Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1886)
- Date
- 1886-05-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVN. Jahrgang. es Israelit. Leitender Artikel. Amerikanische Ariefe. LZ Ntw-N-rk. 2. Mai. Die „Jcwish Ministers Associatton," unter welchem Banner sich Nadbiner der verschiedensten Richtungen zusammenschaaren, hält für dieses Jahr in hiesiger Stadt ihre Confcrenz ab und zwar beginnt solche am morgigen Tage. Ich behalte mir vor alsbald nach Schluß derselben in diesen Blättern ausführlich zu berichten; es ist jedenfalls von Jntercffe zu sehen, wie die Herren Rabbiner, die von der Kanzel herab und in der Presse in allen Tonarten gegen einander loszichcn, auf der gemeinsamen Conferenz sich zu vereinigen suchen. Meine Bemerkungen hiezu behalte ich mir für die Berichterstattung vor. — Die Herren Reformer halten ihre diesjährige Convention zu Cincinatti am 28. Juni; wenn die Herren Wise und Confortcn dort, manches Ungereimte zu Tage fördern, so kann man schon heute dies entschuldigen, da die Jahreszeit eine solche ist, wo selbst dem Vernüufttgstcn die Hitze manchen Streich spielt. — Einer in St. Louis erscheinenden jüdischen Zeitung entnehme ich die Mitthcilung, daß am eisten Sederabend nach dem AbcndgottcSdicnste der dortige Rabbiner Dr. Sonnenschein in seiner Wohnung eine Trauung vornahni. Ob der Toctor nach der Trauung dem jungen Paare sogleich den Scdcr zum Besten gab, ist aus bciu Bericht nicht zu ersehen. Es ist höchste Zeit, daß die Gemeinde sich von ihrem Obcrhaupte trennt. — Eine größere Gemeinde in Portland (im Staate Oregon) hat sich von der „Vereinigung amcrilan. jüdischer Congrcgationcn" zurückgezogen, weil sie mit Dr. Wise und seinen Pittsburger College» (die au der Spitze der Vereinigung stehen) nicht zufrieden ist. Die Gemeinde ist keineswegs orthodox, allein die Wege des Weisen ans dem Westen scheinen ihr doch zu holperig zu sein. — Am 1«. April fand die Gemeindeversammlung der Gemeinde „Shaarc Emeth" in St. Louis statt und wurde das Entlassnngsgesuch des Rabbiners Dr. Sonnenschein genehmigt. Im Lause der Debatte, die sich hieran knüpfte, hielt ein Mitglied eine Ansprache, die znm Schluß in der Anfrage gipfelt, was denn der Herr Doctor in den 17 Jahren, während welcher er der Gemeinde Vorstand, geleistet habe, wonn die Werke und guten Früchte dieser langen Wirksamkeit bestehen? In dieser Frage liegt viel Wahres, allein hätte der Herr nicht ebenso gut seine Gemeinde dafür tadeln können, daß sie dieser unfruchtbaren Leitung sich so lange anvertrame? Warum hat die Gemeinde so lange Zeit geschlafen, hat geduldet, daß ihr Prediger seinen Pult einem christlichen Geistlichen einräumte u. dgl. mehr? Doch die Reue kommt nie. zu spät und „besser spät als gar nicht." Heber den Nachfolger von Dr. S. verlautet ebensowenig, wie über den Wirkungskreis des Rabbiners. — In einer protestantischen Zeitschrift wurde mir eine Stelle gezeigt, worin sicht, daß die Missionäre in Chicago in der letzten Zeit ziemlich glücklich in ihrer Jagd nach Israeliten waren, indem sieben ihre Bereitwilligkeit ausdrückten, für Geld und gute Worte den Glanbenswechse! vorznnehmen. Wenngleich der Verlust für das Judenthnm nicht der Rede werth ist, so will ich die Thatsache doch nicht verschweigen. Vielleicht sucht Dr. Hirsch, einer der Säulen der Reform des Landes und besonders Chicagos, diesen Abfall durch Aufnahme Solcher, welche die nhs an sich ja nicht vollziehen lassen müssen (Pittsburger Meinung) auszugleichen.— Die Gemeinde „Shaari Tob" in der Stadt Minneapolis hat eine Fehde mit Herrn Rabbiner Dr. Wise in Cincinatti. Die jüdischen Zeitungen bringen diese Woche eine Erklärung der Vorstände dieser Gemeinde, worin unter Anderm Folgendes zu finden ist: „Vor 8 Jahren sprach Dr. Wise in Minneapolis und empfahl die Einführung seines „Minhag." Vor 2 Jahren wiederholte er diese Empfehlung gegenüber dem Rabbiner der Gemeinde mit dem Anerbieten, seine Gebetbücher unentgeltlich im Austausch gegen Diejenigen, die jetzt in der Gemeinde eingeführt sind, abzulassen. Die Gemeinde ging hierauf nicht ein.In der „Dcborah" vorn 2v. März sagt Dr. Wise, daß er nie seinen Minhag empfohlen habe. Die Gcmcindcrcpräsentanten unterbreiten nun die Frage, welche Partei sich der Entstellung des Sachverhalts schuldig mache." Wahrlich die Lasten, die sich auf den Schultern des Herrn Dr. äHifc abwälzen, werden immer ' größer; neben der Sorge um das Seminar, die