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Der Israelit · 1886-05-06 · Heft 36 (6.5.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 36 (6.5.1886)
Date
1886-05-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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623 D-r die nöchigen Kameclc zur Weiterreise vorfindcu und zahlt mau für ein jedes dieser Thicre 86 Francs. Dagegen ist der arabische Dolmetsch für eine solche Steife immer sehr theucr und müssen wir dem. uuscrigen nicht weniger als sechs Pfund Sterlitrg per Lag bezahlen. Ta der Lurchgav.g durch den Suezkaual für Kameele nur Zu einer gewiffen Lmnde des Tages gestattet ist, muffen wir hier in Suez mehrere Stunden hindurch warten. Wir werden uns daher indeffen ein wenig die Stadt auschancn. Dieselbe zählte vor Eröffnung des Kanals 1500 Einwohner, heute dagegen schon 12,600, unter denen sich auch etliche Indensamilien befinden. Zur Norden der Stadt besitzt der Khedive einen Kiosk, der auf einem Hügel erbaut ist und eine schone Aussicht auf den Hafen, das Meer und das felsige Arabien darbietct. Im Altcrthume hieb Suez Klysma, und war es auch befestigt, um den Kanal, dcu Darius von hier zum Nile hatte anlegen laffen, der aber später vom Wüftensandc wieder verschüttet wurde, gehörig vertheidigcn zu können. Im Mittelalter wurde aus dem Namen Klysma Kolznm, worauf in der Neuzeit der Name Suez (arab. Suis) entstand. Seit der Eröffnung des nach ihm benannten Scelanals ist Suez eine wichtige Handelsstadt geworden, da alle von Europa nach Asien, Australien und Ostafrika und vice versa gehenden Schiffe diesen Kanal benützen. Am Musa (n1?2 pp) Moscsqirelle, 5. März. Unsere erste Haltstation in der Wüste ist die MofesqueLe. Die Quelle liegt in einer Oase, wo sich auch zahlreiche Gärten vorfinden. Wir schlagen nun unsere Zelte hier auf. Da wir blos zwei Zelte mit uns führen, so bewohnen eines wir, wahrend das andere für unsere Diener bestimmt ist. Unser Zelt ist lehr geräumig; es enthält zwei Feldbetten, zwei Tische, mehrere zerlegbare Sesseln und etliche Lausteppiche. Was unsere Beduinen anbelangt, so schlafen sic nnterm freien Himmel, cingcüüüt in ihre schwarzen Mäntel oder in Launnfelle. Da deren Anzahl zehn beträgt, die alle auch gut bewaffnet sind, so brauchen wir keinen räuberischen Ucbcrfall zu fürchten. Während des Marsches führt jeder Beduine sein Kameel au der Hand. Die ganze Bande steht unter der Leitung des Scheilh Musa (Moses). Dieselbe gehört dem Stamme der Tnara an, welche die dem griechischen Kloster auf dein Berge 2mm gehörenden und am Fuße dieses Berges gelegenen Grundstücke iii Pacht haben. Honte Morgens habe ich die Qasc ein wenig dnrchstrcisl. Dieselbe besitzt eine Menge von Dattclbünmcn, während die (Bärten bei den Wohnhänsern vortreffliches Gemüse liefern. Es gibt hier auch Tcnarir-, Tcrebimhcn- und Earubbcbanme, und erhalten die Gärten ihr Waffer ans den benachbarten Quellen. Eine dieser Quelle, die größte rmter ihren Schwestern, ist schwefelhaltig und heißt sie die Nrofesgnellc. Woher dieser Name kommt, weiß Nieniand zu sagen, da die Horebqnclle, welche unter dem Schlage mit dem Stabe Mosis entsprungen ist, in der Nähe des Berges Sinai gesucht werden mutz. Vielleicht lagen jedoch hier die bitteren Quellen, von denen in Exodus E. V. V. 22 bis 25 die Rede ist. Auch befindet sich hier mitten nt der Oase ein fünf Meter hoher Hügel, auf dessen Spitze eine Quelle entspringt, die sehr salzig ist. Die Karneele trinken indetz aus dieser Quelle. Taucht man die Hand in diese Quelle, so setzen sich sogleich Iirsccten an derselben an.' Wadey (Thal) Garandel, 7. März. Jeden Morgctt um 7 Uhr muß unsere Kara-; wane aufbrcchen. Während des Marsches werden unsere Kamecle nur mit Bohnen gefüttert. Wir haben bisher drei Thäler, das Wärdehau-, das Amara- und das Hawarathal, passirt. In allen, diesen Thälern pflegt es oft Wolkenbrüche zu geben. Die Fluthen wälzen sich dann unaufhaltsam durch das Thal fort und reißen Alles, was ihnen im Wege steht, sogar große Felsstücke, mit sich fort. Wehe den Reisende, die von einem solchen Wolkenbrnche, zumal zur Nachtzeit überrascht werden, da dann weder die Menschen noch die Thicre Zeit finden, um sich , retten zu können. Im Sommer 1867 ist in dem Sclafthalc, das nahe beim Berge Sinai liegt, ein solcher Wolkenbruch nicdcrgegangen, wobei vierzig Reisende, sammt allen ihre» Kameelen, den Tod in den Wellen fanden. Hie und da pflegt es auch in der Wüste, besonders wenn scharfe Winde wehen, heftige Sandftürme zu geben, wobei der Reisende über und über mit seinem Staube bedeckt wird. Hier in dem Thale Garandel gedeiht auch eine Pflanze, nitraria tiidentata. welche die Eigcnthümlichkcit besitzt,'daß, wenn man sie in salziges Wasser wirft, dasselbe sogleich trinkbar wird. Möglich, daß nun Moses aus Gottes Geheiß diese Pflanze in die Quelle von Mara geworfen, um derselben so ihre Bitterkeit zu nehmen. Auf meine Anfrage bei den Dednincn hier, ob ihnen nicht auch ei» Baum oder eine Staude bekannt sind, deren Zweige gleichfalls dem Wasser seine Bitterkeit nehmen können, erhielt ich stets eine verneinende Antwort, da die Bevölkerung hier das Vorhandensein .eines solchen Holzes mit Freude begrüßen würde. (Fortsetzung folgt.)

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