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Der Israelit · 1886-05-06 · Heft 36 (6.5.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 36 (6.5.1886)
Date
1886-05-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXV1L Jahrgang. Irsrite Beilage M Nr. 36 des Israelit. Zeitvrrgsuachriehkttr unb Sorrefpondenzen. - De ul s ch l a n L. Breslau, 22. April. Die „Bres. Ztg." schreibt: Wie die große holländische Erbschaft und die Sceschlangc zu den sterolypcn periodischen Erscheinungen in der Presse gehören, so zeitigt der üppig wuchernde oberschlcsische Aberglaube alljährlich mir großer Regelmäßigkeit ein zum Gebrauch für jüdische rituelle Zwecke gemordetes Christcnmädchen. Ta uns bis gestern Abend jedoch eine derartige Nachricht aus Oberschlesien noch nicht vorlag, meinten wir schon, an der Kulturgeschichte verzweifeln zu sollen; aber siehe da! zu unserer großen Beruhigung fanden wir heute früh auf dem RedakLionsrisch folgende Mitthcilung unseres Korrespondenten in Zabrze, daürt Zabrze, 20. April: „21m. gestrigen Tage entfernte sich das Dienstmädchen des Schneidermeisters L. hierselbst, um Wasser zu holen; das Mädchen war indcß bis zum Abend zu ihrer Dienstherrschaft nicht zurückgekehrt. Seitens der Angehörigen des Mädchens wurde der Polizeiverwalwng Anzeige von deren Verschwinden erstattet, mir der Bemerkung, „man habe Grund, zu vermnthen, daß der jüdische Einwohner L. das Mädchen ernwrdet habe, um deren Blut zunr Osterfeste zu brauchen. Tie Mär wurde rasch verbreitet und fand gern willige Gläubiges!); Die Polizei stellte an Ort und Stelle Erhebungen an und Neugierige umstanden den Wohnort des vermeintlichen Mörders. Ein Arbeiter, dessen Eheftau bei dem Backen der Ostcrkuchen beschäftigt war, kam ängstlich gelaufen, uni dieselbe von der Arbeit wcgzuholen, mit den Woneu; „Komm, Weib! die Juden haben bereits ein Christenmädchen ermordet, um Osterblnt zu haben, jetzt kommt eine Frau daran, da werden sic dich jedenfalls auch schlachten wollen.-„Heute früh fand sich das todtgesagtc Mädchen wieder auf der Dienststelle ein." Oestcrr.-Ungar.Monarchie. Wien. Großes Aufsehen erregen in Wien die im Künstlcrhansc ausgestellten Portraits von dein Italiener Gelli. Der junge Künstler, der sich momentan in Wien anfhält, wurde vom Kaiser Fiianz Joseph eingcladcn, ihn zu portraitircu. Der I Kaiser, der ein feiner Bilderkcrmcr ist, faßte ganz I spontan den Entschluß, ihm zu sitzen, und das Bild, das nun vollendet ist, darf als ein Meisterwerk bezeichnet werden. Der Kaiser erkannte schon während der Sitzungen, wie trefflich das Portrait gerathen, und als es sich für Gelli darum handelte, einige Detalls der Uniform auszufiihren, schlug er dem Kaiser vor, dieser möge, um sich nicht zu ermüden, einen General von gleicher Statur das nächste Mal posirerz lassen. Dagegen protestirte Kaiser Franz Joseph; er erschien selbst wieder und stand zwei Stunden vor Gelli ruhig aufrecht. Uebrigens konversirte der Kaiser mit dem Künstler sehr unbefangen über alle möglichen Themata. Einmal brachte Letzterer die Rede auf den Antisemitismus und bemerkte, in Italien sei diese Erscheinung etwas ganz Unbekanntes. „So ist's auch recht," meinte Kaiser Franz Joseph; „ich schäme mich, daß der Antisemitismus nach Oesterreich gedrungen ist". Griechenland. Athen. Während der Zeit des zweiten Tempels sind nicht nur in Syrien und Egypten, sondern auch in den vorzüglichsten und reichsten Hafenstädten Kleinasiens bedeutende jüdische Niederlap ungen oder Gemeinden entstanden, die, wenn sie bald auch griech. Sitten, Sprache und Tracht annahmen, im Herzen dennoch stets Juden blieben und stets mehr nach Jerusalem als hierher nach Athen oder nach Sparta gravitirten. Die Religion ihrer'Väter war ihnen über Alles theuer, in der sie leben und sterben wollten und wenn sic daher auch in Allen! den Griechen, ihren Mitbürgern und Freunden, nachahmten und sich und ihren Kindern sogar griechische Namen beilegten, so vergaßen sie dennoch nicht, daß sie dem Stamme Jakob's angchören, dessen Söhne fest zu einander stehen und treu an der vom Berge Sinai her^ e:erbten Lehre halten müssen. In fast jeder beträchtlichen in Klcinasien entstandenen griechisch-jüdischen Gemeinde wurde daher sogleich ein eye nps (kleines.Heiligthinn), eine Snnagage erbeut, in der die Gemeinde sich am Sabbath und an den hohen Festtagen versammelte, um in der Sprache ihrer Väter zu ihrem Gotte zu beten, dessen Lehren aber in der wohlklingenden Sprache des Perikles und Aristoteles vortragcn zn hören. Auch in der Hafenttadt Phoeaca , die südlich von Smyrna lag (von derselben sind hcntc nur noch Rttinenhansen vorhanden), befand sich ein solches jüd. Hciligihnm und

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