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Der Israelit · 1886-05-24 · Heft 41 (24.5.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 41 (24.5.1886)
Date
1886-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WM. Jahrgang. M 48.» Ein AenLrat - Hrgan für das oxtMoxe ZudenLHum. Herausgegeben von Dr. Lehma«« in Mainz. Mootag, de« 24. Mai L64S (1886). Lerreuse «ntici« Aie Sprüche der Däter. n Buch, zweite Abtheilung. YIH. Mainz, 20. Mai. „Er (Rabbon Jochanan ben Sackai) sprach zu ihnen (zu seinen obenerwähnten fünf Schülern): Gehet hin und sehet, welches der gerade Weg ist, dem der Mensch anhaften soll? — Rabbi Elieser sagte : ein wohlwollendes Auge. Rabbi Zosua sagte: ein guter Genosse. Rabbi Jose sagte: ein guter Nachbar. Rabbi Schimeon sagte: wer sicht, was in Zukunft daraus entsteht. Rabbi Elasar sagte: ein gutes Herz. — Darauf sprach er zu ihnen: Ich gebe den Worten Elasars ben Arach den Vorzug vor euren Worten, denn in seinen Worten sind eure Worten inbegriffen." Sowohl die Frage, welche der Lehrer stellt, wie die verschiedenen von den Schülern ertheiltcn Antworten bieten dem Verständnisse mancherlei Schwierigkeiten dar. Im Anfänge dieses Buches wird eine ähnliche Frage aufgeworfen. Dort haben wir gelesen: Rabbi sagte: „Welches ist der gerade Weg, den sich der Mensch erwählen soll? Jeder, der ihm zum Ruhme gereicht bei den Menschen. —" Der Unterschied zwischen beiden Fragen ist der, das; Rabbi sagt nnNn tot „den sich der Mensch erwählen soll," während Rabbon Jochanan ben Sackai den Ausdruck gebraucht d-jnh ra pIOT, dem der Mensch anhaften soll?) Wir haben schon oben bemerkt, das; die Frage an und für sich nicht berechtigt erscheint, da ja der *) An manch«! Biichrni ist hier dir i'cvarl nac finit w; demnach wäre noch ein zweiler Nnlrrschird zu conslaliirn. allgütige Gott uns in Seiner Thoraxen Weg vorgezeichnet hat, den wir wählen und 'dem wir anhaften sollen. Wir wollen hier nicht Alles wiederholen, was wir bereits oben zur Lösung dieser Schwierigkeiten beigebracht haben; wir wollen nur kurz andenten, daß es innerhalb der Vorschriften der Thora zwei gerade und gute Wege gibt, die jedoch von einander sehr verschieden sind; der. eine führt zur Heiligung der eigenen Person, ßii einem beschaulichen, meist Gott zugewandten Ziele; der andere dagegen wählt sich als Ziel die Wohlfahrt der Mitmenschen, ihnen Gutes zu erweisen und sie nach Kräften zu beglücken. Ta' lehrt uns nun Rabbi, daß diese beiden verschiedenen Wege, wiewohl beide gerade, doch einseitig seien und daß man einen dritten geraden Weg zu erwählen habe, der beide Ziele in rechter Vereinigung anstrebt. Nabbon Jochanan ben Sackai spricht nicht von der Wahl des Lebensweges; er gebraucht einen andern Ausdruck; er fragt: Welches ist der gerade (oder gute) Weg, dem der Mensch anhaften soll? Demnach ist der Weg bereits gewählt, und die Frage bezieht sich nur auf das Beharren auf demselben. Durch diese Erwägung wird die von uns hervorgehobcne Schwierigkeit nur noch größer, und ganz unverständlich erscheinen die Antworten der Schüler, die der Lehrer alle lobt, wenn er auch nur einem den Vorzug vor den andern gibt. Die Erklärer unserer Maßechta haben viele verschlungene Wege eingeschlagen, um die in Rede stehende Mischnah zu erklären. Die beste Erläuterung gibt uns der von uns mehrfach erwähnte Rabbenu Jonah. „Der Mensch muß sich bestreben, immer weiser, besser und vollkommener zu werden. Da gilt cs, eine' große Menge guter und edler Eigenschaften sich anzneigneu: die Demuth, die Bescheidenheit, die Gewissenhaftigkeit, die Treue, die

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