Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1886)
- Date
- 1886-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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xxvn. ZshrUWg. JV5 88. Ein ‘ ■ . ßentrak - Hrgan für das ortöodoXe Judentum. Herausgcgeüen von Dr. Lehmann m Mainz. W Douuerftag, b e n 13. Mai 5646 (1886). Leitender Artikel. Are Sprüche der Mater. 11. Buch, zweite Abtheilung. V. Mainz, 10. Mai. Wir haben im vorigen Kapitel die Frage erörtert, warum Rabbon Jochanan den Sackai die Mutter seines Schülers Rabbi Jofua benEhananja glücklich preist und nicht auch den Vater. König Salomo dagegen hebt die Freude des Vaters an dem wohlgerathcnen Sohne hervor, wie cs heißt (Mischle £.10, L. 1): „Ein weiser Sohn wird erfreuen den Vater und ein thörichter Sohn ist das Herzeleid seiner Mutter;" und ferner (daselbst E. 15, V. 20): „Ein weiser Sohn wird erstellen den Vater und ein thörichter Mensch macht seine Mutter verächtlich." Es bedarf der Erklärung, waruni in beiden Versen die Freude über den weisen Sohn dem Vater, und der Kummer über den thörichten Sohn der Mutter zugeschrieben wird. Raschi meint, der thörichtc Sohn bleibe stets bei der Mutter zu Hause, und so habe sie ben ganzen Tag den kummervollen Anblick. Andere Erklärer behaupten, der weise König wolle sagen, Freude und Kummer seien bei beiden Eltern gleich, und nur der poetischen Schönheit wegen werde mit den Ausdrücken gewechselt. Wcllu dem so wäre, so hätte doch Salomo in der zlvcitangesnhrtcn Stelle „zur Abwechselung" der Mutter die Freude, und dem Vater den Kummer zuschrciben sollen. Der Sinn ist jedoch ein viel tieferer, und wir wollen ihn durch ein Gleichnis; klarlegen. 'Einst hatte der König eines großen und reichen Lar,des in einer wnnderschönen liegend eine neue Nesideilzstadt gegründet. In der Mitte der Stadt hatte er ein herrliches Schloß erbauen lassen, und von diesem ans zogen sich die Straßen gleich den Radien eines Kreises. Für die verschiedenen Ministerien, Gerichtshöfe und andere öffentlichen Anstalten wurden prachtvolle Gebäude errichtet und den Bürgern, die sich ansiedelten, wurde der Baugrund geschenkt und auf viele Jahre hinaus wurde ihnen Steuerfreiheit bewilligt. Schauspielhaus, Opernhaus und Eoncertsäle wurden gebaut und reich dotirt; höhere und niedere Schulen wurden gegründet und nach wenigen Jahren war diedadt"eine der größten und schönsten weit und breit. Der König freute sich seiner Schöpfung gar sehr, und er forderte seine Räthe auf, ihm zu sagen, ob der Stadt irgend etwas fehle. Alle wußten sie nur zu loben bis. ans den Minister für Handel und Gewerbe. — Mein Herr und König, sprach dieser, etwas Großes ist, was Deiner schönen Residenz - noch fehlt; sie ist keine Handelsstadt. Wohl gibt cs hier Kleinhändler und Gewerbetreibende genug; aber der Großhandel, der lebendig pulsirende Verkehr, die Spekulation fehlen ganz und gar. Deßhalb ist mein Rath, daß Du ein schönes geräumiges Börsenlokal errichten lassest, denn die Börse ist an allen Handelsplätzen das Eentrum und die Pulsader des Handels und des Verkehrs. — Der Vorschlag gefiel dem Könige und er befahl ihn auszuführen. Eine prachtvolle Börse wurde erbaut, mit großem Pompe eingewciht und feierlichst dem allgemeinen Verkehr übergeben. Allein das Gebäude blieb leer; es verdankte ja seine Entstehung nicht dem Bedürfnisse, und daher siel cs Riemandcm ein, das schöne Gebäude zu besuchen. Ilm diesem Ncbelftande. abznhclfen, erließ der König den Befehl, daß alle Kanslcnte der Stadt zur bestimmten Stunde im Börsengebände 31t erscheinen und dort ihre Geschäfte