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Der Israelit · 1886-05-27 · Heft 42 (27.5.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 42 (27.5.1886)
Date
1886-05-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVLZcchiZWg. Zraelit. Lerteader Artikel. Literarischer Bericht. B. Straßburger (Lehrer in Buchen), Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten. Von Vortalmudischer Zeit bis auf die Gegenwart. Stuttgart, LevyundMüller 1885. 9 Lief, ä 50 Psg. W. Von diesem Werke haben wir beim Erscheinen der ersten Lieferungen eine Besprechung in diesen Blattern gebracht. Da das Buch nunmehr vollendet vorliegt und bereits in vielen pädagogischen Zeitschriften aufs wärmste empfohlen wurde, so dürfte eine Besprechung in diesen Blättern, welche das isr. Schulwesen stets zu fördern und zu heben suchen, für die Leser von Interesse sein. Das Werk verdient die allgemeinste Beachtung im vollsten Maße; die Geschichte zeichnet sichdurch ungemeine Belesenheit und Gründlichkeit, objektive Haltung und eine edle, bescheidene Sprache vor ihresgleichen aus. Sie reicht von der biblischen Zeit bis auf die Gegenwart und trägt an der Spitze das Motto: rrnn **sn jrso » ir&wrD "Qu. „Von Zion wird ausgehen die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem." Der erste Theil umfaßt die v o rta l m u d i sch e Z e it, und hier schildert der Verfasser, wie die Existenz Israels in feiner Lehre, seiner Schule ruht. Der religiöse Geist, der den jüdischen Stanlm durch Jahrtausende erhielt, prägt sich vor allem in der Geschichte seines Eiziehungsrvesens aus. Die Geschichte der jüdischen Schule geht bis aus das graueste Alterthum, bis zu den ersten Anfängen des Judenthums zunick, sie verläßt es nicht durch alle Wanderungen seines wcchsclvollen Lebens. Die eigentliche Volkserzichung wird schon in der Bibel dokumentirt, allgemeines Schreiben- und Leseukönnen galt bei den alten Hebräern als etwas Selbstverständliches. Es gab in biblischer Zeit einen besonderen Schreiberstand. In den Prophetenschulcn wurde Religion, Dichtkunst und Gesang gepflegt. Schon frühe wurde der junge Jsraelitc in sein Gesetz eingeweiht, dasselbe war das Erbgut der Gemeinde Jakobs. In Alexandria gab es später unter der dortigen zahlreichen jüdischen Bevölkerung auch noch eine höhere Geistesbildung. die jüdische alexandrianische Gelehrsamkeit, als deren Vertreter der Philosoph Philo galt, der t ans angesehener Familie entstammt, mit der pla- « tonischen Philosophie, sehr vertraut und voller Begeisterung für das Judenthum war. Doch erst der Hohepriester Josua den Gamla 63 n. d.g. Z. sorgte wenige Jahre vor Auflösung des jüdischen Staates für Einführung der Schulen. Nach der Zerstörung Jerusalems übernahm Jochanan den Sackai die Leitung derselben und die Schulen richteten ihre ganze Aufmerksamkeit auf Verbreitung tüchtiger Geseveskenntniß. Nun beginnt die talmudische Zeit. Diese schildert der Verfasser recht ausführlich und führt alle pädagogischen und didaktischen Aussprüche in Mischnah und Talmud an, größrentbeils auch im Urtext. Der dritte Theil des Werks behandelt die nachtalmudische Periode. Nach Abfassung des Talmuds bildete dieser den Gegenstand des Studiums in den Mittel- und Hochschulen. Die Verpflichtung zum Studium des Hebräischen rettete die Juden vor Versumpfung. Tausendfach geknechtet wahrte sich der Stamm im Ganzen seine Freiheit: geschändet und erniedrigt sank er doch nicht zur Zigeunerhorde herab, verbannt und heimathlos schuf er sich ein geistiges Vaterland. Dies führt der Verfasser aus in der Schilderung des Unterrichtswesens in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien, während des Mittelalters und hat dabei die Arbeiten Dr. Güdemanns benützt, soweit sie vom Unterricht handeln. Ueberall werden die Verdienste der Juden um die profanen Wissenschaften hervorgehoben. Der vierte Abschnitt behandelt die jüdischen Schulansralten in Deutschland während . der letzten Jahrhunderte und der 5. Theil dieselben, von Mendelssohn bis auf die Gegenwart. Die einzelnen Staaten und die Geschichte ihrer Schulen werden vorgeführt. Fast alle deutsche Staaten drangen, das führt Straßburger im Einzelnen genauer an — wenn auch manche nur langsam, auf die Verbesserung des jüdischen Unterrichtswesens durch die entsprechende Gesetzgebung, auch Dänemark, Holland, Frankreich und England, wo sich besonders Äontefiore große Verdienste erwarb. In Polen und Rußland fehlte es zwar nicht an einzelnen Anregungen, aber leider mit wenig Erfolg. Mit dem zunehmenden Besuche der höheren öffentlichen Lehranstalten durch jüdische Schüler, mit der Hebung der ullgemcintn Bildung sank aber die religiöse Bildung. 'Für die allgemeine Pädagogik haben die 1 Israeliten, seit sie an dem allgemeinen Kulturleben thcilnehmen dürfen, unleugbar Ersprießliches gewirkt,

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