Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1886)
- Date
- 1886-05-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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694 Reform, Unterbringung seines NUnhag kommen noch die Angriffe aus befreundeLeu Lagen! und es ist nicht zu verwundern, wenn die Gerüchte eiueu greifbaren Loden gewinnen, wonach der baldige 3!ückrrirt des Herrn Tr. in Aussicht steht. — Tie Jahresversammlung des hiesigen „Hebrew Orphon Afylnm* (Waisenhaus) fand letzte Woche stall und zeigt der Bericht, daß zur Zeit 473 Waisen in der Anstalt untergebracht sind; 63 mehr als im Vorjahre. Im Laufe des Jahres war glücklicherweise nur cin Todesfall zu verzeichnen. Für die Zwecke der Anstalt wurden 56000 Dollars verausgabt. Die Anstalt stellt sich würdig den andern hiesigen großartigen, jüdischen Instituten zur «Leite. — Znm Besten des „jüdischen, technischen Instituts," in welchem Lindern Gelegenheit gegeben ist, ein Handwerk zu erlernen, fand letzte Woche im Tempel Cmannel eine Versammlung statt, in welcher Herr Carl Schurz (in Deutschland bekannt als der Befreier Gottfried Kinkels), ehemals Minister und Senator, einen ausgezeichneten Vortrag znm Besten des Instituts hielt. Cr wies nach, wie groß die Vortheile seien, die eine derartige Schule gewähre und richtete an die Anwesenden die dringende Mahnung um reichliche Unterstützung. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen," schritt' man zur Besichtigung ausgestellter Arbeiten der Zöglinge, die bewiesen, welche gute Früchte eine denige Institution trägt,'besonders wenn au deren Spitze ein so fähiger Mann,, wie der jetzige Leiter der Anstalt, Herr Leipziger, steht. Die Collection an diesem Abend ergab ungefähr 5000 Dollars für das Institut. — Von Vorbereitungen für das Nabbinerseminar, das hier errichtet werden soll, dringt wenig au die Oeffeutlichkeit. Am 9. Mai soll die Versammlung, welche die Wahl der Verwaltung vornimmt, statt-' finden. Nach dieser Zeit wird vielleicht mehr Leben als bis jetzt zu bemerken sein. — Zeitttngöuachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Furth, 15. Mai. Dem langjährigen französischen Konsul Herrn Isaak Ostenbacher hier ist nach einer Meldung des „Fr. K." vom Präsidenten der französischen Republik die Ordeusaus,Zeichnung der nck'tlailln ck'lnumeui' verliehen worden. Berlin, 16. Mai. Die Badesaison naht mit schnellen Schritten heran, bald werden viele Tausende unserer Glaubensgenossen zu ErhslMg und Kräftigung die deutschen Bäder anffuchen uud in artesischen Fluchen den Staub der Großstadt und die Ermüdung des Körpers hmwegspülen. Wir gestatten uns bei dieser Gelegenheit eine Anregung zu geben, die uns weitester Beachtung werth erschein:. Es gibt nämlich eine ganze Anzahl größerer Bäder, in welchen keine ririnHe^Restanrat i o lt exiftirr, die aber von Hunderten unserer Glaubensgenonen frequentirt werden. Nicht um wird durch diese Ealamität dem religiösen Israeliten die Kost gesperrt, auch recht viele, welche christliche Restaurationen sonst anffuchen, würden sicher die rituelle Verpflegung vorziehen. Unternehmungslustige Glaubensgenonen dürften daher nicht nur einen guten äußeren Erfolg erzielen, sondern sie werden auch durch die Ermöglichung ritueller Kost recht Viele sich znm großem Danke verpflichten und selber ein wohlgefälliges Werk ausüben. Wir haben beim Niederfchreiben dieser Zeilen vornehmlich S ch e w e u i n g e u nebst Umgegend, wie andere Bäder der Nord- und Ostsee im Auge; so war im vergangenen Jahre in dem von Hunderten von Berlinern ausgesuchten Bad Ahrbeck kein koscherer Biffc» zu haben, nicht viel bester soll es m Scheweningcu gewesen sein. Es wäre schön, wenn es sich ermöglichen ließe, ein Verzeichniß aller größeren deutschen 'Bäder zilsammenzustellen, die noch der rituellen Restaurationen entbehren; freilich müßte es schnell geschehen, wenn unsere Anregung noch auf fruchtbaren Boden fallen soll, denn nicht lange mehr und der »Knf wird erschallen: „Auf nach Putaoli und Baja!" - Berlin, 16. Mai. Ein angesehenes Mitglied der hiesigen Gemeinde und ein weithin bekannter Wohlthäter der Armen, Herr Neumaim Nachmann Oppenheim, ist am 10. Mai im Alter von 60 Jahren heimgegangen. Der Verstorbene war vierzig Jahre laug Mitglied der jüdischen Armeucommission, Begründer des jüdischen Knrhospktals in Kolbcrg und einer der Stifter der Synagoge an der Potsdamer Brücke. Der Kaiser verlieh ihm zu seinem siebenzigsten Geburtstage den Kronenorden, seine Gebmtsftadt Oranienburg das Ehrenbürgerrccht. Donnerstag Vormittag fand die Beerdigung statt, Herr Rabbiner Dr. Salomo» Kohn feierte in ergreifender Rede die Verdienste des Dahiugcgangenen. — Am gestrigen Sabbat hielt Herr Rabbiner Dr. Salzberger ans Kulm in der Orgclsmmgoge eine Gastpredigt. Ob das erste nicht sonderlich glückliche Debüt zu einem definitiven Engagement führen wird, ist zweifelhaft. m if-t 3&: m