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Der Israelit · 1886-05-06 · Heft 36 (6.5.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 36 (6.5.1886)
Date
1886-05-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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xxmä4?££2g. AeitssgssschrrchLes «stz SorrespSNdssZeN. .. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Im hiesigen k. k. allgemeinen Kran- .kcnhause — bekanntlich die größte Heilanstalt unserer-Monarchie — befinden sich abwechselnd stets 120—350 isr. Patienten, die zum Theile von Wien, zum überwiegenden Theil jedoch von den verschiedensten Gegenden hieherkommen, um daselbst Heilung ihrer Leiden zu suchen. Ein großer Theil derselben, festhaltend an den Geboten unserer Religion, ist unter keinen Umstande« zu bewegen, die Spitalskosi oder andere nicht uach jüdischem Ritus zubercitete Speise zu genißen. Naturgemäß sind die meisten dieser das Spital aufsuchendeu Patienten mittellos — denn der Bemittelte zieht bekanntlich Privatpfiege vor — und daher kommt es, daß nachdem diese Bedauernswertsten nicht in der Lage sind, sich rituell zubercitete Kost zu verschaffen, sie sich lieber den schädlichen folgen des Hungers aussctzcu und so die humanen Bemühungen der sie behandelnden Aerzte illusorisch machen. Biele Herren Professoren des k. k. allgem. Krankenhauses machten die Wahrnehmung, daß Patienten, deren Opcratwns- resp. Hcilungsprozcß ein ganz normaler war, rückfällig wurden, eben aus Mangel nöthiger Nahrung. Es bedarf wohl nicht vieler Einbildungskraft, sich das Elend derartiger Berhältnisfe vorzustettcn, deren Opfer unsere frommen Glaubensgenossen sind. Zu seinen qualvollsten Stunden gepeinigt von Krankheit und Roth, in Sorge um die oft in weiter Ferne weilenden Lieben, die ängstlich und ungeduldig der Rückkehr ihres genesenen Ernährers harren, liegt dieser Arme da, den unbarntherzigsten Feind alles Lebenden, wüthenden Hunger mit frommer Hingebung uicderkämpfend, nur um nicht — vielleicht schon angesichts des nahenden Todes — der Tradition seiner Väter treulos zu werden und sein Gewissen mit einer Schuld zu belasten. Da trat ein Häuflein gesinnungstüchtiger Männer zusammen, die den Plan faßten, einen Verein zu gründen, der die Aufgabe haben sollte, den vorerzählten, dem Zudenthume gegenüber unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten. So weit es die Mittel des Vereines gestatten, sollte jcbciu sich darum bewerbenden israelitischen Patienten im k. k. allgem. Kranken Hause die Koschcrkost verabreicht werden, damit Klagen nach dieser Richtung aushörrn. Die Statuten wurden dem entsprechend festgesteüt, und so entstand nach langwierigen und mühseligen Vorarbeiten im Jahre 1879 der „Verein zur Unterstützung armer kranker Zsracliteu in Wien." Um in seinen Mitteln möglichst reichlich zu sein, stellte der Verein statutarisch fest, daß jedermann, ohne Unterschied des Wohnortes mit dem Minimal- Zahresbeitrage von fl. 2 Mitglied des.Vereines werden kann. Diesen Einnahmen gesellte» sich später freiwillige Spenden und Erträgnine ans Sammelbüchsen, die der Bereiu bei seinen Mitgliedern und an geeigneten Plätzen ansstellte, so daß der Verein gleich im ersten Zahre seines Bestandes eine erfreuliche Thatigkeit entfalten konnte. Dazu war allerdings Veranlassung-genug vorhanden. Massenweise strömten, uns Gesuche um Verabreichung der Koscherkost entgegen, die in herzergreifender Weise an die Hilfe des Vereines appellirtcn. Wenn es je eines Beweises für die Nöth- - Wendigkeit unseres Vereines bedurfte, so wurde er hundertfach und öfter erbracht. Die Mittel langten bei Weitem nicht ans, und so ergab das erste Verwaltuugsjahr bei einer Einnahme von fl. 1800 ein Deficit von fl. 500. — Mit einem solchen Deficit endete fast jeder Rechnungsabschluß, da der Verein es mit seiner Humanitären Tendenz nicht vereinbaren konnte, erst die Znlänglichkeit seiner Mittel zu prüfen, sondern stets nach Möglichkeit seine Hilfe darbot. Von Jahr zu Jahr steigerte sich die Thätigkeit des Vereines, so daß wir beispielsweise.im abgelaufenen Jahre für Zwecke der Krankenbeköstigung fl. 4500 — anftvcnden konnten, gewiß eine imponirendc Thätigkcit! Eine, besondere Genngthunng von authentischer Seite wurde dem Vereine durch folgende Erklärung einer Anzahl hervorragender Professoren des k. k. allgem. Krankenhauses zu Theil. ' „Die Unterzeichneten Professoren und Abtheilungsvm stände des k. k. allgem. Krankenhauses in Wien bestätigen, daß der „Verein zur Unterstützung armer kranker. Israeliten in Wien" seit einer Reihe von Jahren die in genannter Heilanstalt in Behandlung befindlichen israelitischen Patienten, die nichtritnelle Kost entschieden abletznen, ans deren Wunsch mit kräftiger,nahrhafter Kost versehen hat.

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