Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 41 (24.5.1886)
- Date
- 1886-05-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVii Jahrgang. SeUaze M Ar. 41 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Heidelberg, 17. Mai. Es dürfte für Sie von Jntemre sein, daß im Schwenninger'schcn Sanatorium in Heidelberg — wo sich augenblicklich eben 10 Patienten befinden — aus Gesundheitsrücksichten vermuthlich auf Anordnung des Herrn Professor S ch w e n n i n g e r nur geschachtetes Fleisch verwendet wird und glaube ich, dag dieser Umsrand wesentlich dazu beitragen wird, die Petition des Thierfchutzvcreins gegen die rarosr zu illusrrircn. Wie ich höre, annlmcircn die meisten christlichen Metzger iu Folge dessen tot geschachtetes Fleisch. Gemmingen (Baden). Am 28. April verliest die hiesige Gemeinde der seit 37 Jahren hier wirkende Religionslehrer, Herr Lazarus Bodenhcimer, hochgeehrt und geachtet von den Mitgliedern der Gemeinde. Als Beweis der Anerkennung seiner treuen Dienste wurde ihm von 13 hervorragenden Mitgliedern ein schöner und werthvoller Pokal mit Inschrift überreicht. Wir wünschen der Familie Bodcnheimer, daß sie sich in ihrem neuen Heim in Barmen im Kreise ihrer Kinder recht glücklich fühlcnmöge. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Wien, 20. Mai. In feierlicher Weise fand heute Vormittags die Schlutzsteinlegnng des von Herrn A. M. Pollak von Rudi» gegründeten Kindergartens in der Castellezgasie statt. Der Sohn des Gründers, Herr Alfted Pollak v. Nudin, Hat die Stiftung bekanntlich wesentlich erweitert und den Bau vollendet. Ein sehr zahlreiches Publikum hatte sich zur Feier eingesunden. Als Vertreter der Commune war Bürgermeister Uhl, als Vertreter des Unterrichtsministeriums Sections - Chef. Dr. v. Hermann anwesend: ferner waren Bezirksvorstand Mumb, Polizeirath Heide und mehrere Gcmcinderathe erschienen. Die Feier vollzog sich im Fcstsaale der Anstalt, welcher mit Blumen und Gesträuchen hübsch geschmückt und mit den Bildniffeu des Kaiscr- und Kronprinzenpaarcs und jener des Stifters und seiner Gattin versehen war. Der Architekt des Instituts, Baurath Wilhelm Stiastny, bcgrüstte zunächst die anwesenden Honoratioren und legte die Geschichte der Entstehung des Kindergartens dar, welcher ein Bedürfnis für den volkreichen zweiten Bezirk sei und für Kinder ohne Unterschied der Confession errichtet wurde. Er schloß mit einem Hoch aus den Monarchen, in welches die Versammlung eiuftimmte. Hierauf sprach Bürgermeister Uhl den Stiftern und den Erbauern den Dank im Namen der Gemeinde aus. Er sagte: „Mit aufrichtiger und inniger Freude sehe ich ein neues Institut entstehen, welches dem Wohlthätigkeitssinn und der Menschenliebe eines edlen Bürgers entstammt. Die Wiener Bürgerschaft zeigt bei jeder Gelegenheit Wohlthätigkeitssinn, und die Gemeinde Wien verdankt dem Wohlthätigkeitssinn so manche schöne und ersprießliche Anstalten. Möge dieses Institut, welches bestimmt ist, die ärmere Jugend heranzubilden, segensreich wirken." Sodann folgte eine Ansprache des Sections-Chefs Dr. v. Hermann namens der Unterrichtsverwaltnng, in welcher er dem Wunsche für ein stetes Gedeihen der aus den edelsten Motiven geschaffenen Anstalt Ausdruck gab. Der Sohn des Stifters, Alfted Pollak v. Rudin, verlas alsdann die Bau-Urkunde, worauf der Schlußstein in der üblichen Weise eingefügt wurde. Pefth, 20. Mai: Tisza beantwortet demnächst eine Interpellation des Antisemiten Mendtvich über die massenhafte Einwanderung galizischer und russischer Juden nach Nordungarn. Der Minister wird erklären, daß iu allen Fällen, wo die Möglichkeit nachgewiesen wird, daß die Betreffenden sich ernähren können, cs weder gesetzlich noch human wäre, die Niedcrlaffung zu verhindern. Er sei nicht gesonnen, die diesbezüglich bestehenden Gesetze abzuändern. - Lemberg, 14. Mai. Das Ministerium für Cnltus und Unterricht hat in den jüngsten Tagen einen Erlaß hcrausgcgeben, wonach die den jüdischen Schulkindern bis nun bewilligte Befreiung vom Schreiben und Zeichnen an Samstagen, künftig nicht mehr zu gewähren ist. Den Grund zu dem Erlasse sollen didaktische Rücksichten gegeben haben, weil der Unterricht durch diese Befreiung angeblich erschwert werden soll. Wenn dieser Grund selbst richtig wäre, kann derselbe in unseren Augen keineswegs eine Maßregel rechtfertigen, welche den Grundsav der Glcichberechligung weiteres erheblich schädigt, und welcher geeignet ist eine Gcwissenskollision bei