Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1886)
- Date
- 1886-05-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Wellige Minuten nachher trat -er Scm«ndediener ms Zimmer. ' EZüksö," sagte dLr Nadvi,'„TA bist em kluger Mus. und dchhM möchte ich Dich beanftragen, eint geheüne Sache auszuforfcheu. Die Angclege.nb-it ist sehr wichtig rmd erheischt die größte Vorsicht. Kennst Du vielleicht den Stadtschreiber. der die Thorwärtermeldungen cutgennimmt?" „^Wir haben . als Kinder mitsammen gespielt.^" i; r „So suche ihn zu erforschen, ob vielleicht in den i letzten Tagen cm Ritter Wolf von Trachenstein i und cm Knappe Franz, ein Diener des Grafen j von Bassenheim, eines der Thorc unsrer Stadt; passirt habe!" i I „^ch werde mich gleich an die Arbeit machen j! rmd Euch, sobald als möglich, Kunde bringen, ij \ Aber ich behalte die Namen sehr schwer. Wie :i i sagte der Rabbi, Bär von Schlangenheim und Franz i , von Bassenstem?"" . „Nein," entgegncte der Rabbi Lächelnd, „Wolf - von Trachenstein und Franz, ein Knappe des Grafen - ron Dassenhcinl. Ich werde Dir die Namen anf- : schreiben, damit Du sie nicht wieder vergiffest."; \ Nach einigen Stunden kehrte Jakob zurück und erzählte, daß der Stadrschrciber sämmtliche ihm 1 cingelieferte Passierbücher nachgclcscn, daß ein - Ritter Wolf von Trachenstein in die Stadt eingeß : zogen und in der Herberge zur goldnen Kanne I Quartier genommen habe. Dagegen habe ein |; «noppe Franz, ein Diener des Grafen von Bassenß; beim, keines der Stadtthore passirt. jü | „Ich danke Dir, Jakob," sagte der Rabbi. I „Jetzt aber gehe, ich bitte Dich, in die Herberge!i; zur goldnen Kanne und frage nach dem Ritter j : Wolf von Trachenstein. Sollte er nicht da sein,; so warte dort, bis er kommen wird und dann sage . zu ihm, der Rabbi ließe ihn höflich.bitten, ihn künftig mit seine» Besuchen zu verschonen. Sollte er es dennoch wagen, unter falschem Namen in mein Hans zu kommen, so würde ich beim regierenden Bürgermeister die Anzeige wegen Landfriedcnsbruch machen und wegen Verletzung des Privilegiums, welches kaiserliche Majestät nns Juden zu verleihen die Gnade gehabt hat". Im Stübchen neben dem Gastzimmer in der; Herberge zur goldnen Kanne saßen Ritter Wolf < und Hans Wyler, der Wirth, hinter zwei mächtigen; Weirikriigen, die mit edlem Rheinwein gefüllt waren. 1 „Alles geht gut," sagte der Ritter. „Der alte! Aarr meint wirklich, ich wollte Ir,de werden und \ mich beschneiden lassen." „ „Ha, ha, ho/"' lachte Hans Wyler. „Er hat mich auf morgen »aber befeeSi, n«£ da soll der Unrcrricht beginnen. So hoffe ich, eia täglicher Gast in seinem Hause zu werden, und daun rann es nicht schien, daß ich die Bekanntschaft des Dirnleins mache." „.Jud für das Weitere habe ich keine Sorge,"" sagte Haus Wyler. „„Ein so schöner Ritter wie Ihr, schön von Angesicht, schön von Ge-' statt, der noch überdies die Worte zierlich zu setzen versteht: Kein adeliges Fräulein würde Euch widerstreben, um wie viel weniger eine Iudendirne!"" Ein Diener kam herein und meldete, daß ein Jude den gnädigen Herrn zu sprechen wünsche. „Ein Jude?" fragte der Ritter. „Was kann der von mir wollen? Laß ihn eintreten." - Gleich daraus trat Jakob ins Zimmer, sich ttef verneigend.;• „ „Ich heiße Jakob," " sagte er, „ „und bin vom Rabbi hierhergeschickt worden, um den gnädigen Herrn Ritter dessen respektvollen Gruß zu vermelden. Der Rabbi läßt Euch, gnädiger Herr, höflichst ersuchen, ihm nicht wieder die Ehre Eures Besuches zu erweisen. Sollte jedoch der gnädige Herr Ritter oder der Knappe Franz wiederum in die Behausung des Rabbi eindringen, so würde er den regierenden Herrn Bürgermeister davon verständigen und dessen Schutz sich erbitten."" Der Ritter war aufgesprungen und hatte sein Schwert gezogen. Jakob lief eilig davon. Der Ritter schleuderte den schweren Steinkrug nach ihm, der krachend zu Boden siel, nachdem Jakob bereits die Thüre des Stübchens hinter sich zugeworfen hatte. „Ich bin betrogen, verraten!" schrie der Ritter, mit dem Fuße auf den Boden stampfend. „Ich werde den Verräther erkunden und dann mit meinem Schwerte sein falsches Herz durchbohren!" „„Mäßigt Euch, Herr Ritter,"" sagte der Wirth, „„wer soll Euch verrathen haben? Weiß, doch Niemand um Euer Geheimniß, denn ich allein! Und daß ich Euch nicht verrathen, deß seid Ihr überzeugt."" „Wieso aber hat der Jude mein Geheimniß ergründet, wie hat er errathen, daß ich nicht der Knappe bin, als welcher ich mich ihm vorgestellt habe?" „„Ihr vergeht, edler Ritter, daß die Juden und namentlich die Rabbiner arge sauberer sind, die allerlei Tcnfclssprrk treiben. Sie haben eine geheime Wissenschaft, Kabalah genannt, durch die ihnen alle Geister unterlhänig werden. Solch ein Kabalist bohrt ein Loch in die Wand, spricht eine Zauberformel, und der Wein ans meinem Keller