Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1886)
- Date
- 1886-06-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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790 In Europa sind folgende Religionen vertreten: Taufend %■ Römische Katholiken incL arnrenische, griechisch unirte 155,900 (47.26) Alrkatholiken 140 ( 0,04) Evangelische, Lutherische, unierte und anglikanische Kirche 73,120 (22,16) Protest. Dissidenten 2,700 ( 0,82) Methodisten 3,510 ( 1,07) Unitarische (socinianische Kirche) 120 ( 0,64) Gnechisch-orientalische Kirche 81,510 (24,21) Israeliten 5,984 ( 1,82) . Mohamedaner 6,445 ( 1,85) Andere Konfessionslose 447 ( 0.10) 329,876 (99,97) Dresden, 1. Juni. Die Nachricht der „Dresdner Ztg.", wonach bei den nächsten sächsischen Herbstinanovern die Mannschaften sich zur Probe mehrere Tage hindurch nur mit Mehl und Konserven ernähren sollten und eine besondere Verfügung ergangen sei, Israeliten als Lieferanten nicht anzunehmen, wird zu unserer Freude von dem „Hann. Cour." nach einer bei der maßgebenden Behörde eingezogcncn Erkundigung dementirt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Brünn. Das hiesige halbamtliche Blatt erhielt folgende Mitthcilung aus Prerau: Vor etwa vier Monaten verschwand ein christliches Dienstmädchen, Namens Josephine Hlonschek, aus Prerau, und deren Dienftgcbcr, der israelitische Lehrer Pollak, wurde vom Pöbel beschuldigt, die Hlonschek im Keller ermordet zu haben, weßhalb seinerzeit vor der Wohnung Pollal's Zusammenrottungen siattsanden. Einige Personen wollten sogar die Leiche der Hlonschek im Keller gesehen haben. Trotz energischer Nachforschungen blieb das Mädchen verschollen, bis am 30. Mai das Bezirksgericht Prerau vom Olmntzcr Bezirksgerichte verständigt wmde, daß die Hlonschek in Olmütz wegen Diebstahls verhaftet sei. Ruß l a n d. Odessa, 26. Mai. Der „Israelit" hat cs zwar nicht in sein Programm anfgenonunen, hie und da auch das Organ der ftarai'tcn (c*>np) zu fein, aber nichtsdestoweniger rechne ich darauf, daß derselbe mir diesmal bereitwilligst seine Spalten öffnen und einen Bericht über den Besuch, den vor wenigen Tagen erst das russische Kaiserpaar in Begleitung seines ältesten Sohnes, des. Czarowitsch nnb vieler Hoswürdentrüger, der vcrnhniten Karmtengememde za Bakrschi-Saraj in der Kriumr abgcstatier hat. veröffentlichen wird. Auf der Rückreise von der Krimm, wo die kaiserliche Familie in ihrem Herrlichen Schlone zu Livadia den Frühling verbracht hatte, traf dieselbe, Sonntag, den 16. d. Mts., 4 Uhr Nachmittags, mit der Eisenbahn in Battschi-Saraj. das bekanntlich früher die Residenz des türkisch-tatarischen Khanats Klimm war, ein, und wurde sie im Bahnhöfe von einer Deputation der Stadt und eines solchen der dortigen Karauengemcinde feierlichstbegrüßt. Die Deputation der Karaffen *) bestand aus folgenden Herren: dem Chachanl Pampulow. dem Staatsrathe Kaßas, den Grmldbcsiyern Kescli und Tugur und Kaufleuten Prick und Esed Maitop. Chacham Pampulow hielt nun eine russische Ansprache an den Ezarcn, in der er die besondere Ergebenheit seiner Gemeinde gegen den Ezar und das Vaterland**) hcrvorhob. Der Ezar dankte dann mit einigen verbindlichen Worten, worauf er von dem ihm von zwei Mitgliedern der Deputation auf einer silberne» Schüssel überreichten Brod und Salz ein wenig kostete. Ihre Majestäten sammt dem Czarowitsch hielten dann unter km Jubel der Bevölkerung ihren Einzug in der Stadt, wo sie sogleich dem ehemaligen Palast der Ärim'schen Khane und dann auch einige Kirchen und Klöster besichtigten. Hieraus bestiegen sie die bereit gehaltenen Pferde und begaben sich nach der Festung, die Tschufut Kakeh (Josaphat-Kastell) benannt und fast ausschließlich von Karaffen bewohnt wird. Am Thore der Festung wurden die hohen Besucher nun von einer Deputation der Gemeinde. feierlichst empfangen und durch verschiedene Gasse geleitet, um die historischen Monumente daselbst in Augenschein zu nehmen. Hierauf begaben sie sich in die festlich geschmückte Synagoge, an deren Pforte sie vom Synagogeuvorstande begrüßt und zn den für sie bestimmten Ehrensitzen geführt wurden. Ehacham Pampulow trat dann vor die Buudeslade hin, öffnete dieselbe und trug mit lauter Stimme ein Gebet in hebräischer Spreche für den Czaren und die ganze kaiserliche'Familie vor. Von der Synagoge begaben sich Ihre Majestäten mit dem Ezarowitsch nach dem jüdischen Gemeindehanfe, *) Die .Uaraitcn sind bekanntlich in Rußland alL hohe Anerkennung dafür» das, sie die " (mündliche Lehre/ verwerten und sich nur an das cinsachc B.rorl der Bibel Hallen, mit der übrigen Bevölkerung gleichgestellt und können sie daher auch die höchsten Ohrcnstellen und ,Ltaatsämrkr erlangen. **) Auch die lalnutdifchrn Inden find, trovdrm sie auch die müitdliche Lehre Hochhalten, gute und lovale Nuterlhanen. '.'tum. d. Yorrejpondkulrn.