Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 42 (27.5.1886)
- Date
- 1886-05-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449641--24349-2514098- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XSWL JahrZsng. Ei» & & &+ Gentrak - Hrgan für das orLhodore IudenLhunr. Herausgegebeu von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 27. Mai 5646 (1886). Leitende Artikel. Are Sprüche der Väter. II. Buch, $weitc Abtheilung. IX. Mainz, 24. Mai. «Rabbi Josua sagte: ein guter Genosse." Die meisten Erklärer deuten diesen Ausspruch, wie den des Josua ben Perachia (l. B. Mischua 6): „Erwirb dir einen Genügen." Eines der größten Güter, die der Mensch im Leben erwerben kann, ist der Besitz eines guten, edlen und treuen Freundes. Zwei Freunde, die einander lieben mit Herz und Seele, die gemeinsam nach der Veredelung ihrer Herzen und der Vervollkommnung ihres Thuns streben, sind einander von unschätzbarem Wcrthe. Nicht scheut sich Einer vor dem Andern und legt ihm dar sein ganzes Denken und Empfinden, eröffnet ihm sein ganzes Herz. Einer liest in dem Geiste des Andern wie in einem aufgeschlagencn Buche. Erschaut er einen Fehler, so ruht er nicht, bis derselbe abgelegt ist. Bemerkt er, daß der Frennd lässig wird in der Erfüllung seiner Pflichten, so spornt er ihn zur erneuten Thätigkcit an. Er warnt ihn vor Uebermnth im Glück, er thcilt mit ihm seinen Schmerz und schützt ihn vor Verzweiselung. Er stützt ihn, wenn er wankt, und hebt ihn wieder empor, wenn er gefallen ist. Wahrlich, wer einen guten Genossen gesunden, hat einen unbezahlbaren Schatz erworben. Dieser schönen Erklärung sieht jedoch entgegen, daß nach ihr der Ausspruch desRabbi Josua keine zutreffende Antwort auf die Frage seines Lehrers ist. Ztaun man denn sagen, daß „der gute (Genosse" der gerade Weg sei, beut der Mensch anhasten soll V Liegt es denn in unserer Macht, einen guten, edlen, treuen Freund zu erwerben? Nur Gott schaut in's Herz, und der Mensch muß sich nach dem Aeußeren richten. Wie Mancher ist schon in der Freundschaft getäuscht und betrogen worden? Bei dem Aussprüche des Josua ben Perachiah verhält es sich ganz anders. Dort handelt es sich um die angemessenes Art des Studirens. „Verschaffe dir einen Lehrer und erwirb dir eine» Genossen", einen Genossen, mit welchem du gemeinsam dem Studium der Gotteslehre obliegst. Nicht, sagt Rabbi Josua ben Perachiah: „Erwirb dir einen guten Genossen," weil das ja von uns nicht abhängen würde. — Diese Erwägungen haben tnanche Erklärer veranlaßt, den Ausspruch des Rabbi Josua auf die Frau zu deuten. Die Gattin ist die von Gott dent Manne bestimmte Gehilfin. Bei der Wahl der Gattin ist es eher möglich, Geist und Charakter derselben zu erforschen als bei der Wahl eines Freundes: man kennt die Eltern, man kennt die Brüder, man weiß, welche Erziehung die künftige Lebensgefährtin genösset! hat. Ein gutes, frommes, tugendhaftes Weib ist die beste Genossin. Sie stärkt und kräftigt den Mann in allem Guten, erleichtert ihtn die Sorgen und Lasten des Lebens, beglückt und verschönt seine Tage, schützt ihn vor Sünde und Fehl, hilft ihm des Lebens Kummer ertragen, tröstet ihn und richtet ihn auf im Unglück, erzieht seine Kinder zu edlen, braven Menschen, und so hat auch der weise König gesagt: Wer ein gutes Weib gesunden, hat das wahrhafte Gute gefunden. Teßhalb lehrt Rabbi Josua, daß der gerade Weg, dein der Mensch anhaftcn soll, der ist, daß man überaus vorsichtig sein soll bei der Wahl der Gattin, und daß man, wenn man die wohlerzogene Tochter frommer Ettern zur Lebensgefährtin gewählt hat, diese hcranbklde und zu sich emporziehe, ans daß sie werde ein guter Gettosse. Hatte doch Rabbi Josua