen SchuUrndcrn das Schreiben am Sabbat genauen. Warum nicht auch den jüdischen Haudluugsbcstisieucn und Kau st euren und Handwerkern das ganze Sadbargcbor und sonstige Ritual- Ersetz erleichtern V Wo ist da die Logik, die auch der Theologie, wenn sie wisicnschasrlich sein soll, nicht fehlen darf? Tie Resonncr dünken sich liberal, sie sind es aber nicht. Welcher liberale Mensch kann cs ruhig gewähren lassen, wenn die Staatsgewalt die Eewisien einschüchlcrn will. Ter vielbesprochene Erlaß des Ungarischen Umerrichrsministers in Sachen des Schreibens am Sabbat will das. Und die liberalen Theologen der „Neuzeit" leisten Handlangerdienste dazu, sic. die der Ecwisicnsfrcihcit das Wort reden sollten. Wo bleibt mit einem Male der gesunde Sinn dieser Leute? Man weiß wahrhaftig nichr, ob sie mehr gewissenlos oder dumm sind. Mögen sie nur weiter wühlersi'das gesetzeslreireIridenrhum wirrrkeinen Schaden nehmen, aber der Boden, auf dem sie stehen, wird gelockert, und daun nrögcu sie ruschen, wie er ihnen rnner den Lüsten schwindet. Tann kommt auch der letzte Tag für jene Theologen ohne Logik, für jene Seelsorger, die selber kein Eewisien haben. Rach dem «besagten kann cs weiter nicht Wunder nehmen, wenn in der letzten Nummer der „Neuzeit" der bekannte Materialist L. Büchner über die Indensrage contra Hertmann sich äußert und den Borschlag macht: Tie Juden mögen alles Religiöse. alles Jüdische abstreisen, wozu die ehrw. „Neuzeit" kein Wort der Bemerkung har. Ist Stillschweigen hier identisch mir. Eurheißcn, so wäre es doch wahrlich mannhafter, wenn der Theologe der „Neuzeit" statt sich mit dem Namen eines Materialisten zu schützen, offen Farbe bekennen würde. Unseren Lesern aber mögen diese Thalsachen als Beitrag zur Eharaktcristik des Reform-Iudenchums dienen. —r— M a r o c c o. In Fcz sind am 23. Mai Ausschreitungen (jenen die Juden vorgekommen; mehrere derselben wurden verwundet. Tie Behörden sind znm ersten Mal energisch zum Schuye der Juden ausgetreten.

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