Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449645--24465-2514218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXV1L Zahrgiwg. XXV1L Zahrgiwg. Zeilvagsnachrichten mtb Correspouderrzeu. Dentschland. Heidelberg, 4. Juni. Tie in einer der jüngsten Nummern Ihres geschätzten Blattes enthaltene Noli',, nach welcher Tr. Schwenuinger seinen Curgästen nur sclches Fleisch vorsepen läßt, das von rituell geschlachtetem Bich entnommen — beruht nach cingeholrer Znformatton beim hiesigen cmr auf einem Irrthum. W. Berlin. Ein Kaufmann Michaelis hat der hiesigen jüdischen Gemeinde seinen Austritt aus dem Iudenrhum angezcigt. Derselbe wird eine Dame christlichen Glaubens heirathen, die die Ehe mit ihm nicht eher cingchcn wollte, bis er diesen Schritt gethan. Dagegen ist der Behörde desHaidcreutergaUcn-Tempels absolut nichts davon bcka n n t, daß vor einigen Jagen, wie hiesige Blätter melden, in dem Tempel der Haidereutergaye, an einem 27jährigen Kaufmann Namens Michaelis der rituelle Alt behufsllcberttitt zum mosaischen Glauben vollzogen worden sei. Lstör zu einer Jüdin, bemerken die Blätter weiter, soll denselben veranlaßt haben, den Glauben zu wechseln. — A bsolut unwahr ist überhaupt, daß der rituelle Akt (die Bcschneidnng) in einem derartigen Falle je in einer Synagoge vorgcnommen wird. Derselbe wird in einer Heilanstalt, oder im Hause des Betreffenden in Gegenwart von Aerzten vollzogen. — Auch ein jüdischer Referendar Namens Cohn ist, aus Liebe zu einer Christin, vor kurzer Zeit zum Christenthum übcrgettcten. Dresden, 5. Juni. Ter Vorsitzende des hiesigen Deutschen Neformvereins und Präses der Deutschen Nesormvcreine, Pinkert-Waldcgg, erklärt in der antisemitischen „Deutschen Reform," dem Centralorgan der deutschen Neformbewegung, daß. er seine Zahlungen cinstelle und daß das Blatt aushören werde zu erscheinen. Oestcrr.-Nngar.Monarchie. Budapest. Die Statuten der neu zu creirenden resormirtcu israelitischen Gemeinde sollen — wie ein hiesiges Blatt wissen will — vom kön. ung. Kultusminister bereits genehmigt sein. . Blos die Führung der Matrikel ist der Pesthcr isracl. Neligionsgemcinde Vorbehalten. — Unter dem viel-! versprechenden Titel „Aurora" hat sich hier eine! Gesellschaft gebildet, welche neben der literarischen Thängkeit, die sie entfalten sollte, auch antisemitische Zwecke verfolgte. Zu diesem Behuse dursten nur Christen als Mitglieder ausgenommen werden. Nu» har aber der Minister des Innern die Statuten dieses löblichen Vereins nicht gestattet und damit hat auch , diese ehrenwerthe Körperschaft aufgehört zu sein. Die Gründer dieses Vereines wollen nun eine Verlagsgcscllschaft ins Leben rufen. F e it i 1 1 c t o tu pir Juden u. das Iudenviertel in Amsterdam?! Vergangenheit und Gegenwart. Amsterdam, im Juni. Unter den Merkwürdigkeiten, welche sich der Amsterdam besuchende Fremde anzusehen pflegt, ist der Stadtthcil, in welchem die jüdische Bevölkerung dicht aufeinander gedrängt wohnt, sicher keine der letzten: denn nicht nur der cigcnthümliche Charakter der Straßen, sondern in noch viel höherem Grade die äußere Erscheinung der dieselben bewohnenden Bevölkerung wie deren ganzes Thun und Treiben üben einen ungewöhnlichen Reiz ans Neugierde und Interesse aus. Das Wort „Judenviertcl" ist aber nicht in dem Sinne aufzufassen, als ob die jüdische Bevölkerung Amsterdams in früherer Zeit ebenso, wie in vielen deutschen Städten, gesetzlich und zwangsweise in ein Ghetto zusammengedrängt worden wäre, dessen Schranken theilweise erst seit einem Menschenalter gefallen sind. Seit der Zeit, in der überhaupt Inden hier gewohnt haben, konnten sie thatsächlich nach freiem Ermen eu wohnen, wo sie wollten. Es waren vorherrschend Ursachen gesellschaftlicher und geschichtlicher Art, welche jenem Stadttheile das merkwürdige Gepräge aufgedrückt haben, welches derselbe heute noch in ziemlich unverfälschter Weise trägt. Unter Karl V. waren nur wenige Juden in den Niederlanden, denn durch verschiedene Bekanntmachungen des Kaisers war ihnen der Aufenthalt in denselben untersagt und die Inquisition verbrannte mit unparteiischem Fanatismus Protestanten wie Juden. Dieses gemeinschaftliche Leide» führte zu gegenseitiger Sympathie, man darf beinahe sagen, zur Freundschaft, und die Calvinisten- Reformatoren behandelten die Inden mit einem Wohlwollen, das einen merkwürdigen Gegensav z» ') Nach der „Jtöln. Zlg.*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.