Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1886)
- Date
- 1886-06-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXviL Jahrgang. jt Leitender Artikel. «Literarischer Wericht. Diwan des Abraham Jbn Esra mit seiner Mcgorie Hai den Mekiz. Zum ersten Male aus der einzigen Handschr. mit erläuternden Anmerkungen herausgcgeben von Dr. Icreob Egers. Berlin 1886. Eommisffonsverlag: I Kauffmann ln Frankfurt a. M. Ladenpreis 4 M. 80 Pf. 8. Der siebenzigste Geburtstag Dr. Mor. Steinschneiders ist die äußere Ecranlaffung der Herausgabe des vorliegenden Werkes, und die Festgabe des Herrn Egers wird der Jubelgreis gewiß als eine der schönsten und sinnigsten anschen, die ihm an dem Tage, welcher ihm von allen Seiten Huldigungen brachte, überreicht wurden. Ter schon für verloren geglaubte Diwan des Jbn Esra ist jetzt wieder in die Erscheinung getreten und hat an Tr. Egers einen gewiffcnhaften und sorgfältigen Herausgeber gefunden. Seit 1881 ist die Kgl. Bibliothek in Berlin im Besitze des werthvollen Mannscripts, das aus Uemen stammt und auf Betreiben Dr. Steinschneiders angekauft wurde. Die Handschrift stammt aus dem 15. Jahrh. und ist vom Sammler mit arabisch geschriebenen Einleitungen, welche Dr. Kaufmann in Pefth ins Deutsche übertrug, versehen. Wenn auch der vorliegende Diwan nicht vollständig ist, denn es fehlen einige Blätter, so bietet doch, abgesehen von der Allegorie Hai ben Mekiz, die Sammlung die stattliche Anzahl von 260 Nummern. Vorwiegend sind es Gedichte religiösen Inhalts, doch finden auch Humor und Laune ihre Vertreter. Vor allem tritt uns in dieser Sammlung der sprachgewandte Meister entgegen, der in vollen Accorden die Gefühle austönen läßt, die sein Herz bewegen. Wir gewinnen einen tiefen Blick in das Seelenleben dieses vom Schicksal umhergetriebenen, rastlos durch die Welt wandernden Mannes. Herr Dr. Kaufmann mag wohl nicht Unrecht haben, wenn ihm, wie er in einem Briefe an den Herausgeber schreibt, zwei der vorliegenden Gedichte einen Grund für das unstete Leben Jbn Esra's erkennen lasten. Bekanntlich begegnete ihm das Unglück, daß sein Sohn Isaak zum Islam übertrat. In Nr. 203 und 205 tritt uns der tiefe Schmerz in seiner ganzen Größe, der den Vater packte, als er diese Trauerbotschaft erhielt, entgegen; wem die Thräncn sich nicht in die Augen drängen, wenn er diese beiden Gedichte, die den Abfall des Sohnes bejammern, liest,;» denen jede Zeile erkennen läßt, wie das gramdnrchwühlte Herz sich Luft zu schaffen bestrebt ist, der kann nicht weinen. — Besonders anziehend ist eine Reihe vor Räthselaufgabcn, deren Lösung auch dann noch schwierig bleibt, wenn sie auch angegeben ist, da dann noch immer die Aufgabe bleibt zu finden, wieso die treffende Lösung in den Räthselworten. enthalten sei. Viele derselben hat Herr Dr. Kaufmann mit Glück gelöst und zwar auch solche, bei denen das betreffende Wort nicht gegeben ist; es war dies nichts Leichtes und erforderte vielen Aufwand von Scharfsinn und Mühe. Bei manchen kann uns zwar die Lösung nicht beftiedigen, doch müffen wir sie in Ermangelung eines Bessern vorläufig acceptiren. Wir haben hier die Nr. 40, 41, 42 im Auge. Einige sind ganz übergangen. . So könnte hier für Nr. 39 als Lösung crrox nachgetragen werden. Das Räthsel lautet: . in’3 ^x inxon px irmro n>d ivo x^s .imnjo o’ff iwwtbdi m mnw roxo trän rmx lmwna x’t's Buchstabe ^-x zuerst, dann bringe ihn zum n'v'3, nachher 500 gleich dem Buchstabenwcrthe des Buchstaben Resch uls^'3 geschrieben, nachher 6 gleich dem Buchstabenwerth des He, geschrieben xn und dann 80, Buchstabenwerth des Mem, geschrieben: cra. Danach ist dann auch die Notiz zu Nr. 38 zu ergänzen; denn hier ist erwiesen, daß Jbn Esra für den Buchstabennamen des auch die Schreibung tin hat. Ob Nr. 38 statt pi besser pi zu lesen sei, wie die Notiz meint, mag dahingestellt bleiben; es ist denkbar, daß der Verf. anspielend auf die erste Silbe des Näthselwortes D*n: absichtlich *,n und zwar transitiv „lagere es dahin," „setze es daneben" gebraucht hat. lieber die Allegorie Hai ben Mekiz hat Dr. Steinschneider selbst dem Buche eine werthvolle „Mittheilimg" beigesügt, welche das Berhältniß dieses Stückes zu Avicenna's Hai ben Jaktsan beleuchtet, wofür die Gclehrtcnwelt ihm gewiß Dank wissen wird. Die Aufnahme dieses Stückes in den Diwan beseitigt einen großen Theil der Zweifel, die man früher gegen die Autorschrift Jbn ESra's hegte.